{"id":76924,"date":"2025-04-01T17:08:44","date_gmt":"2025-04-01T15:08:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76924"},"modified":"2025-04-01T17:08:44","modified_gmt":"2025-04-01T15:08:44","slug":"keine-steuerbare-einnahme-untreue-fuehrt-nicht-zu-einkommensteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/keine-steuerbare-einnahme-untreue-fuehrt-nicht-zu-einkommensteuer\/","title":{"rendered":"<strong>Keine steuerbare Einnahme: Untreue f\u00fchrt nicht zu Einkommensteuer<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>FG Schleswig-Holstein: R\u00fcckfl\u00fcsse aus veruntreuten Geldern sind keine steuerpflichtigen sonstigen Eink\u00fcnfte \u2013 Urteil rechtskr\u00e4ftig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede Geldzahlung, die dem Steuerpflichtigen zuflie\u00dft, ist auch steuerpflichtig. Das hat das <strong>Finanzgericht Schleswig-Holstein<\/strong> mit Urteil vom <strong>2. Mai 2024 (Az. 4 K 84\/23)<\/strong> entschieden \u2013 mit einem bemerkenswerten Ergebnis: <strong>R\u00fcckfl\u00fcsse aus einer Untreuehandlung<\/strong> stellen <strong>keine steuerbaren Eink\u00fcnfte<\/strong> dar \u2013 auch dann nicht, wenn sie dem Steuerpflichtigen <strong>zur pers\u00f6nlichen Bereicherung<\/strong> dienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil ist <strong>rechtskr\u00e4ftig<\/strong> \u2013 und zeigt, wie eng die steuerrechtliche Beurteilung an das <strong>Zivil- und Strafrecht<\/strong> ankn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Worum ging es im konkreten Fall?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Arbeitnehmer hatte in seiner Position Zahlungen vom Gesch\u00e4ftskonto seines Arbeitgebers <strong>an einen Dritten veranlasst<\/strong> \u2013 mit dem Ziel, diesem f\u00fcr die Beeinflussung von Vergabeentscheidungen eine Zahlung zukommen zu lassen. Intern war mit dem Dritten jedoch abgesprochen, dass ein Teil dieser Zahlung wieder <strong>an den Arbeitnehmer zur\u00fcckflie\u00dfen<\/strong> sollte \u2013 was auch geschah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzamt wollte diese R\u00fcckfl\u00fcsse als <strong>steuerpflichtige sonstige Eink\u00fcnfte (\u00a7 22 Nr. 3 EStG)<\/strong> erfassen \u2013 der Arbeitnehmer wehrte sich dagegen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Entscheidung des Finanzgerichts<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <strong>FG Schleswig-Holstein<\/strong> wies die Auffassung der Finanzverwaltung zur\u00fcck:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\">Die R\u00fcckzahlung des Dritten sei <strong>keine Gegenleistung<\/strong> f\u00fcr eine Leistung des Kl\u00e4gers \u2013 sondern <strong>Teil einer vorher vereinbarten Beuteteilung<\/strong>.<\/li><li class=\"\">Die Auszahlung an den Dritten sowie der R\u00fcckfluss an den Kl\u00e4ger erfolgten auf Grundlage eines <strong>einheitlichen kriminellen Plans<\/strong>.<\/li><li class=\"\">Es handele sich <strong>nicht um eine wirtschaftlich begr\u00fcndbare Transaktion<\/strong>, sondern um eine blo\u00dfe Aufteilung von <strong>veruntreutem Geld<\/strong>.<\/li><li class=\"\">Es sei dabei <strong>steuerlich unerheblich<\/strong>, ob der Kl\u00e4ger zuerst selbst die Gelder veruntreut oder deren Auszahlung an den Dritten veranlasst habe \u2013 die R\u00fcckzahlung sei in beiden F\u00e4llen keine steuerbare Einnahme.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Steuerrecht trifft Strafrecht \u2013 warum das Urteil konsequent ist<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Einkommensteuerrecht setzt grunds\u00e4tzlich <strong>eine Verm\u00f6gensmehrung im wirtschaftlichen Eigentum<\/strong> voraus. Wenn Gelder <strong>aufgrund einer Untreuehandlung<\/strong> vereinnahmt werden, besteht jedoch <strong>kein rechtlicher Anspruch auf das Geld<\/strong>, sondern vielmehr eine <strong>R\u00fcckzahlungsverpflichtung gegen\u00fcber dem gesch\u00e4digten Eigent\u00fcmer<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Ergebnis liegt daher <strong>keine echte \u201eBereicherung\u201c im steuerlichen Sinne<\/strong> vor \u2013 sondern ein (h\u00e4ufig strafbarer) Besitz ohne Rechtsgrundlage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn das Finanzgericht hier eine <strong>Nichtsteuerbarkeit<\/strong> bejaht, bedeutet das <strong>keinesfalls Straffreiheit<\/strong>. Im Gegenteil:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\">Die Untreuehandlung erf\u00fcllt regelm\u00e4\u00dfig den <strong>Tatbestand nach \u00a7\u202f266 StGB<\/strong>.