{"id":76916,"date":"2025-04-01T16:35:36","date_gmt":"2025-04-01T14:35:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76916"},"modified":"2025-04-01T16:35:36","modified_gmt":"2025-04-01T14:35:36","slug":"carried-interest-aus-us-fonds-wann-deutschland-das-besteuerungsrecht-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/carried-interest-aus-us-fonds-wann-deutschland-das-besteuerungsrecht-hat\/","title":{"rendered":"<strong>Carried Interest aus US-Fonds \u2013 wann Deutschland das Besteuerungsrecht hat<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>FG Schleswig-Holstein entscheidet zur Besteuerung eines Carried Interest aus verm\u00f6gensverwaltender US-LLC \u2013 Revision beim BFH anh\u00e4ngig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Carried Interest<\/strong> ist ein Begriff, der insbesondere bei Fondsstrukturen regelm\u00e4\u00dfig auftaucht \u2013 und steuerlich f\u00fcr Diskussionsstoff sorgt. Mit Urteil vom <strong>08.10.2024 (Az. 3 K 37\/22)<\/strong> hat das <strong>Finanzgericht Schleswig-Holstein<\/strong> entschieden, dass Deutschland das Besteuerungsrecht f\u00fcr einen Carried Interest zusteht, wenn dieser <strong>nicht aus einer gewerblichen T\u00e4tigkeit<\/strong>, sondern aus <strong>verm\u00f6gensverwaltender T\u00e4tigkeit<\/strong> resultiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Urteil hat grunds\u00e4tzliche Bedeutung f\u00fcr deutsche Anleger, die an <strong>US-Fonds in Form von LLCs<\/strong> beteiligt sind \u2013 und wird derzeit in <strong>Revision beim Bundesfinanzhof (I R 24\/24)<\/strong> \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Hintergrund: Was war streitig?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein in Deutschland ans\u00e4ssiger Gesellschafter (Beigeladener) war an einer <strong>nach US-Recht gegr\u00fcndeten LLC<\/strong> beteiligt, deren Zweck in der Beteiligung an weiteren Gesellschaften bestand, die ihrerseits Kapitalbeteiligungen verwalteten. Die LLC war \u2013 nach deutschem Typenvergleich \u2013 <strong>verm\u00f6gensverwaltend<\/strong> t\u00e4tig und damit <strong>nicht gewerblich<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben einer proportionalen Gewinnbeteiligung erhielt die LLC (und \u00fcber diese auch der Beigeladene) einen <strong>Carried Interest<\/strong> \u2013 einen zus\u00e4tzlichen, kapitaldisproportionalen Gewinnanteil, der als \u201eideeller Beitrag\u201c zur F\u00f6rderung des Gesellschaftszwecks begr\u00fcndet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beteiligten gingen davon aus, dass dieser Zus\u00e4tzliche Gewinnanteil <strong>als unternehmerische Eink\u00fcnfte<\/strong> zu qualifizieren sei, auf die <strong>Art. 7 DBA-USA<\/strong> Anwendung findet. Damit h\u00e4tte das <strong>Besteuerungsrecht den USA<\/strong> zugestanden und Deutschland h\u00e4tte die Eink\u00fcnfte <strong>freistellen m\u00fcssen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Das Urteil des Finanzgerichts<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das <strong>FG Schleswig-Holstein<\/strong> hat diese Sichtweise <strong>nicht<\/strong> geteilt:<\/p>\n\n\n\n<ul><li class=\"\">Zwar handele es sich bei den Eink\u00fcnften aus dem Carried Interest <strong>nach deutschem Recht<\/strong> um Eink\u00fcnfte aus selbstst\u00e4ndiger Arbeit (\u00a7\u202f18 Abs.\u202f1 Nr.\u202f4 EStG).<\/li><li class=\"\">Diese <strong>nationale Qualifikation<\/strong> habe jedoch <strong>keine bindende Wirkung f\u00fcr das Doppelbesteuerungsabkommen<\/strong> (DBA-USA).<\/li><li class=\"\">Ma\u00dfgeblich sei die <strong>abkommensrechtliche Qualifikation<\/strong> der Eink\u00fcnfte \u2013 und dabei handle es sich bei einem Carried Interest <strong>nicht um gewerbliche Gewinne<\/strong>, sondern um <strong>Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen<\/strong> (Verweis auf BFH, Urteil vom 16.04.2024 \u2013 VIII R 3\/21).