{"id":74446,"date":"2024-05-15T11:52:17","date_gmt":"2024-05-15T09:52:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=74446"},"modified":"2024-05-15T11:52:17","modified_gmt":"2024-05-15T09:52:17","slug":"nachweis-des-niedrigeren-gemeinen-werts-nach-%c2%a7-198-bewg-grundsaetze-und-aktuelle-entwicklungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/nachweis-des-niedrigeren-gemeinen-werts-nach-%c2%a7-198-bewg-grundsaetze-und-aktuelle-entwicklungen\/","title":{"rendered":"<strong>Nachweis des niedrigeren gemeinen Werts nach \u00a7 198 BewG \u2013 Grunds\u00e4tze und aktuelle Entwicklungen<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei unentgeltlichen \u00dcbertragungen von Grundst\u00fccken sind diese f\u00fcr erbschaft- und schenkungsteuerliche Zwecke zu bewerten. Dies erfolgt \u00fcblicherweise mittels Vergleichs-, Ertrags- oder Sachwertverfahren gem\u00e4\u00df dem Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz. Jedoch wurden k\u00fcrzlich die Regelungen des Ertrags- und Sachwertverfahrens durch das JStG 2022 angepasst, was h\u00e4ufig zu h\u00f6heren Bewertungsergebnissen f\u00fchrt. Diese Anpassungen zielen darauf ab, die ermittelten Grundbesitzwerte n\u00e4her an die tats\u00e4chlichen Verkehrswerte der Grundst\u00fccke zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben diesen regul\u00e4ren Verfahren bietet \u00a7 198 des Bewertungsgesetzes (BewG) dem Steuerpflichtigen die M\u00f6glichkeit, einen niedrigeren gemeinen Wert durch ein <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/immobilien-gutachten-berlin.html\">Gutachten<\/a> nachzuweisen. Diese Regelung gewinnt besonders dann an Bedeutung, wenn Grundst\u00fccke unter Nie\u00dfbrauchvorbehalt \u00fcbertragen werden oder, wie ein Urteil des FG M\u00fcnster k\u00fcrzlich zeigte, bei der \u00dcbertragung von Miteigentumsanteilen an Grundst\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wesentliche Punkte der aktuellen Rechtsprechung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das FG M\u00fcnster hat best\u00e4tigt, dass auch bei der \u00dcbertragung von Miteigentumsanteilen die M\u00f6glichkeit besteht, einen niedrigeren gemeinen Wert geltend zu machen. Dies ist relevant, da ein Miteigentumsanteil aufgrund der Einschr\u00e4nkungen in der Ver\u00e4u\u00dferbarkeit und Nutzung oft weniger wert ist als der entsprechende Anteil am Gesamtwert des Grundst\u00fccks.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bewertungsverfahren nach BewG<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bewertung von Grundst\u00fccken f\u00fcr Zwecke der Erbschaftsteuer erfolgt durch Feststellung des Grundbesitzwerts, der den gemeinen Wert abbilden soll. Die Methoden hierf\u00fcr sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Vergleichswertverfahren:<\/strong> Ermittlung des gemeinen Werts anhand von Vergleichspreisen \u00e4hnlicher Grundst\u00fccke.<\/li><li><strong>Ertragswertverfahren:<\/strong> Bewertung auf Basis der erzielbaren Mieteinnahmen, abz\u00fcglich Bewirtschaftungskosten und unter Ber\u00fccksichtigung des Bodenwerts.<\/li><li><strong>Sachwertverfahren:<\/strong> Bewertung, die vor allem bei bebauten Grundst\u00fccken zur Anwendung kommt, indem die Bau- und Bodenwerte summiert werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Praktische Anwendung des \u00a7 198 BewG<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Anwendung von \u00a7 198 BewG erlaubt es, besondere Umst\u00e4nde, die bei den standardisierten Verfahren m\u00f6glicherweise nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt werden, einzubeziehen. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn durch die \u00fcblichen Bewertungsverfahren die individuellen Gegebenheiten eines Grundst\u00fccks nicht ad\u00e4quat abgebildet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein typisches Beispiel w\u00e4re die Bewertung eines Grundst\u00fccks, das unter Nie\u00dfbrauchvorbehalt \u00fcbertragen wird. Hier kann der Nie\u00dfbrauch direkt bei der Bewertung des Grundst\u00fccks ber\u00fccksichtigt werden, was eine niedrigere Bemessungsgrundlage f\u00fcr die Erbschaft- oder Schenkungsteuer zur Folge haben kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aktuelle Entwicklungen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das j\u00fcngste Urteil des FG M\u00fcnster unterstreicht die Bedeutung von \u00a7 198 BewG f\u00fcr die Bewertung von Miteigentumsanteilen. Das Gericht anerkannte, dass der Marktwert eines Miteigentumsanteils durch dessen eingeschr\u00e4nkte Verkehrsf\u00e4higkeit gemindert sein kann und daher ein entsprechender Abschlag gerechtfertigt ist. Dies er\u00f6ffnet Steuerpflichtigen neue M\u00f6glichkeiten zur Steueroptimierung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00a7 198 BewG bietet bedeutende Chancen zur Reduzierung der erbschaft- und schenkungsteuerlichen Bemessungsgrundlage, indem er eine flexiblere Bewertung erm\u00f6glicht, die individuelle Umst\u00e4nde ber\u00fccksichtigt. Insbesondere in Zeiten, in denen die gesetzlichen Bewertungsverfahren verst\u00e4rkt zu h\u00f6heren Grundbesitzwerten f\u00fchren, kann der Nachweis eines niedrigeren gemeinen Werts erhebliche steuerliche Vorteile bieten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr weitergehende Fragen zu diesem Thema oder zur Anwendung des \u00a7 198 BewG in speziellen F\u00e4llen empfehle ich die Beratung durch einen qualifizierten Steuerberater.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei unentgeltlichen \u00dcbertragungen von Grundst\u00fccken sind diese f\u00fcr erbschaft- und schenkungsteuerliche Zwecke zu bewerten. Dies erfolgt \u00fcblicherweise mittels Vergleichs-, Ertrags- oder Sachwertverfahren gem\u00e4\u00df dem Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz. Jedoch wurden k\u00fcrzlich die Regelungen des Ertrags- und Sachwertverfahrens durch das JStG 2022 angepasst, was h\u00e4ufig zu h\u00f6heren Bewertungsergebnissen f\u00fchrt. 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