{"id":75207,"date":"2024-08-21T12:08:19","date_gmt":"2024-08-21T10:08:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=75207"},"modified":"2024-08-21T12:08:19","modified_gmt":"2024-08-21T10:08:19","slug":"kein-abzug-von-aufwendungen-fuer-den-abriss-und-neubau-eines-formaldehydbelasteten-wohnhauses-als-aussergewoehnliche-belastung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-abzug-von-aufwendungen-fuer-den-abriss-und-neubau-eines-formaldehydbelasteten-wohnhauses-als-aussergewoehnliche-belastung\/","title":{"rendered":"<strong>Kein Abzug von Aufwendungen f\u00fcr den Abriss und Neubau eines formaldehydbelasteten Wohnhauses als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg hat in einem Urteil vom 01.02.2024 (1 K 1855\/21) entschieden, dass Aufwendungen f\u00fcr den Abriss und Neubau eines formaldehydbelasteten Einfamilienhauses nicht als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung abziehbar sind, wenn diese Ma\u00dfnahmen nicht notwendig waren, um die Formaldehydemission zu beseitigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sachverhalt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kl\u00e4ger, Eigent\u00fcmer eines freistehenden Einfamilienhauses, lie\u00df sein Schlafzimmer baubiologisch untersuchen, nachdem er gesundheitliche Beschwerden festgestellt hatte, die in Zusammenhang mit seinem Wohnraum standen. Die Untersuchung ergab eine erh\u00f6hte Formaldehydkonzentration (0,112 ppm) in der Raumluft, die leicht \u00fcber dem als gesundheitsgef\u00e4hrdend geltenden Grenzwert von 0,1 ppm lag. Der Kl\u00e4ger entschied sich daraufhin, das Wohngeb\u00e4ude abzurei\u00dfen und ein neues Einfamilienhaus auf dem bestehenden Keller zu errichten. Die Kosten hierf\u00fcr machte er in seiner Einkommensteuererkl\u00e4rung als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung geltend, was das Finanzamt jedoch ablehnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gerichtliche Entscheidung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht wies die Klage ab und stellte fest, dass die geltend gemachten Aufwendungen nicht als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen abzugsf\u00e4hig sind, da der Abriss des Geb\u00e4udes und der Neubau nicht notwendig waren, um die Formaldehydemission zu beseitigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gesundheitsgef\u00e4hrdung durch Formaldehyd<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht erkannte an, dass eine Belastung der Raumluft mit Formaldehyd \u00fcber 0,1 ppm eine konkrete Gesundheitsgef\u00e4hrdung darstellt. Diese Belastung kann durch Bauprodukte oder M\u00f6bel verursacht werden, die Spanplatten enthalten, welche Formaldehyd abgeben. In solchen F\u00e4llen k\u00f6nnen Sanierungsma\u00dfnahmen, die zur Beseitigung der Gesundheitsgef\u00e4hrdung durchgef\u00fchrt werden, grunds\u00e4tzlich als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen abziehbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Notwendigkeit der Ma\u00dfnahme zur Beseitigung der Formaldehydemission<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht betonte jedoch, dass der Abriss und Neubau eines Hauses nur dann als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung abziehbar sind, wenn diese Ma\u00dfnahmen tats\u00e4chlich notwendig sind, um die Formaldehydemission zu beseitigen. Im vorliegenden Fall wurde jedoch festgestellt, dass die Emissionen durch weniger gravierende Ma\u00dfnahmen wie Versiegelung, Abdichtung, Nachbeschichtung oder verbesserte L\u00fcftung auf ein unbedenkliches Niveau h\u00e4tten reduziert werden k\u00f6nnen. Der vollst\u00e4ndige Abriss und Neubau waren daher nicht erforderlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fehlende Kausalit\u00e4t der Schadstoffbelastung f\u00fcr gesundheitliche Beeintr\u00e4chtigungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das vorgelegte \u00e4rztliche Attest konnte zudem nicht hinreichend belegen, dass die gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen des Kl\u00e4gers ausschlie\u00dflich durch die Formaldehydkonzentration verursacht wurden. Es fehlten detaillierte Angaben zum zeitlichen Verlauf, zur Schwere der Krankheiten und zu den Gesundheitssch\u00e4den, die den Zusammenhang h\u00e4tten nachweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil des Finanzgerichts Baden-W\u00fcrttemberg verdeutlicht, dass Aufwendungen f\u00fcr Abriss und Neubau eines Hauses nicht als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung abzugsf\u00e4hig sind, wenn diese Ma\u00dfnahmen nicht zwingend notwendig sind, um eine Gesundheitsgef\u00e4hrdung zu beseitigen. Steuerpflichtige sollten daher sorgf\u00e4ltig pr\u00fcfen, ob weniger aufwendige Sanierungsma\u00dfnahmen ausreichend sind, bevor sie umfangreiche bauliche Ma\u00dfnahmen ergreifen und steuerlich geltend machen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg, Newsletter 1\/2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg hat in einem Urteil vom 01.02.2024 (1 K 1855\/21) entschieden, dass Aufwendungen f\u00fcr den Abriss und Neubau eines formaldehydbelasteten Einfamilienhauses nicht als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung abziehbar sind, wenn diese Ma\u00dfnahmen nicht notwendig waren, um die Formaldehydemission zu beseitigen. 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