{"id":74832,"date":"2024-07-04T11:54:07","date_gmt":"2024-07-04T09:54:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=74832"},"modified":"2024-07-04T11:54:07","modified_gmt":"2024-07-04T09:54:07","slug":"korrektur-bestandskraeftiger-bescheide-nach-aussenpruefung-bei-einnahmenueberschussrechnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/korrektur-bestandskraeftiger-bescheide-nach-aussenpruefung-bei-einnahmenueberschussrechnung\/","title":{"rendered":"Korrektur bestandskr\u00e4ftiger Bescheide nach Au\u00dfenpr\u00fcfung bei Einnahmen\u00fcberschussrechnung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zusammenfassung des Urteils BFH vom 06. Mai 2024, III R 14\/22<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Korrektur bestandskr\u00e4ftiger Bescheide nach Au\u00dfenpr\u00fcfung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>ECLI:DE:BFH:2024<\/strong><strong>.060524.IIIR14.22.0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BFH III. Senat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>AO \u00a7 143, AO \u00a7 158, AO \u00a7 162 Abs 1, AO \u00a7 162 Abs 2, AO \u00a7 173 Abs 1 Nr 1, EStG \u00a7 4 Abs 3, EStG VZ 2013, EStG VZ 2014<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied am 06. Mai 2024, dass die Art und Weise, wie ein Steuerpflichtiger, der seinen Gewinn durch <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/einnahmenueberschussrechnung.html\">Einnahmen\u00fcberschussrechnung<\/a> ermittelt, seine Aufzeichnungen f\u00fchrt, eine Tatsache darstellt, die zur Korrektur eines bestandskr\u00e4ftigen Einkommensteuerbescheids f\u00fchren kann, wenn sie dem Finanzamt (FA) nachtr\u00e4glich bekannt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hintergrund:<\/strong> Der Kl\u00e4ger, ein Einzelh\u00e4ndler, ermittelte seinen Gewinn durch Einnahmen\u00fcberschussrechnung (\u00a7 4 Abs. 3 EStG) und f\u00fchrte seine Aufzeichnungen elektronisch. Eine Au\u00dfenpr\u00fcfung beanstandete die formelle Mangelhaftigkeit seiner Aufzeichnungen, was zu einer Hinzusch\u00e4tzung durch das FA f\u00fchrte. Das FA \u00e4nderte daraufhin die bestandskr\u00e4ftigen Einkommensteuerbescheide der Streitjahre gem\u00e4\u00df \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO, da nachtr\u00e4glich steuererh\u00f6hende Tatsachen bekannt geworden seien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Urteil:<\/strong> Der BFH best\u00e4tigte, dass die Art und Weise der Aufzeichnungen eine Tatsache im Sinne des \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO darstellt. Dies gilt sowohl f\u00fcr Wareneing\u00e4nge (\u00a7 143 AO) als auch f\u00fcr andere Aufzeichnungen und Belege, selbst wenn \u00a7 4 Abs. 3 EStG keine f\u00f6rmliche Aufzeichnungspflicht vorschreibt. Die Rechtserheblichkeit dieser Tatsachen ist gegeben, wenn das FA bei vollst\u00e4ndiger Kenntnis dieser Tatsachen bereits bei der urspr\u00fcnglichen Veranlagung zur Sch\u00e4tzung befugt gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weiteres Verfahren:<\/strong> Der BFH hob das Urteil des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts auf und verwies die Sache zur weiteren Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcck. Das Finanzgericht muss pr\u00fcfen, ob die Aufzeichnungen des Kl\u00e4gers solche M\u00e4ngel aufweisen, die eine Hinzusch\u00e4tzung von Betriebseinnahmen rechtfertigen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Leits\u00e4tze:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die Art und Weise der Aufzeichnungen eines Steuerpflichtigen, der seinen Gewinn durch Einnahmen\u00fcberschussrechnung ermittelt, ist eine Tatsache im Sinne des \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO.<\/li><li>Dies gilt f\u00fcr Aufzeichnungen \u00fcber den Wareneingang (\u00a7 143 AO) ebenso wie f\u00fcr sonstige Aufzeichnungen und Belege.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Tenor:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Aufhebung des Urteils des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts vom 21.08.2020 \u2013 3 K 208\/18.<\/li><li>Zur\u00fcckverweisung der Sache an das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung.