{"id":77301,"date":"2025-05-16T15:46:19","date_gmt":"2025-05-16T13:46:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77301"},"modified":"2025-05-16T15:46:19","modified_gmt":"2025-05-16T13:46:19","slug":"abfindung-aus-luxemburg-deutschland-darf-besteuern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/abfindung-aus-luxemburg-deutschland-darf-besteuern\/","title":{"rendered":"<strong>Abfindung aus Luxemburg \u2013 Deutschland darf besteuern<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom <strong>20. M\u00e4rz 2025 (Az. VI R 24\/22)<\/strong> entschieden:<br \/><strong>Eine Abfindung f\u00fcr den Verlust des Arbeitsplatzes in Luxemburg unterliegt in Deutschland der Besteuerung<\/strong> \u2013 auch wenn der Arbeitsplatz im Ausland lag.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit best\u00e4tigt der BFH eine gefestigte Linie in der DBA-Auslegung und weist auf die Grenzen von Konsultationsvereinbarungen zwischen Staaten hin.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Der Fall: Luxemburger Arbeitgeber, deutscher Wohnsitz<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein in Deutschland wohnhafter Arbeitnehmer war in Luxemburg besch\u00e4ftigt.<br \/>Im Zuge der Schlie\u00dfung des Unternehmens erhielt er eine <strong>Abfindung<\/strong> f\u00fcr den Verlust seines Arbeitsplatzes.<br \/>In seiner Steuererkl\u00e4rung behandelte er diese als <strong>nach dem DBA-Luxemburg 2012 steuerfrei<\/strong>, unter Progressionsvorbehalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt hingegen besteuerte die Abfindung teilweise in Deutschland. Die Klage dagegen blieb in allen Instanzen erfolglos.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>BFH: Deutschland hat das Besteuerungsrecht \u2013 trotz Luxemburg-T\u00e4tigkeit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3>\ud83d\udd0d <strong>Kernaussage des BFH<\/strong>:<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p class=\"\">Eine Abfindung <strong>ist kein Arbeitslohn f\u00fcr geleistete Arbeit<\/strong>, sondern eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr den <strong>Verlust des Arbeitsplatzes<\/strong> \u2013 unabh\u00e4ngig davon, wo die Arbeit zuvor ausge\u00fcbt wurde.<br \/>Nach Art. 14 Abs. 1 Satz 1 DBA-Luxemburg 2012 darf deshalb <strong>Deutschland als Ans\u00e4ssigkeitsstaat<\/strong> die Abfindung besteuern.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das bedeutet:<br \/>Auch wenn die T\u00e4tigkeit in Luxemburg ausge\u00fcbt wurde, ist die <strong>Abfindung nicht dem T\u00e4tigkeitsstaat zugeordnet<\/strong>, sondern f\u00e4llt <strong>unter das Besteuerungsrecht Deutschlands<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Was ist mit der Konsultationsvereinbarung?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Kl\u00e4ger verwies auf eine <strong>Verst\u00e4ndigungsvereinbarung<\/strong> zwischen Deutschland und Luxemburg, die eine <strong>Freistellung von Abfindungen durch den Ans\u00e4ssigkeitsstaat<\/strong> vorsieht \u2013 <strong>sofern Luxemburg tats\u00e4chlich besteuert<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der BFH erkennt aber klar die <strong>Grenzen solcher Vereinbarungen<\/strong> an:<\/p>\n\n\n\n<ul><li class=\"\">Konsultationsvereinbarungen sind <strong>keine formellen DBA-\u00c4nderungen<\/strong>.<\/li><li class=\"\">Der <strong>Wortlaut des DBA 2012<\/strong> l\u00e4sst keinen Spielraum: Die Abfindung f\u00e4llt <strong>nicht unter die T\u00e4tigkeit im Ausland<\/strong>.