{"id":76336,"date":"2025-01-09T17:28:46","date_gmt":"2025-01-09T15:28:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76336"},"modified":"2025-01-09T17:28:46","modified_gmt":"2025-01-09T15:28:46","slug":"bfh-kein-dual-use-bei-ausnutzung-der-transporteigenschaft-von-rauchgas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-kein-dual-use-bei-ausnutzung-der-transporteigenschaft-von-rauchgas\/","title":{"rendered":"BFH: Kein Dual-Use bei Ausnutzung der Transporteigenschaft von Rauchgas"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bundesfinanzhof (BFH), Urteil vom 12.11.2024, Az. VII R 38\/22<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass die Verbrennung von Erdgas keinen zweiten Verwendungszweck im Sinne von \u00a7 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. d des Energiesteuergesetzes (EnergieStG) erf\u00fcllt, wenn dabei lediglich die Transporteigenschaft des entstehenden Rauchgases genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Leitsatz des Urteils<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verbrennung von Erdgas, deren Rauchgas passgenau in einen Produktionsprozess eingebunden ist, erf\u00fcllt keinen zus\u00e4tzlichen Verwendungszweck (Dual-Use), wenn lediglich die Transporteigenschaft des Rauchgases genutzt wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Energiesteuergesetz (EnergieStG) regelt die Steuerbefreiung von Energieerzeugnissen, die in einem sogenannten <strong>Dual-Use-Prozess<\/strong> verwendet werden, d. h., wenn ein Energietr\u00e4ger zwei unterschiedliche Zwecke erf\u00fcllt:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Verheizen:<\/strong> Erzeugung von Energie (z. B. W\u00e4rme).<\/li><li><strong>Zweiter Verwendungszweck:<\/strong> Direkte Nutzung im Produktionsprozess (z. B. als chemischer Rohstoff).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im verhandelten Fall setzte ein Unternehmen Erdgas ein, dessen bei der Verbrennung entstehendes Rauchgas gezielt in den Produktionsprozess eingebunden wurde. Das Unternehmen machte geltend, dass das Erdgas aufgrund der Nutzung der Transporteigenschaft des Rauchgases dual verwendet werde, wodurch eine Steuerbefreiung nach \u00a7 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. d EnergieStG in Betracht komme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzamt lehnte dies ab, und der BFH best\u00e4tigte die Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Entscheidung des BFH<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Kein zweiter Verwendungszweck durch Transporteigenschaft:<\/strong><br \/>Die Nutzung der Transporteigenschaft des Rauchgases stellt keinen zus\u00e4tzlichen Verwendungszweck dar, der \u00fcber das Verheizen hinausgeht.<\/li><li><strong>Fokus auf den Verwendungszweck des Energietr\u00e4gers:<\/strong><br \/>Entscheidend ist der Zweck, f\u00fcr den das Erdgas als Energietr\u00e4ger eingesetzt wird. Wenn ausschlie\u00dflich die bei der Verbrennung entstehende W\u00e4rme genutzt wird, liegt kein Dual-Use vor.<\/li><li><strong>Keine Steuerbefreiung:<\/strong><br \/>Eine Steuerbefreiung nach \u00a7 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. d EnergieStG kommt nur in Betracht, wenn der Energietr\u00e4ger neben der Erzeugung von Energie auch eine weitere stoffliche Funktion im Produktionsprozess erf\u00fcllt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Einschr\u00e4nkung des Dual-Use-Begriffs:<\/strong><br \/>Unternehmen, die Energietr\u00e4ger wie Erdgas einsetzen, m\u00fcssen sicherstellen, dass ein klarer zweiter Verwendungszweck vorliegt, der \u00fcber die reine Transporteigenschaft des Rauchgases hinausgeht.<\/li><li><strong>Keine Steuerverg\u00fcnstigung bei reiner W\u00e4rme- oder Transporteigenschaft:<\/strong><br \/>Die Steuerbefreiung nach \u00a7 51 EnergieStG setzt eine zus\u00e4tzliche stoffliche oder chemische Nutzung voraus.<\/li><li><strong>Klarstellung f\u00fcr Produktionsprozesse:<\/strong><br \/>Unternehmen, die Rauchgase in ihre Produktionsprozesse integrieren, sollten pr\u00fcfen, ob diese Integration tats\u00e4chlich eine stoffliche Nutzung darstellt, oder ob lediglich die Energie- oder Transporteigenschaft genutzt wird.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil des BFH schr\u00e4nkt den Anwendungsbereich der Steuerverg\u00fcnstigungen f\u00fcr Dual-Use-Prozesse ein. Unternehmen, die Erdgas oder andere Energietr\u00e4ger in \u00e4hnlicher Weise nutzen, sollten ihre Prozesse steuerlich neu bewerten, um m\u00f6gliche Risiken bei der Energiesteuer zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Haben Sie Fragen zur Energiesteuer oder zur steuerlichen Behandlung von Dual-Use-Prozessen? Wir unterst\u00fctzen Sie gerne bei der Pr\u00fcfung und Optimierung Ihrer steuerlichen Position.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundesfinanzhof (BFH), Urteil vom 12.11.2024, Az. VII R 38\/22 Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass die Verbrennung von Erdgas keinen zweiten Verwendungszweck im Sinne von \u00a7 51 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. d des Energiesteuergesetzes (EnergieStG) erf\u00fcllt, wenn dabei lediglich die Transporteigenschaft des entstehenden Rauchgases genutzt wird. 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