{"id":74248,"date":"2024-04-22T12:14:32","date_gmt":"2024-04-22T10:14:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=74248"},"modified":"2024-04-22T12:14:32","modified_gmt":"2024-04-22T10:14:32","slug":"umsatzsteuerbefreiung-aerztlicher-gutachtentaetigkeit-auf-veranlassung-des-jobcenters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/umsatzsteuerbefreiung-aerztlicher-gutachtentaetigkeit-auf-veranlassung-des-jobcenters\/","title":{"rendered":"Umsatzsteuerbefreiung \u00e4rztlicher Gutachtent\u00e4tigkeit auf Veranlassung des Jobcenters"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer k\u00fcrzlich ergangenen Entscheidung des Finanzgerichts (FG) Hessen (Urteil vom 12. Juni 2023, 6 K 798\/20) wurde die Frage der Umsatzsteuerbefreiung f\u00fcr \u00e4rztliche Leistungen, die im Rahmen von Ma\u00dfnahmen der Arbeitsf\u00f6rderung erbracht werden, ausf\u00fchrlich behandelt. Diese Entscheidung bietet wichtige Erkenntnisse und Anhaltspunkte f\u00fcr die steuerliche Behandlung von \u00e4rztlichen Gutachten, die auf Veranlassung von Jobcentern erstellt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sachverhalt<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kl\u00e4ger, ein Arzt in freier Mitarbeit, war sowohl f\u00fcr die A-GmbH, die nach \u00a7 178 SGB III zertifiziert ist, als auch f\u00fcr das Gesundheitsamt t\u00e4tig. Seine T\u00e4tigkeit umfasste haupts\u00e4chlich medizinisch-psychologische Begutachtungen und die Begutachtung der Erwerbs- und Leistungsf\u00e4higkeit. Diese Gutachten waren f\u00fcr das Jobcenter bestimmt, das sie zur Einsch\u00e4tzung der beruflichen Eignung und zur Entscheidungsfindung \u00fcber Leistungsanspr\u00fcche verwendete.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Rechtliche Bewertung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kernfrage war, ob diese \u00e4rztlichen Leistungen nach \u00a7 4 Nr. 14 Buchst. a UStG (Heilbehandlungen) oder nach \u00a7 4 Nr. 15 Buchst. b UStG (Leistungen von Einrichtungen mit sozialem Charakter) umsatzsteuerbefreit sind. Zus\u00e4tzlich wurde die Anwendbarkeit des Art. 132 Abs. 1 Buchst. g der Mehrwertsteuersystemrichtlinie (MwStSystRL) betrachtet, der Dienstleistungen, die eng mit der Sozialf\u00fcrsorge verbunden sind, von der Umsatzsteuer befreit.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Medizinisch-psychologische Begutachtung<\/strong>: Diese Leistungen wurden als umsatzsteuerbefreit anerkannt, da sie haupts\u00e4chlich der Diagnose, Behandlung und Heilung von Krankheiten dienten. Diese Anerkennung erfolgte trotz der Tatsache, dass die Ergebnisse letztlich dem Jobcenter zur Arbeitsvermittlung dienten.<\/li><li><strong>Begutachtung der Erwerbs- und Leistungsf\u00e4higkeit<\/strong>: Diese Gutachten zielten darauf ab, dem Jobcenter Entscheidungshilfen zu bieten und waren nicht prim\u00e4r gesundheitsbezogen. Folglich waren sie nicht nach \u00a7 4 Nr. 14 Buchst. a UStG steuerbefreit, k\u00f6nnten jedoch unter Art. 132 Abs. 1 Buchst. g MwStSystRL fallen, sofern sie als mit der Sozialf\u00fcrsorge eng verbundene Dienstleistungen angesehen werden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Rolle des Jobcenters und der A-GmbH<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessanterweise spielte die Art der Beauftragung eine entscheidende Rolle bei der steuerlichen Beurteilung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Durch das Jobcenter vermittelte Leistungen \u00fcber die A-GmbH<\/strong>: Da die A-GmbH als zertifizierte Einrichtung fungierte und der Kl\u00e4ger als Subunternehmer t\u00e4tig war, wurden diese Leistungen als umsatzsteuerfrei behandelt.<\/li><li><strong>Direkte Beauftragung durch das Gesundheitsamt<\/strong>: Diese Leistungen fielen nicht unter die Steuerbefreiungen, da das Gesundheitsamt selbst nicht als Einrichtung der Sozialf\u00fcrsorge anerkannt ist und es an einer expliziten Unterbeauftragung fehlte.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Praktische Implikationen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Urteil verdeutlicht die Komplexit\u00e4t der steuerrechtlichen Einordnung \u00e4rztlicher Leistungen, insbesondere wenn sie im Kontext der Arbeitsf\u00f6rderung und sozialen Sicherheit erbracht werden. Es empfiehlt sich f\u00fcr \u00e4hnlich gelagerte F\u00e4lle, das BMF-Schreiben vom 2. Juli 2023 zurate zu ziehen, das zwar prim\u00e4r andere Vorschriften behandelt, aber wertvolle Auslegungshilfen bietet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4rzte und ihre Steuerberater sollten bei der umsatzsteuerlichen Behandlung von Gutachtent\u00e4tigkeiten, die f\u00fcr Jobcenter oder \u00e4hnliche soziale Einrichtungen durchgef\u00fchrt werden, sorgf\u00e4ltig die jeweiligen Vertragsbeziehungen und die spezifische Natur der erbrachten Leistungen pr\u00fcfen. Nur so kann gew\u00e4hrleistet werden, dass alle m\u00f6glichen Steuerbefreiungen korrekt angewandt werden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Rechtsprechung in diesem Bereich weiterentwickelt und welche Richtlinien zuk\u00fcnftig f\u00fcr solche Konstellationen zur Anwendung kommen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer k\u00fcrzlich ergangenen Entscheidung des Finanzgerichts (FG) Hessen (Urteil vom 12. Juni 2023, 6 K 798\/20) wurde die Frage der Umsatzsteuerbefreiung f\u00fcr \u00e4rztliche Leistungen, die im Rahmen von Ma\u00dfnahmen der Arbeitsf\u00f6rderung erbracht werden, ausf\u00fchrlich behandelt. 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