{"id":76687,"date":"2025-02-20T16:52:35","date_gmt":"2025-02-20T14:52:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76687"},"modified":"2025-02-20T16:53:11","modified_gmt":"2025-02-20T14:53:11","slug":"bfh-urteil-zur-umsatzsteuerrechtlichen-bemessungsgrundlage-bei-einziehung-von-schmiergeldern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-urteil-zur-umsatzsteuerrechtlichen-bemessungsgrundlage-bei-einziehung-von-schmiergeldern\/","title":{"rendered":"<strong>BFH-Urteil zur umsatzsteuerrechtlichen Bemessungsgrundlage bei Einziehung von Schmiergeldern<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 25.09.2024 (Az. XI R 6\/23) entschieden, dass strafrechtlich eingezogene Bestechungsgelder die umsatzsteuerrechtliche Bemessungsgrundlage mindern. Diese Entscheidung hat weitreichende Folgen f\u00fcr die steuerliche Behandlung von illegalen Vorteilen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. Hintergrund des Falls<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Diplom-Ingenieur hatte von beauftragten Unternehmen kostenlose Leistungen erhalten, haupts\u00e4chlich f\u00fcr den privaten Hausbau. Diese Zahlungen erfolgten ohne Wissen seines Arbeitgebers und wurden als Bestechung im gesch\u00e4ftlichen Verkehr eingestuft. Das Landgericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe und ordnete die Einziehung der Bestechungsgelder nach <strong>\u00a7\u00a7 73 ff. StGB<\/strong> an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzamt (FA) betrachtete die Schmiergeldzahlungen als steuerpflichtige Entgelte und unterwarf sie der Umsatzsteuer. Jedoch ber\u00fccksichtigte das FA die eingezogenen Betr\u00e4ge nicht als Minderung der Bemessungsgrundlage. Dagegen wehrte sich der Kl\u00e4ger vor dem BFH.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Entscheidung des BFH<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH entschied zugunsten des Kl\u00e4gers und stellte klar, dass die eingezogenen Bestechungsgelder die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage mindern m\u00fcssen. Die wichtigsten Argumente des Gerichts:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Schutz vor Doppelbelastung:<\/strong><ul><li>Die Einziehung der Bestechungsgelder durch das Strafgericht f\u00fchrt bereits zur Absch\u00f6pfung des wirtschaftlichen Vorteils.<\/li><li>W\u00fcrden die eingezogenen Betr\u00e4ge dennoch der Umsatzsteuer unterworfen, w\u00fcrde dies eine unzul\u00e4ssige doppelte Belastung des Kl\u00e4gers bedeuten.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Grundsatz der Gleichbehandlung:<\/strong><ul><li>Sowohl das <strong>Bundesverfassungsgericht<\/strong> als auch der <strong>Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH)<\/strong> verlangen, dass steuerrechtliche Vorschriften nicht zu einer verfassungswidrigen Ungleichbehandlung f\u00fchren d\u00fcrfen.<\/li><li>Die Umsatzsteuer darf nicht auf Betr\u00e4ge erhoben werden, die der Steuerpflichtige wirtschaftlich nicht mehr nutzen kann.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Kein Verweis auf Billigkeitsverfahren erforderlich:<\/strong><ul><li>Eine Minderung der Bemessungsgrundlage ist unmittelbar vorzunehmen.<\/li><li>Ein gesondertes Billigkeitsverfahren ist unionsrechtlich ohnehin fragw\u00fcrdig.<\/li><\/ul><\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Bedeutung des Urteils<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Unternehmen und Einzelpersonen, die in Strafverfahren mit Einziehungen konfrontiert sind, k\u00f6nnen die umsatzsteuerliche Bemessungsgrundlage reduzieren.<\/li><li>Finanz\u00e4mter m\u00fcssen in vergleichbaren F\u00e4llen zuk\u00fcnftig die eingezogenen Betr\u00e4ge steuerlich ber\u00fccksichtigen.<\/li><li>Das Urteil schafft Rechtssicherheit und verhindert steuerliche Doppelbelastungen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Fazit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH hat mit diesem Urteil klargestellt, dass strafrechtlich eingezogene Schmiergelder nicht doppelt besteuert werden d\u00fcrfen. Die Entscheidung st\u00e4rkt den steuerlichen Gleichbehandlungsgrundsatz und verhindert unangemessene steuerliche Belastungen von Betroffenen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Bundesfinanzhof<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 25.09.2024 (Az. XI R 6\/23) entschieden, dass strafrechtlich eingezogene Bestechungsgelder die umsatzsteuerrechtliche Bemessungsgrundlage mindern. Diese Entscheidung hat weitreichende Folgen f\u00fcr die steuerliche Behandlung von illegalen Vorteilen. 1. Hintergrund des Falls Ein Diplom-Ingenieur hatte von beauftragten Unternehmen kostenlose Leistungen erhalten, haupts\u00e4chlich f\u00fcr den privaten Hausbau. 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