{"id":77320,"date":"2025-05-19T11:45:30","date_gmt":"2025-05-19T09:45:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77320"},"modified":"2025-05-19T11:45:30","modified_gmt":"2025-05-19T09:45:30","slug":"keine-steuerermaessigung-bei-freiwilliger-anzahlung-ohne-sachlichen-grund-was-bei-handwerkerleistungen-nach-%c2%a7-35a-estg-zu-beachten-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/keine-steuerermaessigung-bei-freiwilliger-anzahlung-ohne-sachlichen-grund-was-bei-handwerkerleistungen-nach-%c2%a7-35a-estg-zu-beachten-ist\/","title":{"rendered":"<strong>Keine Steuererm\u00e4\u00dfigung bei freiwilliger Anzahlung ohne sachlichen Grund: Was bei Handwerkerleistungen nach \u00a7 35a EStG zu beachten ist<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer Handwerkerleistungen in Auftrag gibt, hofft oft auf eine Steuererm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7 35a EStG. Doch was gilt, wenn die Zahlung im alten Jahr erfolgt, die Leistung aber erst im neuen Jahr erbracht wird? Das Finanzgericht (FG) D\u00fcsseldorf hat sich in einem aktuellen Urteil klar positioniert \u2013 mit wichtigen Auswirkungen f\u00fcr Steuerpflichtige und deren Berater.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Der Fall: Vorzeitige Zahlung in Erwartung einer Steuerersparnis<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Ehepaar beauftragte Ende 2022 ein Handwerksunternehmen mit dem Austausch der Heizungsanlage im Eigenheim. Die Arbeiten sollten jedoch erst im Jahr 2023 durchgef\u00fchrt werden. Um dennoch bereits f\u00fcr das Jahr 2022 die Steuererm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7 35a EStG zu nutzen, leisteten sie auf eigene Initiative hin eine Anzahlung in H\u00f6he von rund 5.000 Euro \u2013 ohne dass der Handwerksbetrieb eine solche Zahlung gefordert h\u00e4tte. Das Finanzamt versagte die Steuererm\u00e4\u00dfigung. Das FG D\u00fcsseldorf best\u00e4tigte diese Auffassung: <strong>Ohne sachlichen Grund und ohne Anforderung durch den Handwerksbetrieb ist eine freiwillige Vorauszahlung nicht beg\u00fcnstigt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Die Grunds\u00e4tze aus dem Urteil im \u00dcberblick<\/h3>\n\n\n\n<ul><li class=\"\"><strong>Keine Steuererm\u00e4\u00dfigung bei eigenm\u00e4chtiger Zahlung<\/strong>: Eine vom Handwerker <em>nicht angeforderte<\/em> und <em>nicht markt\u00fcbliche<\/em> Anzahlung f\u00fchrt nicht zu einer Steuererm\u00e4\u00dfigung \u2013 auch wenn sie nachweislich gezahlt wurde.<\/li><li class=\"\"><strong>Steuererm\u00e4\u00dfigung bei markt\u00fcblicher Anzahlung m\u00f6glich<\/strong>: Verlangt ein Handwerksunternehmen eine markt\u00fcbliche Anzahlung (z.\u202fB. bei Ma\u00dfanfertigungen, Materialvorleistungen etc.), kann der Steuerpflichtige die <em>beg\u00fcnstigten Arbeitskostenanteile<\/em> bereits im Jahr der Zahlung geltend machen \u2013 auch wenn die Arbeiten erst sp\u00e4ter erfolgen.<\/li><li class=\"\"><strong>Keine Beg\u00fcnstigung bei Lohnkosten-Anzahlungen \u201eins Blaue hinein\u201c<\/strong>: Im Streitfall hatte das Ehepaar gezielt den Arbeitskostenanteil vorausgezahlt \u2013 ein Konstrukt, das nach Ansicht des Gerichts <strong>weder markt\u00fcblich noch sachlich begr\u00fcndet<\/strong> war.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Gestaltungstipps f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n\n\n\n<p>Damit Ihre Mandanten von der Steuererm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7 35a EStG profitieren k\u00f6nnen, sollten folgende Punkte beachtet werden:<\/p>\n\n\n\n<h4>\u2705 Nur unbare Zahlungen z\u00e4hlen<\/h4>\n\n\n\n<ul><li class=\"\">Die Zahlung muss per \u00dcberweisung, Lastschrift oder EC-Zahlung erfolgen.