{"id":77053,"date":"2025-04-23T10:28:04","date_gmt":"2025-04-23T08:28:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77053"},"modified":"2025-04-23T10:28:04","modified_gmt":"2025-04-23T08:28:04","slug":"geaenderte-verwaltungsauffassung-bfh-urteil-von-1977-zur-besteuerung-auf-hoher-see-nicht-mehr-uneingeschraenkt-anwendbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/geaenderte-verwaltungsauffassung-bfh-urteil-von-1977-zur-besteuerung-auf-hoher-see-nicht-mehr-uneingeschraenkt-anwendbar\/","title":{"rendered":"<strong>Ge\u00e4nderte Verwaltungsauffassung: BFH-Urteil von 1977 zur Besteuerung auf hoher See nicht mehr uneingeschr\u00e4nkt anwendbar<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat am 15. April 2025 ein Schreiben ver\u00f6ffentlicht, das weitreichende Auswirkungen auf die steuerliche Behandlung von Eink\u00fcnften an Bord von Seeschiffen hat \u2013 insbesondere im Rahmen von Doppelbesteuerungsabkommen (DBA).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Abstimmung mit den obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder nimmt die Finanzverwaltung nun Abstand von der bisherigen Anwendung des BFH-Urteils vom 5. Oktober 1977 (BStBl II 1978, S. 50), soweit es um die Zuordnung von Schiffen auf hoher See zum Hoheitsgebiet des Staates geht, dessen Flagge sie f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was bisher galt \u2013 und was sich nun \u00e4ndert<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof hatte 1977 entschieden, dass Schiffe auf hoher See als \u201eschwimmende Gebietsteile\u201c des Flaggenstaates zu werten seien. Daraus wurde steuerlich abgeleitet, dass T\u00e4tigkeiten auf solchen Schiffen wie im Inland des Flaggenstaates ausge\u00fcbt gelten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Diese Sichtweise wird nun revidiert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die neue Verwaltungsauffassung:<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\"><strong>Schiffe auf hoher See<\/strong> stellen aus Sicht des internationalen Steuerrechts <strong>kein Hoheitsgebiet<\/strong> eines Vertragsstaates mehr dar.<\/li><li class=\"\">Diese \u00c4nderung orientiert sich an der v\u00f6lkerrechtlichen Sichtweise und gilt <strong>ab dem Veranlagungszeitraum 2026<\/strong>.<\/li><li class=\"\">Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn das jeweils anzuwendende DBA ausdr\u00fccklich eine andere Regelung vorsieht (z.\u202fB. durch Bezug auf den \u201eGeltungsbereich des Grundgesetzes\u201c als geografische Definition der Bundesrepublik Deutschland).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was bedeutet das f\u00fcr Arbeitnehmer an Bord von Seeschiffen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je nach Ausgestaltung des jeweiligen DBA kommt es zu unterschiedlichen Besteuerungsrechten:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. DBA mit Artikel 15 Absatz 3 OECD-MA 2014:<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\">Eink\u00fcnfte aus unselbst\u00e4ndiger Arbeit von Bordpersonal k\u00f6nnen im Staat der <strong>tats\u00e4chlichen Gesch\u00e4ftsleitung<\/strong> des die Schifffahrt betreibenden Unternehmens besteuert werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. DBA mit Artikel 15 Absatz 3 OECD-MA 2017:<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\">Das Besteuerungsrecht liegt <strong>ausschlie\u00dflich<\/strong> beim <strong>Ans\u00e4ssigkeitsstaat<\/strong> der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. DBA ohne spezielle Regelung zu Seeschiffen:<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\">Dann greifen die allgemeinen Regeln (Artikel 15 Abs. 1 und 2 OECD-MA).<\/li><li class=\"\">Arbeitstage auf hoher See <strong>gelten nicht<\/strong> als im T\u00e4tigkeitsstaat ausge\u00fcbte Tage.<\/li><li class=\"\">Das Besteuerungsrecht bleibt beim Ans\u00e4ssigkeitsstaat, <strong>sofern kein anderes DBA eine abweichende Regelung trifft<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was bleibt unver\u00e4ndert?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig von der steuerlichen Einordnung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\">Die <strong>Staatsangeh\u00f6rigkeit eines Schiffes<\/strong> und das darauf geltende <strong>Rechtsregime<\/strong> bestimmen sich weiterhin <strong>nach der Beflaggung<\/strong> \u2013 wie im Seev\u00f6lkerrecht vorgesehen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ab wann gilt die neue Auffassung?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ge\u00e4nderte Verwaltungsauffassung ist <strong>erstmals anzuwenden ab dem 1. Januar 2026<\/strong> \u2013 sowohl f\u00fcr Veranlagungszeitr\u00e4ume als auch f\u00fcr Lohnzahlungszeitr\u00e4ume.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ziel:<\/strong> H\u00e4rtef\u00e4lle im \u00dcbergang zu vermeiden und betroffenen Unternehmen sowie Arbeitnehmern ausreichend Zeit zur Umstellung zu geben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit und Handlungsempfehlung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese \u00c4nderung ist von hoher Relevanz f\u00fcr:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li class=\"\">Reedereien mit internationalem Personal<\/li><li class=\"\">Steuerberater mit grenz\u00fcberschreitenden Mandaten im Seeverkehr<\/li><li class=\"\">Bordpersonal mit Wohnsitz in Deutschland oder im Ausland<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Unser Tipp:<\/strong> Pr\u00fcfen Sie bestehende DBA-Regelungen und Ihre steuerliche Einordnung sorgf\u00e4ltig. Es kann sinnvoll sein, bereits jetzt Anpassungen in der Lohnabrechnung, Vertragsgestaltung oder der Steuerplanung vorzunehmen \u2013 insbesondere f\u00fcr das Jahr 2026.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong><br \/>BMF-Schreiben vom 15.04.2025, Az. IV B 2 &#8211; S 1301\/01408\/007\/001,<br \/>ver\u00f6ffentlicht im Bundessteuerblatt Teil I (abrufbar auf der Website des BMF).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat am 15. April 2025 ein Schreiben ver\u00f6ffentlicht, das weitreichende Auswirkungen auf die steuerliche Behandlung von Eink\u00fcnften an Bord von Seeschiffen hat \u2013 insbesondere im Rahmen von Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). 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