<\/li><li class=\"\">Die Konsultationsvereinbarung war <strong>nicht Bestandteil<\/strong> des neuen DBA und <strong>zeitlich nicht mehr anwendbar<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>\ud83d\udca1 <strong>Fazit des BFH<\/strong>:<br \/>Die Verst\u00e4ndigungsvereinbarung kann <strong>nicht das Abkommensverst\u00e4ndnis der Gerichte binden<\/strong>, wenn sie dem eindeutigen Wortlaut des DBA widerspricht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Verfassungsrechtliche Einw\u00e4nde? Kein Erfolg.<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Auch das Argument einer <strong>Gleichheitswidrigkeit<\/strong> nach Art. 3 GG wies der BFH zur\u00fcck:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p class=\"\">Der Gleichheitssatz sch\u00fctzt nicht vor der <strong>korrekten Anwendung des Gesetzes<\/strong>, auch wenn die Verwaltung in anderen F\u00e4llen gro\u00dfz\u00fcgiger verf\u00e4hrt. Es gibt <strong>keinen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht<\/strong>.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Praxistipp f\u00fcr Grenzg\u00e4nger und Abfindungsempf\u00e4nger<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3>\u2705 <strong>Was Sie beachten sollten:<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul><li class=\"\"><strong>Abfindungen werden grunds\u00e4tzlich dort besteuert, wo Sie zum Zeitpunkt des Zuflusses ans\u00e4ssig sind.<\/strong><\/li><li class=\"\">T\u00e4tigkeitsstaaten wie Luxemburg d\u00fcrfen die Abfindung <strong>nicht besteuern<\/strong>, es sei denn, es handelt sich um <strong>verg\u00fctete Arbeitsleistung<\/strong> \u2013 was bei echten Sozialplan-Abfindungen nicht der Fall ist.<\/li><li class=\"\">Konsultationsvereinbarungen bieten <strong>keine Rechtssicherheit<\/strong>, wenn sie nicht im aktuellen DBA verankert sind.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Fazit: Steuerfreiheit von Abfindungen nach DBA ist die Ausnahme<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil zeigt erneut:<br \/><strong>Wer in Deutschland wohnt, muss Abfindungen regelm\u00e4\u00dfig hier versteuern<\/strong> \u2013 selbst wenn die Arbeitsleistung im Ausland erbracht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenn das Doppelbesteuerungsabkommen <strong>ausdr\u00fccklich<\/strong> etwas anderes regelt oder der <strong>T\u00e4tigkeitsstaat tats\u00e4chlich besteuert<\/strong>, kann eine Freistellung erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udcde <strong>Sie arbeiten im Ausland, wohnen in Deutschland und erwarten eine Abfindung?<\/strong><br \/>Wir pr\u00fcfen Ihr DBA individuell und zeigen Ihnen rechtssichere Gestaltungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong><br \/>BFH, Urteil vom 20.03.2025 \u2013 VI R 24\/22<br \/>\ud83d\udc49 Ver\u00f6ffentlicht im BStBl II 2025<br \/>\ud83d\udc49 Volltext beim <a class=\"\" href=\"https:\/\/www.bundesfinanzhof.de\">Bundesfinanzhof<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-steuerberater-schroder-berlin wp-block-embed-steuerberater-schroder-berlin\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"2dsj5SrWMH\"><a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-20-maerz-2025-vi-r-24-22-besteuerung-von-abfindungen-nach-dem-dba-luxemburg-2012\/\">BFH-Urteil vom 20. M\u00e4rz 2025, VI R 24\/22: Besteuerung von Abfindungen nach dem DBA-Luxemburg 2012<\/a><\/blockquote><iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;BFH-Urteil vom 20. M\u00e4rz 2025, VI R 24\/22: Besteuerung von Abfindungen nach dem DBA-Luxemburg 2012&#8220; &#8212; Steuerberater Schr\u00f6der Berlin\" src=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bfh-urteil-vom-20-maerz-2025-vi-r-24-22-besteuerung-von-abfindungen-nach-dem-dba-luxemburg-2012\/embed\/#?secret=eFOxDJi6dl#?secret=2dsj5SrWMH\" data-secret=\"2dsj5SrWMH\" width=\"474\" height=\"267\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 20. M\u00e4rz 2025 (Az. 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