{"id":75213,"date":"2024-08-23T11:17:26","date_gmt":"2024-08-23T09:17:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=75213"},"modified":"2024-08-23T11:17:26","modified_gmt":"2024-08-23T09:17:26","slug":"bfh-unionsrechtswidrigkeit-der-besteuerung-auslaendischer-investmentfonds-nach-dem-invstg-2004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-unionsrechtswidrigkeit-der-besteuerung-auslaendischer-investmentfonds-nach-dem-invstg-2004\/","title":{"rendered":"BFH: Unionsrechtswidrigkeit der Besteuerung ausl\u00e4ndischer Investmentfonds nach dem InvStG 2004"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>BFH, Pressemitteilung Nr. 33\/24 vom 22.08.2024 zum Urteil I R 1\/20 vom 13.03.2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in seinem Urteil vom 13.03.2024 (I R 1\/20) entschieden, dass die Besteuerung ausl\u00e4ndischer Investmentfonds nach dem Investmentsteuergesetz 2004 (InvStG 2004) unionsrechtswidrig ist, wenn sie zu einer ungleichen Behandlung im Vergleich zu inl\u00e4ndischen Fonds f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h3>Hintergrund:<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein ausl\u00e4ndischer Investmentfonds, der Dividenden von inl\u00e4ndischen Aktiengesellschaften erhielt und darauf Kapitalertragsteuer entrichten musste, hat nach Unionsrecht grunds\u00e4tzlich Anspruch auf Erstattung dieser Steuer. Der BFH hat festgestellt, dass die Besteuerungspraxis gem\u00e4\u00df InvStG 2004 in der damaligen Form gegen die unionsrechtlich garantierte Kapitalverkehrsfreiheit verst\u00f6\u00dft, wenn ausl\u00e4ndische Fonds schlechter gestellt werden als inl\u00e4ndische.<\/p>\n\n\n\n<h3>Der Streitfall:<\/h3>\n\n\n\n<p>Im konkreten Fall hatte ein franz\u00f6sischer Investmentfonds \u00fcber mehrere Jahre hinweg Dividenden von deutschen Aktiengesellschaften bezogen. Auf diese Dividenden war Kapitalertragsteuer erhoben und abgef\u00fchrt worden. Der Fonds beantragte sp\u00e4ter die Erstattung dieser Steuern und berief sich dabei auf die steuerliche Gleichstellung mit inl\u00e4ndischen Fonds, die keine Kapitalertragsteuer zahlen m\u00fcssen. Das Finanzgericht lehnte den Antrag ab, jedoch gab der BFH dem Fonds Recht.<\/p>\n\n\n\n<h3>Entscheidung des BFH:<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH stellte klar, dass ausl\u00e4ndische Fonds nach der Rechtsprechung des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs (EuGH) Anspruch auf dieselben Steuerverg\u00fcnstigungen haben, die inl\u00e4ndischen Fonds zustehen. Da inl\u00e4ndische Fonds im Ergebnis keine Steuer auf ihre Dividenden entrichten m\u00fcssen, darf ausl\u00e4ndischen Fonds diese steuerliche Verg\u00fcnstigung nicht vorenthalten werden. Dies w\u00fcrde die im Unionsrecht verankerte Kapitalverkehrsfreiheit verletzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tatsache, dass in Deutschland die Besteuerung letztlich bei den Anlegern inl\u00e4ndischer Fonds nachgeholt wird, w\u00e4hrend dies im Ausland m\u00f6glicherweise nicht der Fall ist, sei unerheblich. Daher muss die auf die Dividenden eines ausl\u00e4ndischen Fonds erhobene Kapitalertragsteuer an diesen Fonds zur\u00fcckerstattet werden. Dar\u00fcber hinaus ist der Erstattungsanspruch grunds\u00e4tzlich mit 6 % p.a. zu verzinsen.<\/p>\n\n\n\n<h3>Reform des InvStG:<\/h3>\n\n\n\n<p>Seit dem 01.01.2018 wurde das Investmentsteuergesetz reformiert, wodurch sowohl inl\u00e4ndische als auch ausl\u00e4ndische Fonds nun einheitlich mit Ertragsteuer belastet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Urteil hat erhebliche finanzielle Auswirkungen, da zahlreiche ausl\u00e4ndische Fonds vergleichbare Erstattungsanspr\u00fcche geltend gemacht haben, die nach Sch\u00e4tzungen des Bundesrechnungshofs ein Milliardenvolumen erreichen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen und der Volltext des Urteils sind unter der LEXinform-Dokumentnummer 0952866 abrufbar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Pressemitteilung Nr. 33\/24 vom 22.08.2024 zum Urteil I R 1\/20 vom 13.03.2024 Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in seinem Urteil vom 13.03.2024 (I R 1\/20) entschieden, dass die Besteuerung ausl\u00e4ndischer Investmentfonds nach dem Investmentsteuergesetz 2004 (InvStG 2004) unionsrechtswidrig ist, wenn sie zu einer ungleichen Behandlung im Vergleich zu inl\u00e4ndischen Fonds f\u00fchrt. 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