{"id":76427,"date":"2025-01-16T18:16:03","date_gmt":"2025-01-16T16:16:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76427"},"modified":"2025-01-16T18:16:03","modified_gmt":"2025-01-16T16:16:03","slug":"vorsteuerabzug-bei-konkurrenz-der-umsatzsteuerbefreiungen-nach-%c2%a7-4-nr-19-buchst-b-ustg-und-%c2%a7-4-nr-1-buchst-b-ustg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/vorsteuerabzug-bei-konkurrenz-der-umsatzsteuerbefreiungen-nach-%c2%a7-4-nr-19-buchst-b-ustg-und-%c2%a7-4-nr-1-buchst-b-ustg\/","title":{"rendered":"Vorsteuerabzug bei Konkurrenz der Umsatzsteuerbefreiungen nach \u00a7 4 Nr. 19 Buchst. b UStG und \u00a7 4 Nr. 1 Buchst. b UStG"},"content":{"rendered":"\n<h3><strong>Entscheidung des FG Niedersachsen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht (FG) hat mit Urteil vom 14. November 2024 (Az. 5 K 17\/24) eine wichtige Entscheidung zur umsatzsteuerlichen Behandlung von innergemeinschaftlichen Lieferungen von Blindenwaren getroffen. Der 5. Senat des FG entschied, dass bei Konkurrenz der Umsatzsteuerbefreiungen nach \u00a7 4 Nr. 19 Buchst. b UStG (Blindenwerkst\u00e4tten) und \u00a7 4 Nr. 1 Buchst. b UStG (innergemeinschaftliche Lieferungen) der Vorsteuerabzug gew\u00e4hrt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Sachverhalt des Falls<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul><li><strong>Kl\u00e4ger:<\/strong> Inhaber einer anerkannten Blindenwerkst\u00e4tte, der Blindenwaren herstellt und vertreibt.<\/li><li><strong>Lieferungen:<\/strong> Neben steuerfreien Inlandsums\u00e4tzen f\u00fchrte der Kl\u00e4ger umsatzsteuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen nach \u00d6sterreich aus. Dort erfolgte die Veredelung und der Weiterverkauf der Waren durch eine \u00f6sterreichische GmbH.<\/li><li><strong>Vorsteuerabzug:<\/strong> Der Kl\u00e4ger machte Vorsteuerabz\u00fcge f\u00fcr die Eingangsums\u00e4tze im Inland geltend, die mit den innergemeinschaftlichen Lieferungen im Zusammenhang standen.<\/li><li><strong>Ablehnung des Finanzamts:<\/strong> Das Finanzamt verwehrte den Vorsteuerabzug und verwies auf den Umsatzsteuer-Anwendungserlass (UStAE), wonach Steuerbefreiungen ohne Vorsteuerabzug Vorrang vor solchen mit Vorsteuerabzug haben.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3><strong>Entscheidung des Gerichts<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das FG Niedersachsen gab der Klage statt und verwarf die Auffassung des Finanzamts.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>Begr\u00fcndung:<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<ol><li><strong>Vorrang der unionsrechtlichen Steuerbefreiung:<\/strong><ul><li>Die Steuerbefreiung f\u00fcr innergemeinschaftliche Lieferungen gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Nr. 1 Buchst. b UStG i. V. m. \u00a7 6a UStG beruht auf unionsrechtlichen Vorgaben.<\/li><li>Im Gegensatz dazu ist die Steuerbefreiung nach \u00a7 4 Nr. 19 Buchst. b UStG eine innerstaatliche Regelung, die nicht harmonisiert ist.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Keine systemwidrige Mehrfachbelastung:<\/strong><ul><li>Durch die vorrangige Anwendung der Steuerbefreiung f\u00fcr innergemeinschaftliche Lieferungen wird eine systemwidrige Mehrfachbelastung des Kl\u00e4gers vermieden.<\/li><li>Die Besteuerung erfolgt im Bestimmungsland (hier \u00d6sterreich), wodurch ein Vorsteuerausschluss nach \u00a7 15 Abs. 3 Nr. 1 Buchst. a UStG nicht eintritt.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Unm\u00f6glichkeit des Verzichts nach \u00a7 9 UStG:<\/strong><ul><li>Der Kl\u00e4ger konnte nicht auf die Steuerbefreiung des \u00a7 4 Nr. 19 UStG verzichten, da die innergemeinschaftlichen Lieferungen bereits umsatzsteuerfrei in seinen Rechnungen ausgewiesen waren.<\/li><li>Ein Verzicht w\u00e4re in diesem Fall gegenstandslos.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3><strong>Wichtige Auswirkungen f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ol><li><strong>Vorrang der unionsrechtlichen Steuerbefreiungen:<\/strong><ul><li>Unternehmer, die innergemeinschaftliche Lieferungen ausf\u00fchren, k\u00f6nnen den Vorsteuerabzug geltend machen, wenn die Voraussetzungen des \u00a7 6a UStG erf\u00fcllt sind.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Vermeidung von Mehrfachbelastungen:<\/strong><ul><li>Das Urteil betont die Wichtigkeit, die Besteuerung in den Bestimmungsmitgliedstaat zu verlagern, um steuerliche Belastungen entlang der Wertsch\u00f6pfungskette zu vermeiden.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Unionsrechtlicher Vorrang vor nationalen Regelungen:<\/strong><ul><li>National geregelte Steuerbefreiungen d\u00fcrfen den unionsrechtlichen Vorgaben nicht widersprechen.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3><strong>Revision beim Bundesfinanzhof<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt hat gegen das Urteil Revision beim Bundesfinanzhof (BFH) eingelegt (Az. XI R 33\/24). Der BFH wird nun entscheiden, ob die unionsrechtlichen Vorgaben zur Steuerbefreiung von innergemeinschaftlichen Lieferungen Vorrang vor nationalen Befreiungsvorschriften haben.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Fazit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Urteil des FG Niedersachsen ist ein wichtiger Schritt zur Klarstellung des Vorsteuerabzugs bei innergemeinschaftlichen Lieferungen und der Abgrenzung nationaler von unionsrechtlichen Steuerbefreiungen. Es vermeidet eine systemwidrige Mehrfachbelastung und st\u00e4rkt den unionsrechtlichen Vorrang. Die endg\u00fcltige Entscheidung des BFH bleibt abzuwarten, k\u00f6nnte jedoch weitreichende Auswirkungen auf vergleichbare F\u00e4lle haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht, Mitteilung vom 16.01.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entscheidung des FG Niedersachsen Das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht (FG) hat mit Urteil vom 14. November 2024 (Az. 5 K 17\/24) eine wichtige Entscheidung zur umsatzsteuerlichen Behandlung von innergemeinschaftlichen Lieferungen von Blindenwaren getroffen. Der 5. 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