{"id":74830,"date":"2024-07-02T18:18:22","date_gmt":"2024-07-02T16:18:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=74830"},"modified":"2024-07-02T18:18:22","modified_gmt":"2024-07-02T16:18:22","slug":"umsatzsteuer-bei-hoteluebernachtungen-und-nebenleistungen-entscheidung-des-eugh-erwartet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/umsatzsteuer-bei-hoteluebernachtungen-und-nebenleistungen-entscheidung-des-eugh-erwartet\/","title":{"rendered":"Umsatzsteuer bei Hotel\u00fcbernachtungen und Nebenleistungen \u2013 Entscheidung des EuGH erwartet"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) steht vor einer wichtigen Entscheidung bez\u00fcglich der Besteuerung von Nebenleistungen in Hotels. Es geht darum, ob f\u00fcr diese Nebenleistungen der erm\u00e4\u00dfigte Umsatzsteuersatz von 7 % anzuwenden ist, der auch f\u00fcr die \u00dcbernachtung gilt, oder ob der regul\u00e4re Steuersatz von 19 % zur Anwendung kommt. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat Zweifel und hat die Streitfrage dem EuGH vorgelegt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach deutschem Recht werden Hotel\u00fcbernachtungen mit einem erm\u00e4\u00dfigten Umsatzsteuersatz von 7 % besteuert. Allerdings gilt dieser erm\u00e4\u00dfigte Steuersatz nicht f\u00fcr Leistungen, die nicht unmittelbar der Vermietung dienen, selbst wenn sie im Hotelpreis enthalten sind. Dies erfordert eine Aufteilung des Gesamtentgelts in den Anteil f\u00fcr die Zimmer\u00fcberlassung (7 %) und den Anteil f\u00fcr die Nebenleistungen (19 %).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Ausgangsf\u00e4lle<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH musste \u00fcber drei F\u00e4lle entscheiden, die jeweils ein Hotel bzw. eine Pension betrafen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Fall 1<\/strong>: Das Hotel bot optional ein Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr 4,50 \u20ac an. Im Hotelpreis war ein Parkplatz enthalten.<\/li><li><strong>Fall 2<\/strong>: Im \u00dcbernachtungspreis waren ein Parkplatz, WLAN und die Nutzung des Fitness- und Wellnessbereichs enthalten.<\/li><li><strong>Fall 3<\/strong>: Zur \u00dcbernachtung geh\u00f6rte ein Fr\u00fchst\u00fcck, das nicht abgew\u00e4hlt werden konnte.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzamt wandte in allen F\u00e4llen den erm\u00e4\u00dfigten Umsatzsteuersatz nur auf die \u00dcbernachtung an und teilte den Zimmerpreis auf die \u00dcbernachtungsleistung (7 %) und die Nebenleistungen (19 %) auf. Hiergegen wehrten sich die Betreiber.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidung des BFH und Vorlage an den EuGH<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH stellte fest, dass nach deutschem Recht ein Aufteilungsgebot besteht, weil der erm\u00e4\u00dfigte Umsatzsteuersatz nur f\u00fcr die Zimmervermietung gilt, nicht aber f\u00fcr Nebenleistungen wie Parkpl\u00e4tze, WLAN, Fitness- und Wellnessbereiche oder Fr\u00fchst\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Rechtsprechung des EuGH<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der EuGH hat jedoch in der Vergangenheit entschieden, dass eine einheitliche Leistung, die aus einer Hauptleistung und einer Nebenleistung besteht und bei der unterschiedliche Umsatzsteuers\u00e4tze gelten, nicht aufgeteilt werden darf. Der Umsatzsteuersatz der Hauptleistung gilt dann f\u00fcr die gesamte Leistung. Diese Rechtsprechung k\u00f6nnte darauf hindeuten, dass das deutsche Aufteilungsgebot europarechtswidrig ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der EuGH muss nun entscheiden, ob das deutsche Aufteilungsgebot mit dem Europarecht vereinbar ist. Die Entscheidung wird insbesondere f\u00fcr Nebenleistungen von Bedeutung sein, die weder hinzugebucht noch abgew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eigenst\u00e4ndige Leistungen<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kann jedoch eine Leistung, wie z.B. das Fr\u00fchst\u00fcck im ersten Fall, zu- oder abgew\u00e4hlt werden, handelt es sich um eine eigenst\u00e4ndige Leistung, die dem regul\u00e4ren Steuersatz von 19 % unterliegt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bevorstehende Entscheidung des EuGH wird erhebliche Auswirkungen auf die Besteuerung von Hotel\u00fcbernachtungen und Nebenleistungen in Deutschland haben. Hoteliers und Steuerberater sollten die Entwicklungen genau verfolgen, um rechtzeitig auf m\u00f6gliche \u00c4nderungen reagieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Quellen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>BFH, Beschl\u00fcsse vom 10.01.2024 \u2013 XI R 11\/23 (XI R 34\/20); XI R 13\/23 (XI R 7\/21); XI R 14\/23 (XI R 22\/21); NWB<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bleiben Sie informiert \u00fcber die neuesten Entwicklungen in der Umsatzsteuer und anderen steuerlichen Themen auf unserer Webseite.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) steht vor einer wichtigen Entscheidung bez\u00fcglich der Besteuerung von Nebenleistungen in Hotels. Es geht darum, ob f\u00fcr diese Nebenleistungen der erm\u00e4\u00dfigte Umsatzsteuersatz von 7 % anzuwenden ist, der auch f\u00fcr die \u00dcbernachtung gilt, oder ob der regul\u00e4re Steuersatz von 19 % zur Anwendung kommt. 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