{"id":76407,"date":"2025-01-16T17:43:15","date_gmt":"2025-01-16T15:43:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76407"},"modified":"2025-01-16T17:43:15","modified_gmt":"2025-01-16T15:43:15","slug":"keine-durchgreifenden-verfassungsrechtlichen-zweifel-an-%c2%a7-62-abs-2-nr-2-buchst-b-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/keine-durchgreifenden-verfassungsrechtlichen-zweifel-an-%c2%a7-62-abs-2-nr-2-buchst-b-estg\/","title":{"rendered":"Keine durchgreifenden verfassungsrechtlichen Zweifel an \u00a7 62 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. b EStG"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Entscheidung des Finanzgerichts M\u00fcnster<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht M\u00fcnster hat mit Urteil vom 13. Dezember 2024 (Az. 12 K 2819\/22 Kg) entschieden, dass an der Regelung des \u00a7 62 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. b Einkommensteuergesetz (EStG) keine durchgreifenden verfassungsrechtlichen Zweifel bestehen. Diese Regelung betrifft den Anspruch auf Kindergeld f\u00fcr nicht freiz\u00fcgigkeitsberechtigte Ausl\u00e4nder und steht im Zusammenhang mit befristeten Aufenthaltserlaubnissen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hintergrund des Falls<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin, eine tunesische Staatsangeh\u00f6rige mit einer befristeten Aufenthaltserlaubnis nach \u00a7 20 Abs. 3 Nr. 1 AufenthG 2020, beantragte Kindergeld f\u00fcr den Zeitraum von November 2021 bis Juni 2022.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Familienkasse lehnte den Antrag ab, da die Kl\u00e4gerin w\u00e4hrend des Streitzeitraums weder erwerbst\u00e4tig war, noch Elternzeit nach \u00a7 15 BEEG in Anspruch nahm, noch laufende Geldleistungen nach dem SGB III bezog.<\/li><li>Gem\u00e4\u00df \u00a7 62 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. b EStG besteht f\u00fcr Personen mit dieser Aufenthaltserlaubnis nur dann ein Anspruch auf Kindergeld, wenn sie eine der genannten Voraussetzungen erf\u00fcllen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin machte geltend, die Regelung sei verfassungswidrig.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Entscheidung des Finanzgerichts<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht M\u00fcnster wies die Klage ab und best\u00e4tigte die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Regelung.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Begr\u00fcndung des Gerichts<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Keine verfassungsrechtlichen Zweifel:<\/strong><ul><li>Die Regelung des \u00a7 62 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. b EStG steht im Einklang mit dem Grundgesetz.<\/li><li>Der Gesetzgeber hat mit dieser Regelung seinen Gestaltungsspielraum nicht \u00fcberschritten.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Typisierung durch den Gesetzgeber:<\/strong><ul><li>Die Aufenthaltserlaubnis der Kl\u00e4gerin war von vornherein auf einen begrenzten Zeitraum angelegt.<\/li><li>Der Gesetzgeber durfte annehmen, dass Personen mit einer solchen Aufenthaltserlaubnis keine dauerhafte Bleibeperspektive haben und deshalb grunds\u00e4tzlich keinen Anspruch auf Kindergeld haben sollten.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Arbeitsmarktintegration als Differenzierungskriterium:<\/strong><ul><li>Die Regelung des \u00a7 62 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. b EStG sieht einen Anspruch auf Kindergeld nur vor, wenn die betroffene Person bereits in den Arbeitsmarkt integriert ist oder vergleichbare Voraussetzungen erf\u00fcllt.<\/li><li>Diese Differenzierung dient der Erleichterung der Fachkr\u00e4ftegewinnung und der Schaffung von Anreizen zur Arbeitsaufnahme.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Kein R\u00fcckgriff auf fr\u00fchere Regelungen:<\/strong><ul><li>Die Kl\u00e4gerin verwies auf fr\u00fchere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zu \u00a7 62 EStG in der Fassung von 2006. Diese seien jedoch auf die aktuelle Regelung nicht \u00fcbertragbar, da der Gesetzgeber diese gezielt ge\u00e4ndert hat.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Keine unzul\u00e4ssige Einschr\u00e4nkung:<\/strong><ul><li>Die Erlaubnis zur Arbeitsplatzsuche (\u00a7 20 Abs. 3 AufenthG) zielt darauf ab, qualifizierten Personen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern.<\/li><li>Die fehlende Kindergeldberechtigung in dieser Phase ist verfassungsgem\u00e4\u00df, da der Gesetzgeber eine m\u00f6gliche Integration in den Arbeitsmarkt abwarten darf, bevor weitere Anspr\u00fcche entstehen.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ausblick<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht M\u00fcnster hat die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen. Diese k\u00f6nnte in Zukunft weitere Klarheit \u00fcber die verfassungsrechtliche Zul\u00e4ssigkeit der Regelung schaffen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Klarstellung f\u00fcr Kindergeldantr\u00e4ge:<\/strong> Nicht freiz\u00fcgigkeitsberechtigte Ausl\u00e4nder mit befristeter Aufenthaltserlaubnis k\u00f6nnen nur dann Kindergeld erhalten, wenn sie die in \u00a7 62 Abs. 2 Nr. 2 Buchst. b EStG genannten Voraussetzungen erf\u00fcllen.<\/li><li><strong>Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers:<\/strong> Die Entscheidung verdeutlicht, dass der Gesetzgeber im Rahmen der Typisierung weitgehende Befugnisse hat, solange diese verfassungsgem\u00e4\u00df sind.<\/li><li><strong>Zukunftsperspektiven:<\/strong> Betroffene sollten die Entscheidung des Bundesfinanzhofs abwarten, da sie potenziell zu weiteren Anpassungen f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> Finanzgericht M\u00fcnster, Mitteilung vom 16.01.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entscheidung des Finanzgerichts M\u00fcnster Das Finanzgericht M\u00fcnster hat mit Urteil vom 13. 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