{"id":74725,"date":"2024-06-17T16:27:15","date_gmt":"2024-06-17T14:27:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=74725"},"modified":"2024-06-17T16:27:15","modified_gmt":"2024-06-17T14:27:15","slug":"nachweis-der-bekanntgabe-bei-rechtsnachfolge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/nachweis-der-bekanntgabe-bei-rechtsnachfolge\/","title":{"rendered":"<strong>Nachweis der Bekanntgabe bei Rechtsnachfolge<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>FG M\u00fcnster, Mitteilung vom 17.06.2024 zum Urteil 4 K 870\/21 E vom 19.04.2024 (nrkr &#8211; BFH-Az.: VI R 16\/24)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Urteil vom 19. April 2024 (Az. 4 K 870\/21 E) hat der 4. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster entschieden, dass bei Bestreiten des Zugangs eines Steuerbescheids an den Rechtsvorg\u00e4nger durch den Rechtsnachfolger keine \u00fcberm\u00e4\u00dfig hohen Anforderungen an die darzulegenden Zweifel zu stellen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin, eine Stiftung und Gesamtrechtsnachfolgerin der im Februar 2020 verstorbenen Steuerpflichtigen, beanstandete den Zugang eines Einkommensteuerbescheids f\u00fcr 2016, der am 23. Oktober 2017 abgesandt wurde. Der entsprechende Erstattungsbetrag von 178,62 Euro wurde \u00fcberwiesen, jedoch fand sich der Steuerbescheid nach dem Tod der Steuerpflichtigen nicht unter den hinterlassenen Unterlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitarbeiter der Testamentsvollstreckerin entdeckten im Haushalt der Verstorbenen s\u00e4mtliche Steuerunterlagen, darunter die Steuerbescheide f\u00fcr 2017 und 2018, nicht jedoch den Bescheid f\u00fcr 2016. Eine Berechnung des Steuerberaters wies zudem auf eine erwartete Erstattung von 281,67 Euro hin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer Nachfrage \u00fcbermittelte das Finanzamt eine Abschrift des Bescheids an den Prozessbevollm\u00e4chtigten der Kl\u00e4gerin. Im Einspruchsverfahren machte die Kl\u00e4gerin steuermindernde Kosten in H\u00f6he von 200.000 Euro geltend und argumentierte, der Bescheid sei nie bekannt gegeben worden. Das Finanzamt verwarf den Einspruch als unzul\u00e4ssig unter Berufung auf die gesetzliche Zugangsfiktion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht M\u00fcnster gab der Klage in vollem Umfang statt. Es stellte fest, dass der Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2016 nicht als bekannt gegeben gelte. Die Beh\u00f6rde tr\u00e4gt den vollen Beweis f\u00fcr den Zugang eines Verwaltungsakts, wobei Verhaltensweisen des Steuerpflichtigen indiziell gew\u00fcrdigt werden k\u00f6nnen. Ein Rechtsnachfolger muss allerdings nicht nur mit Nichtwissen bestreiten, sondern begr\u00fcndete Zweifel am Zugang darlegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Streitfall sah das Gericht solche Zweifel als gegeben an. Die tats\u00e4chlich erfolgte Erstattung war deutlich niedriger als die berechnete Summe, was auf eine fehlende Bekanntgabe hinweist. Zudem h\u00e4tte die Steuerpflichtige bei Bekanntgabe Kontakt zum Finanzamt oder Steuerberater aufgenommen. Die gut sortierten Unterlagen im Haushalt der Verstorbenen ohne den Bescheid f\u00fcr 2016, aber mit den Bescheiden f\u00fcr 2017 und 2018, verst\u00e4rkten diese Zweifel. Auch aus der \u00dcberweisung des Erstattungsbetrags konnte keine sichere \u00dcberzeugung des Zugangs gewonnen werden, insbesondere unter Ber\u00fccksichtigung des fortgeschrittenen Alters der Verstorbenen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Revision wurde zugelassen und ist beim Bundesfinanzhof unter dem Az. VI R 16\/24 anh\u00e4ngig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> Finanzgericht M\u00fcnster, Newsletter Juni 2024<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG M\u00fcnster, Mitteilung vom 17.06.2024 zum Urteil 4 K 870\/21 E vom 19.04.2024 (nrkr &#8211; BFH-Az.: VI R 16\/24) Mit Urteil vom 19. April 2024 (Az. 4 K 870\/21 E) hat der 4. Senat des Finanzgerichts M\u00fcnster entschieden, dass bei Bestreiten des Zugangs eines Steuerbescheids an den Rechtsvorg\u00e4nger durch den Rechtsnachfolger keine \u00fcberm\u00e4\u00dfig hohen Anforderungen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/nachweis-der-bekanntgabe-bei-rechtsnachfolge\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\"><strong>Nachweis der Bekanntgabe bei Rechtsnachfolge<\/strong><\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1730],"tags":[],"class_list":["post-74725","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuern-recht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74725","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74725"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74725\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74725"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74725"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74725"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}