<\/li><li class=\"\">Damit greife <strong>nicht Art. 7 DBA-USA<\/strong>, sondern <strong>Art. 21 Abs. 1 DBA-USA<\/strong> (sonstige Eink\u00fcnfte) oder alternativ <strong>Art. 13 Abs. 5 DBA-USA<\/strong> (Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Ergebnis:<\/strong> Das Besteuerungsrecht f\u00fcr den Carried Interest liegt <strong>bei Deutschland<\/strong> als <strong>Ans\u00e4ssigkeitsstaat des Gesellschafters<\/strong>. Die Klage wurde abgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Praktische Bedeutung: Was Anleger wissen sollten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul><li class=\"\">Bei Beteiligung an einer <strong>verm\u00f6gensverwaltenden US-LLC<\/strong> wird der Carried Interest <strong>nicht automatisch in den USA besteuert<\/strong> \u2013 selbst wenn die T\u00e4tigkeit dort ausge\u00fcbt wird.<\/li><li class=\"\">Entscheidend ist, ob es sich um <strong>unternehmerische T\u00e4tigkeit (Art. 7 DBA)<\/strong> oder <strong>Kapitalverm\u00f6gen\/Verm\u00f6gensverwaltung<\/strong> handelt.<\/li><li class=\"\">Wird der Carried Interest als \u201eEntlohnung\u201c f\u00fcr Fondsmanagement, Sourcing oder Deal-Entwicklung gezahlt, ist eine genaue Pr\u00fcfung der Vertrags- und T\u00e4tigkeitsstruktur entscheidend.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Wichtig:<\/strong> Die abkommensrechtliche Einordnung weicht h\u00e4ufig von der deutschen steuerlichen Behandlung ab. Die nationale Einordnung als \u00a7\u202f18-Eink\u00fcnfte f\u00fchrt nicht automatisch zur Anwendung von Art. 7 DBA-USA.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Revision beim BFH: Fortsetzung folgt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Gegen das Urteil wurde Revision eingelegt (BFH-Az. <strong>I R 24\/24<\/strong>). Es bleibt daher spannend, ob der Bundesfinanzhof die Sicht des FG Schleswig-Holstein best\u00e4tigt oder eine <strong>freistellende Besteuerung in den USA<\/strong> zul\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Fazit: Gr\u00fcndliche Strukturpr\u00fcfung erforderlich<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Anleger und Fondsinitiatoren mit internationalen Strukturen \u2013 insbesondere im US-Fondsbereich \u2013 ist die sorgf\u00e4ltige Pr\u00fcfung der <strong>steuerlichen Einordnung von Gewinnanteilen wie Carried Interest<\/strong> unerl\u00e4sslich. Wer sich auf die Steuerfreistellung nach DBA verl\u00e4sst, ohne die abkommensrechtliche Qualifikation sicher zu pr\u00fcfen, riskiert eine <strong>nachtr\u00e4gliche Besteuerung in Deutschland<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerne beraten wir Sie zu internationalen Fondsbeteiligungen und pr\u00fcfen die Auswirkungen auf Ihre pers\u00f6nliche Steuerpflicht in Deutschland \u2013 <strong>inkl. Einordnung nach DBA und \u00a7 18\/20 EStG<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG Schleswig-Holstein entscheidet zur Besteuerung eines Carried Interest aus verm\u00f6gensverwaltender US-LLC \u2013 Revision beim BFH anh\u00e4ngig Carried Interest ist ein Begriff, der insbesondere bei Fondsstrukturen regelm\u00e4\u00dfig auftaucht \u2013 und steuerlich f\u00fcr Diskussionsstoff sorgt. Mit Urteil vom 08.10.2024 (Az. 3 K 37\/22) hat das Finanzgericht Schleswig-Holstein entschieden, dass Deutschland das Besteuerungsrecht f\u00fcr einen Carried Interest zusteht, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/carried-interest-aus-us-fonds-wann-deutschland-das-besteuerungsrecht-hat\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\"><strong>Carried Interest aus US-Fonds \u2013 wann Deutschland das Besteuerungsrecht hat<\/strong><\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1730],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76916"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76916"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76916\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76916"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76916"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76916"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}