{"id":76420,"date":"2025-01-16T17:54:23","date_gmt":"2025-01-16T15:54:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76420"},"modified":"2025-01-16T17:54:23","modified_gmt":"2025-01-16T15:54:23","slug":"bekanntgabefiktion-verlaengerung-der-zugangsvermutung-auf-vier-tage-ab-1-januar-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bekanntgabefiktion-verlaengerung-der-zugangsvermutung-auf-vier-tage-ab-1-januar-2025\/","title":{"rendered":"Bekanntgabefiktion: Verl\u00e4ngerung der Zugangsvermutung auf vier Tage ab 1. Januar 2025"},"content":{"rendered":"\n<h3><strong>\u00c4nderung durch das Postrechtsmodernisierungsgesetz<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ab dem 1. Januar 2025 verl\u00e4ngert sich die Zugangsvermutung f\u00fcr die Bekanntgabe von schriftlichen Verwaltungsakten, wie z. B. Steuerbescheiden, bei \u00dcbermittlung durch die Post von drei auf <strong>vier Tage<\/strong>. Diese \u00c4nderung wurde durch das Postrechtsmodernisierungsgesetz eingef\u00fchrt und betrifft die gesetzliche Regelung in der Abgabenordnung (AO), insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>\u00a7 122 Abs. 2 Nr. 1 und Abs. 2a AO<\/strong><\/li><li><strong>\u00a7 122a Abs. 4 Satz 1 AO<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3><strong>Hintergrund<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Verwaltungsakt wird gem\u00e4\u00df \u00a7 124 AO erst mit der Bekanntgabe wirksam. Bisher wurde f\u00fcr den Bekanntgabezeitpunkt bei der postalischen \u00dcbermittlung eine <strong>Dreitagefrist<\/strong> fingiert. Durch die Anpassung der gesetzlichen Laufzeitvorgaben f\u00fcr Postsendungen wurde diese Bekanntgabefiktion auf vier Tage verl\u00e4ngert.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Neuregelung ab 2025<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ol><li><strong>Verl\u00e4ngerung der Zugangsvermutung:<\/strong><ul><li>F\u00fcr Verwaltungsakte, die nach dem 31.12.2024 zur Post gegeben werden, gilt eine Bekanntgabefiktion von vier Tagen.<\/li><li>Dies betrifft auch elektronisch \u00fcbermittelte Verwaltungsakte oder solche, die elektronisch zum Abruf bereitgestellt werden.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Fristberechnung:<\/strong><ul><li>F\u00e4llt der vierte Tag nach dem Versanddatum auf einen <strong>Samstag, Sonntag oder gesetzlichen Feiertag<\/strong>, verschiebt sich der Fristablauf gem\u00e4\u00df \u00a7 108 Abs. 3 AO auf den n\u00e4chsten Werktag.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Anwendung auf Einspruchsfristen:<\/strong><ul><li>Die Einspruchsfrist von <strong>einem Monat<\/strong> nach \u00a7 355 AO beginnt erst mit der Bekanntgabe.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3><strong>Beispiel zur Fristberechnung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Steuerbescheid wird am <strong>Mittwoch, 5. April 2025<\/strong>, zur Post gegeben:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Der <strong>vierte Tag<\/strong> f\u00e4llt auf den <strong>Sonntag, 9. April 2025<\/strong>.<\/li><li>Die Bekanntgabe gilt erst am <strong>Montag, 10. April 2025<\/strong>, als erfolgt.<\/li><li>Die Einspruchsfrist endet mit Ablauf des <strong>10. Mai 2025<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3><strong>Ausnahmen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Neuregelung gilt <strong>nicht<\/strong> f\u00fcr Verwaltungsakte, die f\u00f6rmlich zugestellt werden, z. B. mit Zustellungsurkunde. In diesen F\u00e4llen ist der tats\u00e4chliche Zustellungszeitpunkt ma\u00dfgeblich.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ol><li><strong>Verwaltungsakte:<\/strong><ul><li>Steuerpflichtige haben durch die l\u00e4ngere Zugangsvermutung mehr Zeit, bevor die Einspruchsfrist beginnt.<\/li><li>Dies gilt insbesondere bei postalischen oder elektronischen Zustellungen.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Fristberechnung:<\/strong><ul><li>Steuerpflichtige und Berater sollten die verl\u00e4ngerte Viertagesfrist bei der Fristberechnung beachten.<\/li><li>F\u00e4llt der letzte Tag der Frist auf ein Wochenende oder einen Feiertag, verschiebt sich der Beginn der Frist wie bisher auf den n\u00e4chsten Werktag.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>F\u00f6rmliche Zustellungen:<\/strong><ul><li>Bei f\u00f6rmlichen Zustellungen ist weiterhin der tats\u00e4chliche Zustellzeitpunkt entscheidend.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3><strong>Fazit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Verl\u00e4ngerung der Zugangsvermutung auf vier Tage bringt eine kleine, aber wichtige \u00c4nderung in der Fristberechnung f\u00fcr Steuerpflichtige und Verwaltungsakteure. Steuerpflichtige sollten die Neuregelung ab 2025 genau beachten, um ihre Rechte rechtzeitig wahrzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht, Newsletter 1\/2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c4nderung durch das Postrechtsmodernisierungsgesetz Ab dem 1. Januar 2025 verl\u00e4ngert sich die Zugangsvermutung f\u00fcr die Bekanntgabe von schriftlichen Verwaltungsakten, wie z. B. Steuerbescheiden, bei \u00dcbermittlung durch die Post von drei auf vier Tage. Diese \u00c4nderung wurde durch das Postrechtsmodernisierungsgesetz eingef\u00fchrt und betrifft die gesetzliche Regelung in der Abgabenordnung (AO), insbesondere: \u00a7 122 Abs. 2 Nr. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bekanntgabefiktion-verlaengerung-der-zugangsvermutung-auf-vier-tage-ab-1-januar-2025\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Bekanntgabefiktion: Verl\u00e4ngerung der Zugangsvermutung auf vier Tage ab 1. 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