{"id":76425,"date":"2025-01-16T18:12:54","date_gmt":"2025-01-16T16:12:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76425"},"modified":"2025-01-16T18:12:54","modified_gmt":"2025-01-16T16:12:54","slug":"vorsteuerabzug-bei-konkurrenz-der-umsatzsteuerbefreiungsvorschriften-fg-niedersachsen-gibt-klaeger-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/vorsteuerabzug-bei-konkurrenz-der-umsatzsteuerbefreiungsvorschriften-fg-niedersachsen-gibt-klaeger-recht\/","title":{"rendered":"Vorsteuerabzug bei Konkurrenz der Umsatzsteuerbefreiungsvorschriften: FG Niedersachsen gibt Kl\u00e4ger recht"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Entscheidung des FG Niedersachsen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht (FG) hat mit Urteil vom 14. November 2024 (Az. 5 K 17\/24) entschieden, dass bei der Konkurrenz der Umsatzsteuerbefreiungsvorschriften nach \u00a7 4 Nr. 19 Buchst. b UStG (Blindenwerkst\u00e4tten) und \u00a7 4 Nr. 1 Buchst. b UStG (innergemeinschaftliche Lieferungen) die Steuerbefreiung f\u00fcr innergemeinschaftliche Lieferungen vorrangig anzuwenden ist. Damit steht der Vorsteuerabzug f\u00fcr die mit diesen Lieferungen zusammenh\u00e4ngenden Eingangsums\u00e4tze zu.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hintergrund des Falls<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Kl\u00e4ger:<\/strong> Ein anerkannter Inhaber einer Blindenwerkst\u00e4tte, der Blindenwaren herstellt und vertreibt.<\/li><li><strong>Streitgegenstand:<\/strong> Der Kl\u00e4ger f\u00fchrte umsatzsteuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen nach \u00d6sterreich aus, um diese dort weiterzuverarbeiten und zu verkaufen. Gleichzeitig machte er Vorsteuerabz\u00fcge geltend, die mit diesen Lieferungen im Zusammenhang standen.<\/li><li><strong>Ablehnung durch das Finanzamt:<\/strong> Das Finanzamt verwehrte den Vorsteuerabzug mit Verweis auf den Umsatzsteuer-Anwendungserlass (UStAE), der vorsieht, dass Steuerbefreiungen ohne Vorsteuerabzug (z. B. \u00a7 4 Nr. 19 UStG) Vorrang vor Steuerbefreiungen mit Vorsteuerabzug (z. B. \u00a7 4 Nr. 1 UStG) haben.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Entscheidung des FG Niedersachsen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das FG Niedersachsen folgte der Auffassung des Finanzamts nicht und gab der Klage statt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wesentliche Argumente:<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Vorrang der unionsrechtlichen Steuerbefreiung (\u00a7 4 Nr. 1 Buchst. b UStG):<\/strong><ul><li>Die Steuerbefreiung f\u00fcr innergemeinschaftliche Lieferungen gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Nr. 1 Buchst. b UStG i. V. m. \u00a7 6a UStG basiert auf unionsrechtlichen Vorgaben.<\/li><li>Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der Steuerbefreiung nach \u00a7 4 Nr. 19 UStG f\u00fcr Blindenwerkst\u00e4tten um eine nicht harmonisierte, innerstaatliche Regelung.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Keine systemwidrige Mehrfachbelastung:<\/strong><ul><li>Der Vorrang der innergemeinschaftlichen Steuerbefreiung verhindert eine systemwidrige Mehrfachbelastung des Kl\u00e4gers mit Umsatzsteuer entlang der Wertsch\u00f6pfungskette.<\/li><li>Die Besteuerung wird gem\u00e4\u00df den unionsrechtlichen Vorgaben in den Bestimmungsmitgliedstaat (\u00d6sterreich) verlagert.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Unm\u00f6glichkeit eines Verzichts nach \u00a7 9 UStG:<\/strong><ul><li>Ein Verzicht auf die Steuerbefreiung des \u00a7 4 Nr. 19 UStG ist bei grenz\u00fcberschreitenden Lieferungen tats\u00e4chlich nicht m\u00f6glich, da die Lieferungen des Kl\u00e4gers zu Recht als umsatzsteuerfrei in den Rechnungen ausgewiesen wurden.<\/li><li>Der Verzicht w\u00e4re in diesem Fall gegenstandslos.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Vorsteuerabzug gem\u00e4\u00df \u00a7 15 Abs. 3 Nr. 1 Buchst. a UStG:<\/strong><ul><li>Die Anwendung der Steuerbefreiung f\u00fcr innergemeinschaftliche Lieferungen f\u00fchrt dazu, dass der Vorsteuerausschluss des \u00a7 15 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 UStG nicht greift.<\/li><li>Die Vorsteuer ist somit abzugsf\u00e4hig.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Vorrang der unionsrechtlichen Regelungen:<\/strong><ul><li>Das Urteil best\u00e4tigt den Vorrang der unionsrechtlich harmonisierten Steuerbefreiungsvorschriften vor nationalen Regelungen.<\/li><li>Unternehmer, die grenz\u00fcberschreitend t\u00e4tig sind, k\u00f6nnen sich auf diesen Vorrang berufen.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Vorsteuerabzug bei innergemeinschaftlichen Lieferungen:<\/strong><ul><li>Bei innergemeinschaftlichen Lieferungen steht der Vorsteuerabzug unabh\u00e4ngig von der Anwendung nationaler Steuerbefreiungsvorschriften zu, wenn die Voraussetzungen des \u00a7 6a UStG erf\u00fcllt sind.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Wirtschaftliche Entlastung:<\/strong><ul><li>Das Urteil vermeidet eine unn\u00f6tige steuerliche Mehrbelastung und st\u00e4rkt die unionsrechtliche Zielsetzung, die Besteuerung in den Bestimmungsmitgliedstaat zu verlagern.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Revision beim BFH<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil ist nicht rechtskr\u00e4ftig. Das Finanzamt hat Revision beim Bundesfinanzhof (BFH) eingelegt (Az. XI R 33\/24). Der BFH wird kl\u00e4ren, ob der unionsrechtliche Vorrang und der damit verbundene Vorsteuerabzug Bestand haben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das FG Niedersachsen hat eine wichtige Entscheidung f\u00fcr die steuerliche Behandlung von Blindenwerkst\u00e4tten und anderen beg\u00fcnstigten Unternehmern getroffen, die grenz\u00fcberschreitend t\u00e4tig sind. Es st\u00e4rkt den unionsrechtlichen Vorrang und den Vorsteuerabzug bei innergemeinschaftlichen Lieferungen. Die endg\u00fcltige Kl\u00e4rung durch den BFH bleibt abzuwarten, doch das Urteil bietet bereits jetzt wertvolle Orientierung f\u00fcr vergleichbare F\u00e4lle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht, Mitteilung vom 16.01.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entscheidung des FG Niedersachsen Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht (FG) hat mit Urteil vom 14. November 2024 (Az. 5 K 17\/24) entschieden, dass bei der Konkurrenz der Umsatzsteuerbefreiungsvorschriften nach \u00a7 4 Nr. 19 Buchst. b UStG (Blindenwerkst\u00e4tten) und \u00a7 4 Nr. 1 Buchst. b UStG (innergemeinschaftliche Lieferungen) die Steuerbefreiung f\u00fcr innergemeinschaftliche Lieferungen vorrangig anzuwenden ist. 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