{"id":76930,"date":"2025-04-06T15:30:38","date_gmt":"2025-04-06T13:30:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76930"},"modified":"2025-04-06T15:30:38","modified_gmt":"2025-04-06T13:30:38","slug":"anforderungen-an-ein-fahrtenbuch-bei-berufsgeheimnistraegern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/anforderungen-an-ein-fahrtenbuch-bei-berufsgeheimnistraegern\/","title":{"rendered":"Anforderungen an ein Fahrtenbuch bei Berufsgeheimnistr\u00e4gern"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Berufsgeheimnistr\u00e4ger wie Rechtsanw\u00e4lte, Steuerberater oder \u00c4rzte stehen bei der Nutzung der Fahrtenbuchmethode zur Ermittlung der privaten und beruflichen Fahrzeugnutzung vor einer besonderen Herausforderung: der Schutz sensibler Mandantendaten. Das Finanzgericht Hamburg hat hierzu mit Urteil vom <strong>13.11.2024 (Az. 3 K 111\/21)<\/strong> nun wichtige Klarstellungen getroffen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was war der Streitpunkt?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kl\u00e4ger \u2013 ein Rechtsanwalt \u2013 legte dem Finanzamt ein <strong>teilweise geschw\u00e4rztes Fahrtenbuch<\/strong> vor, um die berufliche Nutzung seines Fahrzeugs nachzuweisen. Hintergrund war die gesetzliche <strong>Verschwiegenheitspflicht nach \u00a7 43a Abs. 2 BRAO<\/strong>, wonach bereits die Identit\u00e4t und der Umstand einer Mandatsbeziehung geheim zu halten sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzamt erkannte das Fahrtenbuch jedoch nicht an und wendete stattdessen die pauschale <strong>1%-Methode<\/strong> an.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Entscheidung des Finanzgerichts Hamburg<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht best\u00e4tigt grunds\u00e4tzlich die strengen Anforderungen an ein ordnungsgem\u00e4\u00dfes Fahrtenbuch:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\"><strong>Plausible und \u00fcberpr\u00fcfbare Angaben zur beruflichen Veranlassung<\/strong> jeder Fahrt sind erforderlich.<\/li><li class=\"\">Neben Datum und Fahrtziel m\u00fcssen <strong>auch die Gesch\u00e4ftspartner<\/strong> oder \u2013 sofern nicht vorhanden \u2013 der <strong>konkrete berufliche Anlass<\/strong> der Fahrt genannt werden.<\/li><li class=\"\"><strong>Ortsangaben allein gen\u00fcgen in der Regel nicht<\/strong>, es sei denn, daraus ergibt sich eindeutig der Zweck der Fahrt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Aber: Berufsgeheimnistr\u00e4ger d\u00fcrfen schw\u00e4rzen \u2013 unter bestimmten Voraussetzungen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht erkennt an, dass die gesetzlichen Anforderungen an Fahrtenb\u00fccher mit der Verschwiegenheitspflicht kollidieren k\u00f6nnen. Daher d\u00fcrfen Berufsgeheimnistr\u00e4ger:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\"><strong>personenbezogene Daten schw\u00e4rzen<\/strong>, die R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Identit\u00e4t von Mandanten zulassen,<\/li><li class=\"\">dies jedoch <strong>nur insoweit<\/strong>, wie es zur Wahrung der Verschwiegenheit erforderlich ist,<\/li><li class=\"\">nicht schw\u00e4rzen: Ortsangaben, Fahrten zur eigenen Kanzlei, zu Beh\u00f6rden ohne Mandatsverh\u00e4ltnis, Gerichtstermine oder F\u00e4lle, in denen der Mandant ausdr\u00fccklich auf die Geheimhaltung verzichtet hat.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nachweispflicht bleibt beim Steuerpflichtigen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz des besonderen Schutzes bleibt die steuerliche Grundregel bestehen: <strong>Der Steuerpflichtige tr\u00e4gt die Beweislast<\/strong> f\u00fcr die berufliche Nutzung des Fahrzeugs. Das bedeutet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\">Schw\u00e4rzungen m\u00fcssen <strong>nachvollziehbar begr\u00fcndet<\/strong> werden.<\/li><li class=\"\">Die <strong>berufliche Veranlassung<\/strong> der Fahrten ist ggf. zus\u00e4tzlich darzulegen (z.\u202fB. durch allgemeine Umschreibungen oder erg\u00e4nzende Angaben).<\/li><li class=\"\">Ist das Fahrtenbuch <strong>nicht nachvollziehbar oder l\u00fcckenhaft<\/strong>, greift die <strong>1%-Methode<\/strong>, auch bei Berufsgeheimnistr\u00e4gern.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Unser Tipp f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Sie als Berufsgeheimnistr\u00e4ger ein Fahrtenbuch f\u00fchren, beachten Sie Folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2705 Verwenden Sie ein elektronisches Fahrtenbuch, das zeitnah und manipulationssicher gef\u00fchrt wird.<br \/>\u2705 Schw\u00e4rzen Sie nur das unbedingt Notwendige \u2013 insbesondere keine Ortsnamen oder allgemeinen Fahrtzwecke.<br \/>\u2705 F\u00fcgen Sie ggf. <strong>erg\u00e4nzende Angaben<\/strong> hinzu, um die berufliche Veranlassung plausibel zu machen.<br \/>\u2705 Dokumentieren Sie, <strong>warum Schw\u00e4rzungen erforderlich<\/strong> waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Sie Unterst\u00fctzung bei der Fahrtenbuchf\u00fchrung oder der steuerlichen Fahrzeugnutzung ben\u00f6tigen, sprechen Sie uns gern an. Wir beraten Sie individuell \u2013 nat\u00fcrlich unter Wahrung Ihrer Verschwiegenheit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> Finanzgericht Hamburg, Newsletter 1\/2025 zum Urteil vom 13.11.2024 \u2013 Az. 3 K 111\/21<br \/>(BFH-Az.: VIII R 35\/24 \u2013 noch nicht rechtskr\u00e4ftig)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berufsgeheimnistr\u00e4ger wie Rechtsanw\u00e4lte, Steuerberater oder \u00c4rzte stehen bei der Nutzung der Fahrtenbuchmethode zur Ermittlung der privaten und beruflichen Fahrzeugnutzung vor einer besonderen Herausforderung: der Schutz sensibler Mandantendaten. Das Finanzgericht Hamburg hat hierzu mit Urteil vom 13.11.2024 (Az. 3 K 111\/21) nun wichtige Klarstellungen getroffen. Was war der Streitpunkt? 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