{"id":76219,"date":"2024-12-27T18:27:05","date_gmt":"2024-12-27T16:27:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76219"},"modified":"2024-12-27T18:27:05","modified_gmt":"2024-12-27T16:27:05","slug":"direktanspruch-auf-erstattung-zu-unrecht-in-rechnung-gestellter-umsatzsteuer-reemtsma-anspruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/direktanspruch-auf-erstattung-zu-unrecht-in-rechnung-gestellter-umsatzsteuer-reemtsma-anspruch\/","title":{"rendered":"Direktanspruch auf Erstattung zu Unrecht in Rechnung gestellter Umsatzsteuer \u2013 Reemtsma-Anspruch"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht: Urteil best\u00e4tigt Direktanspruch bei Verm\u00f6genslosigkeit des Leistenden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht (FG) hat mit Urteil vom 15. August 2024 (Az. 5 K 40\/22) einem Unternehmer einen sogenannten Direktanspruch (Reemtsma-Anspruch) auf Erstattung zu Unrecht in Rechnung gestellter und abgef\u00fchrter Umsatzsteuer gegen\u00fcber dem Finanzamt gew\u00e4hrt. Dieses Urteil kn\u00fcpft an die unionsrechtliche Rechtsprechung und die bisherigen Entscheidungen des Bundesfinanzhofs (BFH) und des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs (EuGH) an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hintergrund des Reemtsma-Anspruchs<\/strong> Der Reemtsma-Anspruch leitet sich aus einer EuGH-Entscheidung von 2007 (C-35\/05, Reemtsma Cigarettenfabriken) ab. Er gew\u00e4hrt dem Leistungsempf\u00e4nger das Recht, die zu Unrecht ausgewiesene Umsatzsteuer direkt vom Finanzamt zur\u00fcckzufordern, wenn der Erstattungsanspruch gegen den Leistenden unm\u00f6glich oder unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig erschwert ist. Die Umsetzung dieses Anspruchs erfolgt in Deutschland \u00fcber eine Billigkeitsma\u00dfnahme nach den \u00a7\u00a7 163 und 227 Abgabenordnung (AO), wie der BFH bereits in einem Urteil von 2015 (VII R 30\/14) feststellte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Details des aktuellen Falls<\/strong> Im vorliegenden Verfahren wurde der Kl\u00e4ger aufgrund von zu Unrecht in Rechnung gestellter Umsatzsteuer belastet. Die leistende GmbH war zwischenzeitlich wegen Verm\u00f6genslosigkeit gel\u00f6scht und aufgel\u00f6st worden. Das beklagte Finanzamt berief sich auf Verj\u00e4hrung des Erstattungsanspruchs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das FG Niedersachsen entschied, dass die L\u00f6schung der GmbH wegen Verm\u00f6genslosigkeit ausreicht, um den Direktanspruch zu begr\u00fcnden. Das Finanzamt k\u00f6nne sich nicht auf die Einrede der Verj\u00e4hrung berufen, wenn der Anspruch bereits aufgrund der Verm\u00f6genslosigkeit des Leistenden besteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wichtige Aspekte des Urteils:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Direktanspruch bei Verm\u00f6genslosigkeit:<\/strong> Die Verm\u00f6genslosigkeit des Leistenden stellt eine erhebliche Erschwernis dar und begr\u00fcndet den Anspruch gegen\u00fcber dem Finanzamt.<\/li><li><strong>Keine Berufung auf Verj\u00e4hrung:<\/strong> Das Finanzamt kann sich nicht auf Verj\u00e4hrung berufen, wenn der Anspruch auf einem anderen Grund (hier: Verm\u00f6genslosigkeit) beruht.<\/li><li><strong>Pr\u00e4zedenzwirkung:<\/strong> Dieses Urteil st\u00e4rkt die Rechte von Unternehmern und Leistungsempf\u00e4ngern, indem es den Reemtsma-Anspruch in F\u00e4llen von Verm\u00f6genslosigkeit klarer definiert.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Revision beim BFH anh\u00e4ngig<\/strong> Gegen das Urteil wurde Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (Az. XI R 27\/24). Die endg\u00fcltige Entscheidung k\u00f6nnte weitreichende Auswirkungen auf die Praxis der Umsatzsteuererstattung haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit und Handlungsempfehlung<\/strong> Unternehmen sollten in F\u00e4llen zu Unrecht ausgewiesener Umsatzsteuer pr\u00fcfen, ob der Reemtsma-Anspruch geltend gemacht werden kann, insbesondere wenn der Leistende zahlungsunf\u00e4hig oder nicht mehr existent ist. Das Urteil des FG Niedersachsen gibt wichtige Hinweise, wie in derartigen F\u00e4llen vorzugehen ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: FG Niedersachsen, Urteil vom 15.08.2024, 5 K 40\/22; BFH-Az.: XI R 27\/24<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht: Urteil best\u00e4tigt Direktanspruch bei Verm\u00f6genslosigkeit des Leistenden Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht (FG) hat mit Urteil vom 15. 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