<\/li><li class=\"\">Barzahlungen sind nicht beg\u00fcnstigt \u2013 selbst wenn sie sp\u00e4ter unbar \u201enachgeholt\u201c werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h4>\u2705 Zahlung auf das richtige Konto<\/h4>\n\n\n\n<ul><li class=\"\">Beg\u00fcnstigt sind Zahlungen <strong>auf das Konto des Handwerksunternehmens<\/strong>.<\/li><li class=\"\">Zahlungen an <strong>Factoring- oder Inkassounternehmen<\/strong> sind ebenfalls zul\u00e4ssig.<\/li><li class=\"\">Nicht zul\u00e4ssig: Zahlungen an Privatkonten, Gesellschafterverrechnungskonten oder per Aufrechnung.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h4>\u2705 Rechnung erforderlich<\/h4>\n\n\n\n<ul><li class=\"\">Die Rechnung muss <strong>alle wesentlichen Inhalte<\/strong> enthalten: Aussteller, Empf\u00e4nger, Leistungszeitraum, Art der Leistung, Entgelt.<\/li><li class=\"\">Auch elektronische Rechnungen oder Rechnungen \u00fcber Portale (z.\u202fB. IKEA-Servicedienstleister) werden anerkannt \u2013 wenn diese im Namen des Leistungserbringers erstellt wurden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Besonderheit: Vorauszahlungen bei \u00a7 35a EStG vs. \u00a7 35c EStG<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Wichtig<\/strong>: Anders als bei energetischen Ma\u00dfnahmen nach \u00a7 35c EStG, bei denen Anzahlungen und Teilzahlungen <em>nicht<\/em> beg\u00fcnstigt sind, <strong>k\u00f6nnen bei \u00a7 35a EStG Teilzahlungen bereits im Jahr der Zahlung ber\u00fccksichtigt werden<\/strong> \u2013 <em>sofern alle Voraussetzungen erf\u00fcllt sind<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Was tun, wenn der H\u00f6chstbetrag bereits ausgesch\u00f6pft ist?<\/h3>\n\n\n\n<p>Der maximale Steuerbonus f\u00fcr Handwerkerleistungen liegt bei <strong>1.200\u202fEuro pro Jahr<\/strong>, also bei <strong>20\u202f% von maximal 6.000\u202fEuro Lohnkosten<\/strong>. Wird dieser Rahmen bereits im laufenden Jahr ausgesch\u00f6pft, kann ein Zahlungsaufschub mit dem Handwerksbetrieb sinnvoll sein. So l\u00e4sst sich ein Teil der beg\u00fcnstigten Arbeitskosten ins Folgejahr verschieben \u2013 und erneut steuerlich geltend machen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Fazit: Steuerersparnis durch kluge Gestaltung \u2013 nicht durch Eigeninitiative<\/h3>\n\n\n\n<p>Das FG D\u00fcsseldorf hat klargestellt: <strong>Steuererm\u00e4\u00dfigung nur bei sachlich begr\u00fcndeter, markt\u00fcblicher Anzahlung auf Anforderung des Handwerkers<\/strong>. Wer eigenm\u00e4chtig zahlt, geht leer aus. F\u00fcr Mandanten hei\u00dft das: Zahlung, Rechnung und Zeitpunkt m\u00fcssen abgestimmt sein. F\u00fcr Berater gilt: vorausschauend planen, steuerliche H\u00f6chstbetr\u00e4ge beachten \u2013 und Handwerker sensibilisieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben Fragen zur Steuererm\u00e4\u00dfigung bei Handwerkerleistungen?<\/strong><br \/>Wir beraten Sie gerne \u2013 sprechen Sie uns an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Handwerkerleistungen in Auftrag gibt, hofft oft auf eine Steuererm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7 35a EStG. Doch was gilt, wenn die Zahlung im alten Jahr erfolgt, die Leistung aber erst im neuen Jahr erbracht wird? Das Finanzgericht (FG) D\u00fcsseldorf hat sich in einem aktuellen Urteil klar positioniert \u2013 mit wichtigen Auswirkungen f\u00fcr Steuerpflichtige und deren Berater. 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