<\/li><li class=\"\">R\u00fcckfl\u00fcsse aus veruntreutem Verm\u00f6gen unterliegen <strong>nicht der Einkommensteuer<\/strong>, <strong>aber sehr wohl der strafrechtlichen Verfolgung<\/strong>.<\/li><li class=\"\">Auch die blo\u00dfe <strong>Bereitstellung der Zahlungsstr\u00f6me<\/strong> kann f\u00fcr beide Beteiligte eine <strong>Strafbarkeit wegen Bestechlichkeit oder Bestechung<\/strong> (\u00a7\u00a7\u202f299 ff. StGB) begr\u00fcnden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tipp f\u00fcr die Praxis:<\/strong><br \/>Eine steuerlich nicht erfasste Einnahme kann <strong>trotzdem Ausl\u00f6ser f\u00fcr Ermittlungsverfahren<\/strong> sein. Steuerfreiheit \u2260 Straffreiheit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Grafik: Wann ist ein Verm\u00f6genszufluss steuerbar?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><thead><tr><th><strong>Zuflussart<\/strong><\/th><th><strong>Steuerpflicht?<\/strong><\/th><th><strong>Begr\u00fcndung<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Arbeitslohn<\/td><td>\u2705 Ja<\/td><td>Entgelt f\u00fcr eine Leistung<\/td><\/tr><tr><td>Schenkung<\/td><td>\u274c Nein<\/td><td>Unterliegt ggf. der Schenkungsteuer, aber nicht der Einkommensteuer<\/td><\/tr><tr><td>R\u00fcckzahlung aus Untreuehandlung<\/td><td>\u274c Nein<\/td><td>Kein wirtschaftlicher Leistungsaustausch \u2013 blo\u00dfe Beuteteilung<\/td><\/tr><tr><td>Provision f\u00fcr Vertragsvermittlungen<\/td><td>\u2705 Ja<\/td><td>Entgeltliche Leistung, \u00a7\u202f22 Nr.\u202f3 oder \u00a7\u202f15 EStG<\/td><\/tr><tr><td>Unterschlagung\/Betrug mit R\u00fcckfluss<\/td><td>\u274c Nein<\/td><td>Kein zivilrechtlicher Anspruch, keine Einkunftsquelle<\/td><\/tr><tr><td>Schwarzgeld (z.\u202fB. bei Bauleistung)<\/td><td>\u2705 Ja<\/td><td>Steuerpflicht trotz Illegalit\u00e4t, \u00a7\u202f40 AO<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Praxistipp: Grenzen der Steuerpflicht bei unrechtm\u00e4\u00dfigen Zufl\u00fcssen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede Zahlung, die den Kontostand erh\u00f6ht, l\u00f6st auch Einkommensteuer aus. Besonders bei <strong>kriminellen Vorg\u00e4ngen<\/strong> wie Untreue, Unterschlagung oder Diebstahl ist Vorsicht geboten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2705 <strong>Strafrechtlich relevant<\/strong> = ja<br \/>\u274c <strong>Steuerpflichtig<\/strong> = nicht automatisch!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aber Achtung:<\/strong> Das bedeutet nicht, dass solche Vorg\u00e4nge steuerlich folgenlos bleiben. In anderen Konstellationen \u2013 etwa bei verdeckten Verg\u00fctungen oder Scheingesch\u00e4ften \u2013 kann durchaus eine Steuerpflicht entstehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit: R\u00fcckfl\u00fcsse aus Unrechtstatbest\u00e4nden sind keine steuerbaren Einnahmen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht Schleswig-Holstein hat einen wichtigen Grundsatz bekr\u00e4ftigt:<br \/><strong>Kriminell erlangte Gelder \u2013 auch wenn sie zur privaten Verf\u00fcgung stehen \u2013 f\u00fchren nicht zwangsl\u00e4ufig zu steuerpflichtigen Eink\u00fcnften.<\/strong><br \/>Die <strong>blo\u00dfe Verm\u00f6gensmehrung<\/strong> reicht nicht aus \u2013 es braucht einen <strong>wirtschaftlichen Leistungsaustausch<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber: Sie sind regelm\u00e4\u00dfig <strong>strafrechtlich relevant<\/strong> \u2013 und k\u00f6nnen auch steuerlich relevant werden, z.\u202fB. bei Verschleierungsversuchen oder Geldw\u00e4sche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG Schleswig-Holstein: R\u00fcckfl\u00fcsse aus veruntreuten Geldern sind keine steuerpflichtigen sonstigen Eink\u00fcnfte \u2013 Urteil rechtskr\u00e4ftig Nicht jede Geldzahlung, die dem Steuerpflichtigen zuflie\u00dft, ist auch steuerpflichtig. Das hat das Finanzgericht Schleswig-Holstein mit Urteil vom 2. 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