<\/li><li>Entscheidung \u00fcber die Kosten des Verfahrens wird dem Finanzgericht \u00fcbertragen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Tatbestand:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Streitpunkt war die \u00c4nderung der Einkommensteuerbescheide f\u00fcr 2013 und 2014 aufgrund nachtr\u00e4glich bekannt gewordener Tatsachen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger wurde als Einzelunternehmer veranlagt und nutzte eine elektronische Kasse, deren Aufzeichnungen w\u00e4hrend einer Au\u00dfenpr\u00fcfung als formell mangelhaft bewertet wurden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Entscheidungsgr\u00fcnde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Der BFH betonte, dass auch formelle M\u00e4ngel der Aufzeichnungen zur Sch\u00e4tzungsbefugnis des FA f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/li><li>Das Finanzgericht muss nun pr\u00fcfen, ob die M\u00e4ngel in den Aufzeichnungen des Kl\u00e4gers die Hinzusch\u00e4tzung rechtfertigen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>BFH, Pressemitteilung Nr. 30\/24 vom 04.07.2024 zum Urteil III R 14\/22 vom 06.05.2024<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 06.05.2024 \u2013 III R 14\/22 \u2013 entschieden, dass die Art und Weise, in der ein Steuerpflichtiger, der seinen Gewinn durch <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/einnahmenueberschussrechnung.html\">Einnahmen\u00fcberschussrechnung<\/a> ermittelt, seine Aufzeichnungen gef\u00fchrt hat, eine Tatsache ist, die \u2013 wird sie dem Finanzamt (FA) nachtr\u00e4glich bekannt \u2013 zur Korrektur eines bestandskr\u00e4ftigen Einkommensteuerbescheids f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kl\u00e4ger war als Einzelh\u00e4ndler t\u00e4tig und ermittelte seinen Gewinn im Wege der Einnahmen\u00fcberschussrechnung (\u00a7 4 Abs. 3 EStG). Das FA veranlagte ihn zun\u00e4chst erkl\u00e4rungsgem\u00e4\u00df und ohne Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung. Eine sp\u00e4tere Au\u00dfenpr\u00fcfung beanstandete die Aufzeichnungen des Kl\u00e4gers als formell mangelhaft und f\u00fchrte zu einer Hinzusch\u00e4tzung. Das FA \u00e4nderte daraufhin die bestandskr\u00e4ftigen Einkommensteuerbescheide der Streitjahre. Dies sei auch verfahrensrechtlich zul\u00e4ssig, da im Rahmen der Au\u00dfenpr\u00fcfung nachtr\u00e4glich steuererh\u00f6hende Tatsachen bekannt geworden seien (\u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO).<\/p>\n\n\n\n<p>Dem folgte der BFH im Grundsatz. \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO lasse eine \u00c4nderung bestandskr\u00e4ftiger Steuerbescheide nicht nur dann zu, wenn sicher feststehe, dass der Steuerpflichtige Betriebseinnahmen nicht aufgezeichnet habe. Auch die Art und Weise, in der der Steuerpflichtige seine Aufzeichnungen gef\u00fchrt habe, sei eine Tatsache im Sinne des \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO. Dies gelte f\u00fcr Aufzeichnungen \u00fcber den Wareneingang (\u00a7 143 AO) ebenso wie f\u00fcr sonstige Aufzeichnungen oder die \u00fcbrige Belegsammlung eines Steuerpflichtigen, der seinen Gewinn durch Einnahmen\u00fcberschussrechnung ermittle, auch wenn \u00a7 4 Abs. 3 EStG keine Verpflichtung zur f\u00f6rmlichen Aufzeichnung der Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben vorsehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber, ob im Streitfall eine \u00c4nderung der bestandskr\u00e4ftigen Steuerbescheide gem\u00e4\u00df \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 1 AO zul\u00e4ssig war, konnte der BFH allerdings \u2013 mangels hinreichender Feststellungen des Finanzgerichts (FG) zur Rechtserheblichkeit \u2013 nicht abschlie\u00dfend entscheiden. Die Tatsache, ob und wie der Steuerpflichtige seine Bareinnahmen aufgezeichnet habe sei rechtserheblich, wenn das FA bei deren vollst\u00e4ndiger Kenntnis bereits im Zeitpunkt der Veranlagung zur Sch\u00e4tzung befugt gewesen w\u00e4re und deswegen eine h\u00f6here Steuer festgesetzt h\u00e4tte. Da eine Sch\u00e4tzungsbefugnis des FA in bestimmten F\u00e4llen auch bei (lediglich) formellen M\u00e4ngeln der Aufzeichnungen \u00fcber Bareinnahmen bestehe, m\u00fcsse das FG im zweiten Rechtsgang pr\u00fcfen, ob die Unterlagen des Kl\u00e4gers M\u00e4ngel aufwiesen, die zur Hinzusch\u00e4tzung von Betriebseinnahmen f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenfassung des Urteils BFH vom 06. Mai 2024, III R 14\/22 Korrektur bestandskr\u00e4ftiger Bescheide nach Au\u00dfenpr\u00fcfung ECLI:DE:BFH:2024.060524.IIIR14.22.0 BFH III. 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