{"id":76174,"date":"2024-12-12T18:17:20","date_gmt":"2024-12-12T16:17:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76174"},"modified":"2024-12-12T18:17:20","modified_gmt":"2024-12-12T16:17:20","slug":"auslegungsfragen-zu-%c2%a7-15-absatz-3-nummer-1-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/auslegungsfragen-zu-%c2%a7-15-absatz-3-nummer-1-estg\/","title":{"rendered":"<strong>Auslegungsfragen zu \u00a7 15 Absatz 3 Nummer 1 EStG<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BMF, Schreiben (koordinierter L\u00e4ndererlass) IV C 6 &#8211; S 2241\/21\/10004 :001 vom 10.12.2024<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hintergrund<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat in Abstimmung mit den obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder das BMF-Schreiben vom 14. Januar 2022 (BStBl I S. 160) ersetzt. Anlass ist die Aufhebung des <strong>\u00a7 14 Absatz 1 Satz 1 Nummer 5 KStG<\/strong> durch das <strong>Wachstumschancengesetz<\/strong> vom 27. M\u00e4rz 2024 (BGBl. I Nr. 108 S. 1). Dieses neue Schreiben greift die nicht streiterheblichen Aussagen des Bundesfinanzhofs (BFH) aus dem Urteil I R 92\/12 vom 12. Oktober 2016 auf und erl\u00e4utert deren Anwendung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kernaussagen des BFH-Urteils I R 92\/12<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH hat in seinem Urteil folgende wichtige Auslegung zum Begriff der <strong>gewerblichen Infektion nach \u00a7 15 Absatz 3 Nummer 1 EStG<\/strong> getroffen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Voraussetzungen f\u00fcr die gewerbliche Infektion:<\/strong><ul><li>Der Wortlaut von \u00a7 15 Absatz 3 Nummer 1 EStG verlangt, dass neben Eink\u00fcnften aus Gewerbebetrieb auch Eink\u00fcnfte aus einer anderen Einkunftsart erzielt werden.<\/li><li>Besteht die Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit einer Personengesellschaft ausschlie\u00dflich im Halten von Anteilen an einer anderen Personengesellschaft und verf\u00fcgt die Gesellschaft \u00fcber kein weiteres Verm\u00f6gen zur Erzielung anderer Eink\u00fcnfte, ist \u00a7 15 Absatz 3 Nummer 1 EStG nicht anwendbar.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Keine allgemeine Anwendbarkeit:<\/strong><ul><li>Die Auslegung des BFH bezog sich auf den konkret entschiedenen Einzelfall.<\/li><li>Nach Abstimmung mit den obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder wird diese Auslegung nicht generell \u00fcber den entschiedenen Fall hinaus angewendet.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wesentliche Inhalte des BMF-Schreibens<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Das neue Schreiben ersetzt das BMF-Schreiben vom 14. Januar 2022, das durch die gesetzlichen \u00c4nderungen im Zuge des Wachstumschancengesetzes obsolet geworden ist.<\/li><li>Es stellt klar, dass die BFH-Aussagen zur gewerblichen Infektion keinen allgemeing\u00fcltigen Charakter haben.<\/li><li>Eine pauschale Nichtanwendbarkeit des \u00a7 15 Absatz 3 Nummer 1 EStG auf vergleichbare Konstellationen, wie im BFH-Urteil beschrieben, ist nicht vorgesehen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Praktische Auswirkungen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Fortgeltung der bisherigen Rechtsauffassung:<\/strong><ul><li>Die Finanzverwaltung bleibt bei ihrer bisherigen Auslegung von \u00a7 15 Absatz 3 Nummer 1 EStG, wonach die gewerbliche Infektion grunds\u00e4tzlich auch auf reine Beteiligungsgesellschaften angewendet werden kann.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Einzelfallpr\u00fcfung erforderlich:<\/strong><ul><li>Steuerpflichtige, deren Sachverhalte der im BFH-Urteil beschriebenen Konstellation \u00e4hneln, sollten eine Einzelfallpr\u00fcfung durch das Finanzamt erwarten.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Vermeidung von Rechtsunsicherheit:<\/strong><ul><li>Durch die explizite Nichtverallgemeinerung der BFH-Auslegung wird Rechtsunsicherheit im Umgang mit der gewerblichen Infektion reduziert.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ver\u00f6ffentlichung und G\u00fcltigkeit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Schreiben wird im <strong>Bundessteuerblatt Teil I<\/strong> ver\u00f6ffentlicht. Es gilt ab dem 10. Dezember 2024 und ersetzt das BMF-Schreiben vom 14. Januar 2022.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das neue BMF-Schreiben schafft Klarheit im Umgang mit der gewerblichen Infektion nach \u00a7 15 Absatz 3 Nummer 1 EStG. Es grenzt die Auslegung des BFH auf den konkret entschiedenen Fall ein und bewahrt damit die bisherige Verwaltungspraxis. Steuerpflichtige sollten jedoch weiterhin eine sorgf\u00e4ltige Pr\u00fcfung ihrer individuellen Sachverhalte vornehmen, insbesondere in Bezug auf Beteiligungsgesellschaften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BMF, Schreiben (koordinierter L\u00e4ndererlass) IV C 6 &#8211; S 2241\/21\/10004 :001 vom 10.12.2024 Hintergrund Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat in Abstimmung mit den obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder das BMF-Schreiben vom 14. Januar 2022 (BStBl I S. 160) ersetzt. 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