{"id":75211,"date":"2024-08-23T11:16:08","date_gmt":"2024-08-23T09:16:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=75211"},"modified":"2024-08-23T11:16:08","modified_gmt":"2024-08-23T09:16:08","slug":"vorlage-an-das-bundesverfassungsgericht-bfh-haelt-aussetzungszinsen-von-monatlich-einhalb-prozent-fuer-verfassungswidrig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/vorlage-an-das-bundesverfassungsgericht-bfh-haelt-aussetzungszinsen-von-monatlich-einhalb-prozent-fuer-verfassungswidrig\/","title":{"rendered":"Vorlage an das Bundesverfassungsgericht: BFH h\u00e4lt Aussetzungszinsen von monatlich einhalb Prozent f\u00fcr verfassungswidrig"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>BFH, Pressemitteilung Nr. 34\/24 vom 22.08.2024 zum Beschluss VIII R 9\/23 vom 08.05.2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der VIII. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat in seinem Beschluss vom 08.05.2024 (VIII R 9\/23) entschieden, den gesetzlichen Zinssatz von 6 % p.a. f\u00fcr sogenannte Aussetzungszinsen als verfassungswidrig einzustufen. Aufgrund dieser Einsch\u00e4tzung hat der BFH das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) angerufen, um eine verfassungsrechtliche Pr\u00fcfung des Zinssatzes vorzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<h3>Hintergrund<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Steuerrecht haben Einspruch und Klage grunds\u00e4tzlich keine aufschiebende Wirkung, was bedeutet, dass der Steuerpflichtige die festgesetzte Steuer zun\u00e4chst zahlen muss. Eine Aussetzung der Vollziehung (AdV) kann jedoch beantragt werden, wenn ernstliche Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des angefochtenen Bescheids bestehen. Wird dem Antrag stattgegeben, muss die Steuer zun\u00e4chst nicht gezahlt werden. Sollte das Rechtsmittel letztlich erfolglos bleiben, ist der Steuerpflichtige jedoch verpflichtet, die ausgesetzte Steuer nachtr\u00e4glich zu zahlen. Zus\u00e4tzlich muss er f\u00fcr den Zeitraum der AdV Zinsen in H\u00f6he von 6 % p.a. (0,5 % pro Monat) entrichten, gem\u00e4\u00df \u00a7 237 i.V.m. \u00a7 238 Abs. 1 Satz 1 der Abgabenordnung (AO).<\/p>\n\n\n\n<h3>Verfassungsrechtliche Bedenken<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH hat in seinem Beschluss festgestellt, dass der Zinssatz von 6 % p.a. im Zeitraum vom 01.01.2019 bis zum 15.04.2021 gegen Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) versto\u00dfen k\u00f6nnte. In Zeiten struktureller Niedrigzinsen sei der gesetzliche Zinssatz nicht mehr erforderlich, um den typischen Liquidit\u00e4tsvorteil, den ein Steuerpflichtiger durch die sp\u00e4tere Zahlung erlangt, abzusch\u00f6pfen. Der Zinssatz sei daher unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hoch.<\/p>\n\n\n\n<h3>Ungleichbehandlung von Steuerpflichtigen<\/h3>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus sieht der BFH eine verfassungsrechtlich bedenkliche Ungleichbehandlung zwischen Steuerpflichtigen, die Aussetzungszinsen zahlen m\u00fcssen, und solchen, die Nachzahlungszinsen schulden. W\u00e4hrend Nachzahlungszinsen seit dem 01.01.2019 nur noch mit 1,8 % p.a. (0,15 % pro Monat) berechnet werden, verbleiben die Aussetzungszinsen unver\u00e4ndert bei 6 % p.a. Diese Differenzierung h\u00e4lt der BFH f\u00fcr verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt.<\/p>\n\n\n\n<h3>Weiteres Vorgehen<\/h3>\n\n\n\n<p>Das BVerfG wird nun pr\u00fcfen, ob der Zinssatz von 6 % p.a. f\u00fcr Aussetzungszinsen verfassungsgem\u00e4\u00df ist. Die Entscheidung des BVerfG k\u00f6nnte weitreichende Folgen f\u00fcr die Praxis der Verzinsung im Steuerrecht haben, insbesondere hinsichtlich der Anpassung von Zinss\u00e4tzen in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Pressemitteilung Nr. 34\/24 vom 22.08.2024 zum Beschluss VIII R 9\/23 vom 08.05.2024 Der VIII. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat in seinem Beschluss vom 08.05.2024 (VIII R 9\/23) entschieden, den gesetzlichen Zinssatz von 6 % p.a. f\u00fcr sogenannte Aussetzungszinsen als verfassungswidrig einzustufen. 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