{"id":77346,"date":"2025-05-23T12:00:36","date_gmt":"2025-05-23T10:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77346"},"modified":"2025-05-23T12:00:36","modified_gmt":"2025-05-23T10:00:36","slug":"bfh-keine-feststellungsklage-ohne-behoerdliche-pruefung-zum-fremdpersonalverbot-in-der-fleischwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-keine-feststellungsklage-ohne-behoerdliche-pruefung-zum-fremdpersonalverbot-in-der-fleischwirtschaft\/","title":{"rendered":"<strong>BFH: Keine Feststellungsklage ohne beh\u00f6rdliche Pr\u00fcfung zum Fremdpersonalverbot in der Fleischwirtschaft<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wurstproduzentin scheitert vor Gericht \u2013 BFH verlangt konkreten beh\u00f6rdlichen Anlass<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Fremdpersonalverbot in der Fleischwirtschaft<\/strong> sorgt seit seiner Einf\u00fchrung im Jahr 2021 f\u00fcr Unsicherheit \u2013 insbesondere bei Zulieferern, Verarbeitern und Branchenrandbereichen. Nun hat der <strong>Bundesfinanzhof (BFH)<\/strong> entschieden: Wer kl\u00e4ren lassen m\u00f6chte, ob das Verbot auf den eigenen Betrieb anwendbar ist, kann dies <strong>nicht vorsorglich durch eine Feststellungsklage tun<\/strong>, solange keine beh\u00f6rdliche Ma\u00dfnahme angek\u00fcndigt oder eingeleitet wurde.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Worum geht es beim Fremdpersonalverbot (\u00a7 6a GSA Fleisch)?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Seit dem 01.04.2021 gilt f\u00fcr Betriebe der Fleischwirtschaft: <strong>In zentralen Bereichen \u2013 wie der Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung \u2013 d\u00fcrfen nur noch eigene Arbeitnehmer besch\u00e4ftigt werden.<\/strong> Der Einsatz von Fremdpersonal, etwa \u00fcber Subunternehmer oder Solo-Selbstst\u00e4ndige, ist untersagt (\u00a7\u202f6a Abs.\u202f2 GSA Fleisch).<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Verst\u00f6\u00dfen drohen Bu\u00dfgelder nach \u00a7\u202f7 GSA Fleisch \u2013 das Gesetz hat daher erhebliche praktische und rechtliche Relevanz.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Der Fall: Wurstproduzentin wollte Klarheit \u2013 doch der BFH sagt Nein<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4gerin, ein Unternehmen aus der Wurstwarenproduktion, wollte vom Finanzgericht feststellen lassen, dass ihre T\u00e4tigkeiten nicht dem Bereich der Fleischverarbeitung im Sinne des Gesetzes zuzuordnen seien \u2013 und sie daher <strong>nicht dem Fremdpersonalverbot<\/strong> unterliege.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem: Das zust\u00e4ndige Hauptzollamt hatte <strong>keine Pr\u00fcfung eingeleitet<\/strong>, keine Kontrolle angek\u00fcndigt und keinen Verwaltungsakt erlassen. Die Kl\u00e4gerin wollte <strong>vorsorglich Rechtssicherheit schaffen<\/strong>, bevor sie m\u00f6glicherweise mit Bu\u00dfgeldern oder Auflagen konfrontiert w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>BFH: Kein feststellungsf\u00e4higes Rechtsverh\u00e4ltnis \u2013 kein berechtigtes Interesse<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH (Urteil vom 14.01.2025 \u2013 VII R 3\/23) wies die Klage als <strong>unzul\u00e4ssig<\/strong> ab. Begr\u00fcndung:<\/p>\n\n\n\n<ul><li class=\"\">Es bestand <strong>kein konkretes Rechtsverh\u00e4ltnis<\/strong> zur Beh\u00f6rde.<\/li><li class=\"\">Es fehlte das <strong>berechtigte Interesse an sofortiger Feststellung<\/strong>, da die Kl\u00e4gerin nicht Ziel einer Pr\u00fcfung oder eines Verfahrens war.<\/li><li class=\"\">Die Kl\u00e4gerin sei <strong>nur potenzielle Normadressatin<\/strong> einer allgemeinen Regelung.<\/li><li class=\"\">Eine blo\u00dfe rechtliche Unsicherheit oder das Wunschziel einer \u201evorsorglichen Entwarnung\u201c reicht nicht aus.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Selbst die sogenannte <strong>\u201eDamokles-Rechtsprechung\u201c<\/strong>, nach der eine Kl\u00e4rung nicht erst unter dem Druck eines Bu\u00dfgeldverfahrens verlangt werden kann, greife hier nicht: Es sei <strong>nicht erkennbar gewesen<\/strong>, dass gegen die Kl\u00e4gerin ein Verfahren bevorstand oder \u00fcberhaupt ein Regelversto\u00df vorlag.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Was bedeutet das f\u00fcr betroffene Unternehmen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul><li class=\"\"><strong>Eine gerichtliche Feststellung, ob der eigene Betrieb unter das Fremdpersonalverbot f\u00e4llt, ist nur m\u00f6glich, wenn die Beh\u00f6rde t\u00e4tig geworden ist<\/strong> \u2013 etwa durch Pr\u00fcfung, Auflagen oder ein Ermittlungsverfahren.<\/li><li class=\"\">Wer <strong>rechtssicher arbeiten will<\/strong>, sollte interne Prozesse und Vertr\u00e4ge fr\u00fchzeitig pr\u00fcfen lassen \u2013 <strong>aber nicht auf eine Feststellungsklage hoffen<\/strong>, solange keine konkrete Ma\u00dfnahme vorliegt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>\u2705 Fazit: Vorsorgliche Feststellungsklagen sind unzul\u00e4ssig \u2013 Beratung bleibt entscheidend<\/h3>\n\n\n\n<p>Das BFH-Urteil schafft Klarheit: <strong>Reine Unsicherheit reicht nicht aus<\/strong>, um ein Gericht zur verbindlichen Auslegung von Normen anzurufen. Unternehmen in der Fleischwirtschaft \u2013 insbesondere mit Misch- oder Randt\u00e4tigkeiten \u2013 sollten daher auf eine <strong>fr\u00fchzeitige rechtliche und steuerliche Begleitung<\/strong> setzen, bevor Risiken entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie sind in der Lebensmittelverarbeitung t\u00e4tig und unsicher, ob das Fremdpersonalverbot f\u00fcr Sie gilt?<\/strong><br \/>Wir pr\u00fcfen Ihre individuelle Situation \u2013 bevor es zur Pr\u00fcfung oder Sanktion kommt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof \u2013 Pressemitteilung Nr. 32\/25 vom 22.05.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wurstproduzentin scheitert vor Gericht \u2013 BFH verlangt konkreten beh\u00f6rdlichen Anlass Das Fremdpersonalverbot in der Fleischwirtschaft sorgt seit seiner Einf\u00fchrung im Jahr 2021 f\u00fcr Unsicherheit \u2013 insbesondere bei Zulieferern, Verarbeitern und Branchenrandbereichen. 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