{"id":76322,"date":"2025-01-08T18:32:18","date_gmt":"2025-01-08T16:32:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76322"},"modified":"2025-01-08T18:32:18","modified_gmt":"2025-01-08T16:32:18","slug":"schenkungsteuer-gesetzesluecke-ermoeglichte-steuerfreie-wertverschiebungen-bis-zur-einfuehrung-des-%c2%a7-7-abs-9-erbstg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/schenkungsteuer-gesetzesluecke-ermoeglichte-steuerfreie-wertverschiebungen-bis-zur-einfuehrung-des-%c2%a7-7-abs-9-erbstg\/","title":{"rendered":"<strong>Schenkungsteuer: Gesetzesl\u00fccke erm\u00f6glichte steuerfreie Wertverschiebungen bis zur Einf\u00fchrung des \u00a7 7 Abs. 9 ErbStG<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hintergrund zur Schenkungsteuer und disquotalen Einlagen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zur Einf\u00fchrung des \u00a7 7 Abs. 9 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) am 28. M\u00e4rz 2024 bestand eine Gesetzesl\u00fccke, die steuerfreie Wertverschiebungen erm\u00f6glichte. Dies betraf insbesondere disquotale Einlagen in die Kapitalr\u00fccklage von Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht (FG) Hamburg hat in seinem Urteil vom 11. Juli 2023 (Az. 3 K 188\/21) entschieden, dass eine disquotale Einlage in die Kapitalr\u00fccklage einer KGaA keine Schenkung an den pers\u00f6nlich haftenden Gesellschafter (phG) darstellt. Diese Entscheidung wurde in einem weiteren Urteil vom 15. Oktober 2024 (Az. 3 K 134\/22) best\u00e4tigt, wobei die Revision beim Bundesfinanzhof (BFH) anh\u00e4ngig ist (Az. II R 32\/24).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Worum ging es in dem Streitfall?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fall drehte sich um die Frage, ob eine disquotale Einlage in die ungebundene Kapitalr\u00fccklage einer KGaA als schenkungsteuerpflichtiger Vorgang gewertet werden kann. Eine disquotale Einlage bedeutet, dass Gesellschafter in unterschiedlichem Ma\u00dfe Kapital einlegen, wodurch sich die Wertverh\u00e4ltnisse der Beteiligungen verschieben. Das FG Hamburg entschied jedoch, dass diese Art der Einlage weder den Tatbestand des \u00a7 7 Abs. 8 Satz 1 ErbStG noch des \u00a7 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einfluss der neuen Vorschrift \u00a7 7 Abs. 9 ErbStG<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Wachstumschancengesetz vom 27. M\u00e4rz 2024 wurde der \u00a7 7 Abs. 9 ErbStG eingef\u00fchrt. Diese Norm regelt, dass als Schenkung auch die Werterh\u00f6hung der Beteiligung eines phG gilt, wenn diese durch eine Leistung einer anderen Person an die Gesellschaft entsteht. Die Vorschrift soll verhindern, dass Verm\u00f6gensverschiebungen ohne steuerliche Folgen erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Keine r\u00fcckwirkende Anwendung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das FG Hamburg stellte klar, dass \u00a7 7 Abs. 9 ErbStG nicht r\u00fcckwirkend anwendbar ist. Das bedeutet, dass die Norm nur auf Sachverhalte Anwendung findet, die nach dem 28. M\u00e4rz 2024 verwirklicht wurden. Eine r\u00fcckwirkende Anwendung der neuen Vorschrift ist im Gesetz nicht vorgesehen und wurde auch in der Gesetzesbegr\u00fcndung explizit ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Relevanz f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung des FG Hamburg und die Einf\u00fchrung des \u00a7 7 Abs. 9 ErbStG verdeutlichen, dass der Gesetzgeber auf bestehende Gestaltungsspielr\u00e4ume reagiert hat. Bis zum Inkrafttreten der neuen Norm konnten disquotale Einlagen in KGaAs steuerfrei erfolgen, da weder der Tatbestand des \u00a7 7 Abs. 8 Satz 1 ErbStG noch des \u00a7 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG erf\u00fcllt war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausblick und Bedeutung der Revision<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da der Fall nun beim BFH anh\u00e4ngig ist, bleibt abzuwarten, ob das h\u00f6chste deutsche Finanzgericht die Entscheidung des FG Hamburg best\u00e4tigt oder zu einer anderen Auslegung kommt. Unabh\u00e4ngig davon zeigt sich, dass die steuerliche Behandlung von Einlagen in KGaAs eine erhebliche Bedeutung f\u00fcr die Unternehmens- und Nachfolgeplanung hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Steuerpflichtige, die sich mit disquotalen Einlagen oder der Gestaltung von Kapitalr\u00fccklagen besch\u00e4ftigen, ist es ratsam, die Entwicklungen in der Rechtsprechung aufmerksam zu verfolgen und gegebenenfalls steuerliche Beratung in Anspruch zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hintergrund zur Schenkungsteuer und disquotalen Einlagen Bis zur Einf\u00fchrung des \u00a7 7 Abs. 9 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) am 28. M\u00e4rz 2024 bestand eine Gesetzesl\u00fccke, die steuerfreie Wertverschiebungen erm\u00f6glichte. Dies betraf insbesondere disquotale Einlagen in die Kapitalr\u00fccklage von Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA). Das Finanzgericht (FG) Hamburg hat in seinem Urteil vom 11. 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