{"id":74608,"date":"2024-06-08T11:42:39","date_gmt":"2024-06-08T09:42:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=74608"},"modified":"2024-06-08T11:42:39","modified_gmt":"2024-06-08T09:42:39","slug":"bewertung-eines-grundstuecks-als-bebautes-grundstueck-erfordernis-eines-besonderen-berechtigten-aussetzungsinteresses-bei-verfassungsrechtlichen-zweifeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bewertung-eines-grundstuecks-als-bebautes-grundstueck-erfordernis-eines-besonderen-berechtigten-aussetzungsinteresses-bei-verfassungsrechtlichen-zweifeln\/","title":{"rendered":"Bewertung eines Grundst\u00fccks als bebautes Grundst\u00fcck \u2013 Erfordernis eines besonderen berechtigten Aussetzungsinteresses bei verfassungsrechtlichen Zweifeln"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>FG D\u00fcsseldorf, Pressemitteilung vom 07.06.2024 zum Beschluss 11 V 533\/24 A (BG) vom 10.05.2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht D\u00fcsseldorf (FG D\u00fcsseldorf) hat k\u00fcrzlich in einem Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes einen Beschluss gefasst, der wichtige Fragen zur Bewertung von Grundst\u00fccken im Kontext der Grundsteuer kl\u00e4rt. Der Fall betraf insbesondere die Nutzbarkeit eines Geb\u00e4udes zum Feststellungszeitpunkt und das Erfordernis eines besonderen berechtigten Aussetzungsinteresses bei verfassungsrechtlichen Zweifeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antragstellerin, Eigent\u00fcmerin eines Gewerbegrundst\u00fccks, sah sich mit einem erheblichen Unterschied zwischen dem im \u00dcbertragungsvertrag angesetzten Wert der Immobilie (200.000 Euro) und dem vom Finanzamt festgestellten Grundsteuerwert (836.000 Euro) konfrontiert. Dies veranlasste sie, Einspruch einzulegen und die Aussetzung der Vollziehung des Bescheids in H\u00f6he von 636.000 Euro zu beantragen. Sie argumentierte, dass die Grundsteuerbewertung verfassungsrechtlich bedenklich sei und der tats\u00e4chliche Zustand des Geb\u00e4udes nicht ausreichend ber\u00fccksichtigt w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kernpunkte des Verfahrens:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Eigent\u00fcmerin und Zustand des Grundst\u00fccks:<\/strong><ul><li>Die Antragstellerin hatte das Objekt 2016 f\u00fcr 350.000 Euro aus einer Insolvenzmasse erworben. Sie f\u00fchrte an, dass das Geb\u00e4ude erhebliche Sch\u00e4den aufweise, darunter Feuchtigkeitssch\u00e4den, marode Wasserleitungen und eine unbrauchbare Elektrik, was eine vollst\u00e4ndige Entkernung erforderlich mache. Daher sei das Geb\u00e4ude als Rohbau zu bewerten.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Bewertung durch das Finanzamt:<\/strong><ul><li>Das Finanzamt argumentierte, dass bei der Grundsteuerwertermittlung spezielle Merkmale wie der bauliche Zustand eines Geb\u00e4udes nicht gesondert ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssten.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Entscheidung des FG D\u00fcsseldorf:<\/strong><ul><li>Das Gericht gab dem Antrag teilweise statt. Es \u00e4u\u00dferte ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Grundsteuerwertbescheides, soweit dieser einen Wert von 382.500 Euro \u00fcberstieg, und erkannte auf den vorgelegten Fotos den Rohbauzustand des Geb\u00e4udes.<\/li><li>Eine weitergehende Aussetzung wegen m\u00f6glicher Verfassungswidrigkeit der Bewertungsvorschriften wurde jedoch abgelehnt. Das Gericht betonte, dass das \u00f6ffentliche Interesse an einer geordneten Haushaltsf\u00fchrung und der Vollzug eines ordnungsgem\u00e4\u00df zustande gekommenen Gesetzes \u00fcberwiege. Das Interesse der Antragstellerin beschr\u00e4nke sich darauf, die Grundsteuer ab dem 01.01.2025 nicht zahlen zu m\u00fcssen.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit und Bedeutung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Beschluss des FG D\u00fcsseldorf verdeutlicht die Herausforderungen bei der Bewertung von Grundst\u00fccken f\u00fcr die Grundsteuer, insbesondere wenn erhebliche bauliche M\u00e4ngel vorliegen. Zudem stellt das Gericht klar, dass verfassungsrechtliche Zweifel allein nicht ausreichen, um eine weitergehende Aussetzung der Vollziehung zu rechtfertigen, es sei denn, es besteht ein besonderes berechtigtes Interesse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung bietet wichtige Orientierungshilfen f\u00fcr Eigent\u00fcmer und Steuerberater, wie mit Differenzen in der Grundsteuerbewertung umzugehen ist und unter welchen Bedingungen eine Aussetzung der Vollziehung erreicht werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> Finanzgericht D\u00fcsseldorf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG D\u00fcsseldorf, Pressemitteilung vom 07.06.2024 zum Beschluss 11 V 533\/24 A (BG) vom 10.05.2024 Das Finanzgericht D\u00fcsseldorf (FG D\u00fcsseldorf) hat k\u00fcrzlich in einem Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes einen Beschluss gefasst, der wichtige Fragen zur Bewertung von Grundst\u00fccken im Kontext der Grundsteuer kl\u00e4rt. 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