{"id":76702,"date":"2025-02-20T17:04:41","date_gmt":"2025-02-20T15:04:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76702"},"modified":"2025-02-20T17:04:41","modified_gmt":"2025-02-20T15:04:41","slug":"hessisches-finanzgericht-landesgrundsteuergesetz-hessen-ist-verfassungsgemaess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/hessisches-finanzgericht-landesgrundsteuergesetz-hessen-ist-verfassungsgemaess\/","title":{"rendered":"<strong>Hessisches Finanzgericht: Landesgrundsteuergesetz Hessen ist verfassungsgem\u00e4\u00df<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Hessische Finanzgericht (FG Hessen) hat mit Urteil vom 23. Januar 2025 (Az. 3 K 663\/24) entschieden, dass die Neuregelung des Hessischen Grundsteuergesetzes (HGrStG) verfassungsgem\u00e4\u00df ist. Damit wurde die Klage einer Grundst\u00fcckseigent\u00fcmerin abgewiesen, die gegen die Berechnung ihres Grundsteuermessbetrags vorgegangen war.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>1. Hintergrund der Klage<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4gerin wandte sich gegen die Berechnung des Grundsteuermessbetrags f\u00fcr ihr Zweifamilienhaus und argumentierte, dass das neue HGrStG gegen das <strong>Bestimmtheitsgebot<\/strong> und das <strong>Leistungsf\u00e4higkeitsprinzip<\/strong> nach Art. 3 Abs. 1 Grundgesetz versto\u00dfe. Ihrer Ansicht nach vernachl\u00e4ssige das Gesetz die tats\u00e4chlichen Infrastrukturkosten der Kommunen und diene prim\u00e4r der Beibehaltung des bisherigen Messbetragsvolumens.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>2. Entscheidung des FG Hessen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das FG Hessen wies die Klage mit folgenden Begr\u00fcndungen ab:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Bestimmtheitsgebot:<\/strong> Das Bundesverfassungsgericht h\u00e4lt es f\u00fcr ausreichend, wenn die <strong>Gr\u00f6\u00dfenordnung der Steuerlast vorhersehbar ist<\/strong>, auch wenn der genaue Steuerbetrag erst mit dem Hebesatz der Kommune feststeht.<\/li><li><strong>Leistungsf\u00e4higkeitsprinzip:<\/strong> Die Grundsteuer kn\u00fcpft an das Eigentum am Grundbesitz an. Eigentum an einem Grundst\u00fcck stellt eine <strong>generelle Leistungsf\u00e4higkeit<\/strong> dar, sodass keine unzul\u00e4ssige Ungleichbehandlung vorliegt.<\/li><li><strong>Bemessungsgrundlage:<\/strong> Die <strong>Grundst\u00fccks- und Geb\u00e4udegr\u00f6\u00dfe<\/strong> sind legitime Kriterien zur Berechnung der Steuer. Es sei zul\u00e4ssig, dass das Alter eines Geb\u00e4udes keine Rolle spielt.<\/li><li><strong>Kommunale Infrastruktur:<\/strong> Die Grundsteuer dient der Finanzierung kommunaler Infrastruktur. Es sei sachgerecht, davon auszugehen, dass gr\u00f6\u00dfere Grundst\u00fccke eine h\u00f6here Nutzungsm\u00f6glichkeit dieser Infrastruktur haben.<\/li><li><strong>Differenzierung nach Nutzung:<\/strong> Es sei verfassungsrechtlich zul\u00e4ssig und notwendig, dass <strong>unbebaute Grundst\u00fccke anders behandelt werden<\/strong> als Wohn- und Gewerbeimmobilien.<\/li><li><strong>Lagefaktor:<\/strong> Die Einbeziehung von <strong>Bodenrichtwerten<\/strong> als Faktor zur Bestimmung der Steuerlast ist zul\u00e4ssig, solange diese nicht das einzige Kriterium sind.<\/li><li><strong>Objektsteuercharakter:<\/strong> Die Grundsteuer ist eine <strong>Objektsteuer<\/strong>, daher kann <strong>Art. 47 Abs. 1 der Hessischen Landesverfassung<\/strong> nicht verletzt sein.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3><strong>3. Bedeutung der Entscheidung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul><li><strong>Rechtssicherheit f\u00fcr Grundsteuerzahler:<\/strong> Das Urteil best\u00e4tigt die <strong>Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des Hessischen Grundsteuergesetzes<\/strong> und stellt sicher, dass es nicht zu einem verfassungswidrigen Systemwechsel kommt.<\/li><li><strong>Kein Versto\u00df gegen EU- oder Bundesrecht:<\/strong> Das Gericht best\u00e4tigt, dass die Differenzierung zwischen verschiedenen Grundst\u00fcckstypen sachgerecht und verfassungskonform ist.<\/li><li><strong>Anwendung des Faktorverfahrens bleibt bestehen:<\/strong> Die Ber\u00fccksichtigung von <strong>Bodenrichtwerten und Lageabstufungen<\/strong> zur Berechnung bleibt m\u00f6glich.<\/li><li><strong>Revision zugelassen:<\/strong> Aufgrund der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung wurde die <strong>Revision zum Bundesfinanzhof (BFH) zugelassen<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3><strong>4. Hintergrund: Reform der Grundsteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das <strong>Bundesverfassungsgericht<\/strong> erkl\u00e4rte 2018 die alte Einheitsbewertung f\u00fcr verfassungswidrig, da sie zu <strong>realit\u00e4tsfernen Wertverzerrungen<\/strong> f\u00fchrte. Der hessische Landesgesetzgeber nutzte seine Befugnis zur eigenst\u00e4ndigen Regelung und verabschiedete 2021 das neue <strong>Hessische Grundsteuergesetz<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>5. Berechnung der Grundsteuer<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Berechnung des Grundsteuermessbetrags erfolgt nach folgender Formel:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grundst\u00fccksfl\u00e4che x Steuermesszahl x Faktorwert<\/strong> = Grundsteuermessbetrag<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser wird dann mit dem von der Gemeinde festgelegten <strong>Hebesatz<\/strong> multipliziert, um die <strong>endg\u00fcltige Grundsteuer<\/strong> zu bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>6. Fazit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Urteil des FG Hessen bringt Klarheit und best\u00e4tigt die <strong>Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des Hessischen Grundsteuergesetzes<\/strong>. Steuerpflichtige und Gemeinden k\u00f6nnen weiterhin mit der neuen Berechnungsmethode arbeiten. Die Entscheidung zeigt, dass das Gericht eine breite gesetzgeberische Gestaltungsfreiheit akzeptiert, solange grundlegende verfassungsrechtliche Prinzipien eingehalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Hessisches Finanzgericht Kassel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Hessische Finanzgericht (FG Hessen) hat mit Urteil vom 23. Januar 2025 (Az. 3 K 663\/24) entschieden, dass die Neuregelung des Hessischen Grundsteuergesetzes (HGrStG) verfassungsgem\u00e4\u00df ist. Damit wurde die Klage einer Grundst\u00fcckseigent\u00fcmerin abgewiesen, die gegen die Berechnung ihres Grundsteuermessbetrags vorgegangen war. 1. 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