{"id":74810,"date":"2024-06-28T13:09:34","date_gmt":"2024-06-28T11:09:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=74810"},"modified":"2024-06-28T13:12:11","modified_gmt":"2024-06-28T11:12:11","slug":"bfh-zur-verfassungsmaessigkeit-der-verlustverrechnungsbeschraenkung-fuer-termingeschaefte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-zur-verfassungsmaessigkeit-der-verlustverrechnungsbeschraenkung-fuer-termingeschaefte\/","title":{"rendered":"BFH zur Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkung f\u00fcr Termingesch\u00e4fte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BFH, Beschluss VIII B 113\/23 (AdV) vom 07.06.2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in seinem Beschluss vom 7. Juni 2024 (VIII B 113\/23) festgestellt, dass die Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkung f\u00fcr Termingesch\u00e4fte gem\u00e4\u00df \u00a7 20 Abs. 6 Satz 5 des Einkommensteuergesetzes (EStG) bei summarischer Pr\u00fcfung nicht mit Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) vereinbar ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Leitsatz des Beschlusses<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der im Aussetzungsverfahren nach \u00a7 69 Abs. 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) gebotenen summarischen Pr\u00fcfung ist die Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkung f\u00fcr Termingesch\u00e4fte gem\u00e4\u00df \u00a7 20 Abs. 6 Satz 5 i.d.F. des Jahressteuergesetzes 2020 vom 21.12.2020 (BGBl. I 2020, 3096) nicht mit Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes vereinbar.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund des Falls<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antragsteller, die f\u00fcr das Jahr 2021 zusammen zur Einkommensteuer veranlagt wurden, erzielten neben anderen Eink\u00fcnften auch Gewinne und Verluste aus Termingesch\u00e4ften. Das Finanzamt (FA) beschr\u00e4nkte die Verrechnung der Verluste aus Termingesch\u00e4ften auf 20.000 \u20ac, was zu einer h\u00f6heren Steuerbelastung f\u00fchrte. Die Antragsteller erhoben Einspruch und beantragten die Aussetzung der Vollziehung (AdV), da sie die Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkung f\u00fcr verfassungswidrig hielten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Entscheidung des BFH<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH wies die Beschwerde des FA gegen den Beschluss des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz zur\u00fcck und best\u00e4tigte die AdV. Dabei f\u00fchrte er aus, dass ernstliche Zweifel an der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkung bestehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wesentliche Gr\u00fcnde<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit<\/strong>:<ul><li>Der BFH erkannte bei summarischer Pr\u00fcfung, dass die Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkung f\u00fcr Termingesch\u00e4fte gegen Art. 3 Abs. 1 GG versto\u00dfen k\u00f6nnte. Die Regelung f\u00fchrt zu einer Ungleichbehandlung von Steuerpflichtigen, die Verluste aus Termingesch\u00e4ften erzielen, gegen\u00fcber solchen mit Verlusten aus anderen Kapitalanlagen.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Asymmetrische Besteuerung<\/strong>:<ul><li>Die Regelung f\u00fchrt zu einer asymmetrischen Besteuerung, bei der Gewinne aus Termingesch\u00e4ften voll besteuert werden, Verluste jedoch nur begrenzt verrechnet werden k\u00f6nnen. Dies widerspricht dem objektiven Nettoprinzip, wonach Gewinne und Verluste steuerlich gleich behandelt werden sollten.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Keine ausreichende Rechtfertigung<\/strong>:<ul><li>Die gesetzliche Differenzierung wird nicht durch sachliche Gr\u00fcnde gerechtfertigt. Der angebliche Zweck, Verlustrisiken zu begrenzen, wird durch die Regelung nicht erreicht. Vielmehr werden Steuerpflichtige dazu angehalten, weiterhin in Termingesch\u00e4fte zu investieren, um ihre Verluste verrechnen zu k\u00f6nnen.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entscheidungsfreiheit<\/strong>:<ul><li>Die Beschr\u00e4nkung beeintr\u00e4chtigt die freie Wahl der Kapitalanlageobjekte und -formen, was gegen die wirtschaftliche Bet\u00e4tigungsfreiheit aus Art. 2 Abs. 1 GG verst\u00f6\u00dft.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Gefahr des endg\u00fcltigen Verlustuntergangs<\/strong>:<ul><li>Die Regelung kann dazu f\u00fchren, dass Verluste aus Termingesch\u00e4ften in der Totalperiode nicht vollst\u00e4ndig ausgeglichen werden k\u00f6nnen, was den Kernbereich einer Nettoertragsbesteuerung verletzt.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Quelle<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bundesfinanzhof, Beschluss VIII B 113\/23 (AdV) vom 07.06.2024<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr detaillierte Informationen und individuelle Beratung zu den Auswirkungen dieses Beschlusses stehen wir Ihnen gerne zur Verf\u00fcgung. Kontaktieren Sie uns \u00fcber unsere Webseite oder rufen Sie uns an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Beschluss VIII B 113\/23 (AdV) vom 07.06.2024 Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in seinem Beschluss vom 7. Juni 2024 (VIII B 113\/23) festgestellt, dass die Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkung f\u00fcr Termingesch\u00e4fte gem\u00e4\u00df \u00a7 20 Abs. 6 Satz 5 des Einkommensteuergesetzes (EStG) bei summarischer Pr\u00fcfung nicht mit Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) vereinbar ist. Leitsatz des Beschlusses &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-zur-verfassungsmaessigkeit-der-verlustverrechnungsbeschraenkung-fuer-termingeschaefte\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">BFH zur Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Verlustverrechnungsbeschr\u00e4nkung f\u00fcr Termingesch\u00e4fte<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1730],"tags":[],"class_list":["post-74810","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuern-recht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74810","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74810"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74810\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74810"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74810"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74810"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}