{"id":76984,"date":"2025-04-11T12:38:34","date_gmt":"2025-04-11T10:38:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=76984"},"modified":"2025-04-11T12:39:59","modified_gmt":"2025-04-11T10:39:59","slug":"bfh-bestaetigt-geschlechtsspezifische-sterbetafeln-bei-der-schenkungsteuer-verfassungsgemaess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-bestaetigt-geschlechtsspezifische-sterbetafeln-bei-der-schenkungsteuer-verfassungsgemaess\/","title":{"rendered":"<strong>BFH best\u00e4tigt: Geschlechtsspezifische Sterbetafeln bei der Schenkungsteuer verfassungsgem\u00e4\u00df<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit drei Urteilen vom 20.11.2024 (Az. II R 38\/22, II R 41\/22 und II R 42\/22) hat der Bundesfinanzhof (BFH) klargestellt, dass die Verwendung geschlechtsspezifischer Sterbetafeln bei der Bewertung lebenslanger Nutzungen und Leistungen im Rahmen der <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/erbschaftssteuer.htm\">Erbschaft- und Schenkungsteuer<\/a> <strong>verfassungsgem\u00e4\u00df<\/strong> ist. Die Entscheidung betrifft insbesondere die Wertermittlung von <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/Niessbrauch_Immobilie.html\">Nie\u00dfbrauchsrechten<\/a> bei unentgeltlichen \u00dcbertragungen \u2013 etwa im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Der Hintergrund der Entscheidung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In den entschiedenen F\u00e4llen hatten die Kl\u00e4ger im Jahr 2014 von ihrem Vater GmbH-Anteile im Wege der vorweggenommenen Erbfolge erhalten. Der Vater behielt sich jedoch einen <strong>lebenslangen unentgeltlichen Nie\u00dfbrauch<\/strong> an den Anteilen vor. Dieser Nie\u00dfbrauch vermindert die steuerliche Bereicherung der Erwerber und wird dementsprechend bei der Festsetzung der Schenkungsteuer als Abzugsposition ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Finanzverwaltung berechnete den Kapitalwert des Nie\u00dfbrauchs unter Anwendung der gesetzlich vorgeschriebenen Vervielf\u00e4ltiger gem\u00e4\u00df \u00a7 14 Bewertungsgesetz (BewG). Diese basieren auf <strong>Sterbetafeln des Statistischen Bundesamts<\/strong>, die nach <strong>Geschlecht und Alter<\/strong> des Berechtigten differenzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4ger r\u00fcgten, die Ber\u00fccksichtigung des Geschlechts bei der Bewertung versto\u00dfe gegen das <strong>Diskriminierungsverbot des Art. 3 Abs. 3 Satz 1 Grundgesetz (GG)<\/strong>. Ihre Klage blieb jedoch ohne Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Kernaussagen des BFH<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH wies die Revisionen zur\u00fcck und best\u00e4tigte die Praxis der Finanzverwaltung. Die wichtigsten Aussagen des Gerichts:<\/p>\n\n\n\n<ul><li class=\"\"><strong>Keine Diskriminierung:<\/strong> Die Verwendung geschlechtsspezifischer Vervielf\u00e4ltiger ist verfassungsrechtlich zul\u00e4ssig. Sie dient dem legitimen Ziel, realit\u00e4tsnahe und leistungsf\u00e4higkeitsgerechte Besteuerungen zu erm\u00f6glichen.<\/li><li class=\"\"><strong>Statistische Grundlage:<\/strong> Die Lebenserwartung von M\u00e4nnern und Frauen unterscheidet sich nach wie vor statistisch signifikant. Daraus ergeben sich unterschiedliche Vervielf\u00e4ltiger, die zu <strong>realistischeren Kapitalwerten<\/strong> f\u00fchren.<\/li><li class=\"\"><strong>Keine pauschale Benachteiligung:<\/strong> Die geschlechtsbezogenen Vervielf\u00e4ltiger k\u00f6nnen sich je nach Einzelfall sowohl steuermindernd als auch steuererh\u00f6hend auswirken. Es erfolgt keine generelle Benachteiligung aufgrund des Geschlechts.<\/li><li class=\"\"><strong>Ma\u00dfgeblich ist der Nie\u00dfbrauchsberechtigte:<\/strong> F\u00fcr die Berechnung des Kapitalwerts ist nicht das Geschlecht der Erwerber entscheidend, sondern das Geschlecht und Alter desjenigen, der das Nutzungsrecht innehat (hier: der Vater).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Was bedeutet das f\u00fcr die Praxis?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung schafft <strong>Rechtssicherheit<\/strong> bei der Bewertung von lebenslangen Nutzungen und Leistungen im Rahmen der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Solange die Lebenserwartung weiterhin statistisch geschlechtsabh\u00e4ngig ermittelt wird, bleibt die Anwendung geschlechtsspezifischer Sterbetafeln zul\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Hinweis zum Selbstbestimmungsgesetz<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH hat ausdr\u00fccklich offen gelassen, welche Auswirkungen sich aus dem am <strong>1. November 2024<\/strong> in Kraft getretenen <strong>Gesetz \u00fcber die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag<\/strong> ergeben k\u00f6nnten. Die Frage, wie sich eine \u00c4nderung des Geschlechtseintrags auf die steuerliche Bewertung auswirkt, war nicht Gegenstand der Urteile und bleibt k\u00fcnftiger rechtlicher Kl\u00e4rung vorbehalten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Urteile des BFH best\u00e4tigen die bisherige Verwaltungspraxis und st\u00e4rken die Rechtssicherheit bei \u00dcbertragungen unter Nie\u00dfbrauchsvorbehalt. In der steuerlichen Beratung ist die <strong>korrekte Anwendung der Vervielf\u00e4ltiger nach \u00a7 14 BewG<\/strong> weiterhin essenziell \u2013 und nun auch verfassungsrechtlich abgesichert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Sie planen eine \u00dcbertragung mit Nie\u00dfbrauchsvorbehalt oder m\u00f6chten die steuerlichen Auswirkungen vorweggenommener Erbfolge optimieren?<\/strong> Wir beraten Sie gerne individuell und vorausschauend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit drei Urteilen vom 20.11.2024 (Az. II R 38\/22, II R 41\/22 und II R 42\/22) hat der Bundesfinanzhof (BFH) klargestellt, dass die Verwendung geschlechtsspezifischer Sterbetafeln bei der Bewertung lebenslanger Nutzungen und Leistungen im Rahmen der Erbschaft- und Schenkungsteuer verfassungsgem\u00e4\u00df ist. 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