{"id":77504,"date":"2025-06-05T12:11:56","date_gmt":"2025-06-05T10:11:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77504"},"modified":"2025-06-05T12:11:56","modified_gmt":"2025-06-05T10:11:56","slug":"bfh-umsatzsteuer-in-der-systemgastronomie-der-burger-im-spar-menue-darf-nicht-teurer-sein-als-einzeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-umsatzsteuer-in-der-systemgastronomie-der-burger-im-spar-menue-darf-nicht-teurer-sein-als-einzeln\/","title":{"rendered":"<strong>BFH: Umsatzsteuer in der Systemgastronomie \u2013 Der Burger im Spar-Men\u00fc darf nicht teurer sein als einzeln<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Mit Urteil vom 22.01.2025 (Az. XI R 19\/23) hat der Bundesfinanzhof (BFH) wichtige Klarstellungen zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Spar-Men\u00fcs in der Systemgastronomie getroffen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der einheitliche Gesamtpreis eines Men\u00fcs sachgerecht auf die einzelnen Men\u00fcbestandteile aufzuteilen ist.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Der Fall: Systemgastronomie mit Spar-Men\u00fcs<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Zwei GmbHs, die als Franchisenehmer Schnellrestaurants betrieben, verkauften sog. Spar-Men\u00fcs bestehend aus Getr\u00e4nk, Burger und Pommes Frites zu einem Pauschalpreis \u2013 ausschlie\u00dflich zum Verzehr au\u00dfer Haus. Steuerlich bedeutet das:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Speisen (Burger, Pommes)<\/strong> unterliegen dem <strong>erm\u00e4\u00dfigten Steuersatz von 7\u202f%<\/strong>,<\/li><li><strong>Getr\u00e4nke<\/strong> hingegen dem <strong>Regelsteuersatz von 19\u202f%<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zur Aufteilung des Gesamtpreises wendeten die Unternehmen die sogenannte <strong>\u201eFood-and-Paper\u201c-Methode<\/strong> an. Diese basiert auf dem <strong>Wareneinsatz<\/strong> der Men\u00fcbestandteile. Ziel: eine m\u00f6glichst niedrige Gesamtsteuerlast, da Speisen in der Regel einen h\u00f6heren Wareneinsatz (und damit Anteil) als Getr\u00e4nke aufweisen.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Die Auffassung der Finanzverwaltung und der Gerichte<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt hielt diese Methode f\u00fcr unzul\u00e4ssig und forderte eine Aufteilung nach den <strong>Einzelverkaufspreisen<\/strong> der Produkte. Das Finanzgericht gab zun\u00e4chst den Franchisenehmern Recht und sah auch die \u201eFood-and-Paper\u201c-Methode als zul\u00e4ssig an \u2013 solange sie zu sachgerechten Ergebnissen f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der BFH hingegen stellte nun klar:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Eine Aufteilungsmethode ist <strong>nicht sachgerecht<\/strong>, wenn sie dazu f\u00fchrt, dass ein Burger <strong>im Men\u00fc teurer erscheint als einzeln gekauft<\/strong>.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der zentrale Gedanke: <strong>Ein rabattiertes Men\u00fc darf in keinem Fall rechnerisch teurere Einzelpreise enthalten als der separate Verkauf derselben Produkte.<\/strong> Ein solches Ergebnis widerspricht nach Ansicht des BFH der wirtschaftlichen Realit\u00e4t \u2013 und ist daher steuerlich nicht haltbar.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Konsequenz: Einzelverkaufspreise als Ma\u00dfstab<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Zwar betonte der BFH, dass Unternehmer nicht zwingend die einfachste Methode anwenden m\u00fcssen. Eine alternative Methode sei zul\u00e4ssig \u2013 <strong>aber nur, wenn sie mindestens ebenso sachgerecht<\/strong> ist wie die Aufteilung nach Einzelverkaufspreisen. Dies war hier nicht der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in einem parallelen Verfahren (Urteil vom 22.01.2025 \u2013 XI R 22\/22) entschied der BFH \u00e4hnlich: Eine vergleichbare Aufteilungsmethode wurde ebenfalls verworfen.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Praxistipp f\u00fcr Gastronomen und Steuerberater<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul><li><strong>Pr\u00fcfen Sie bestehende Aufteilungsmethoden bei Kombi-Angeboten!<\/strong><\/li><li><strong>Vermeiden Sie rechnerische Widerspr\u00fcche zu den Einzelverkaufspreisen.<\/strong><\/li><li>Eine saubere Dokumentation der Preisbildung und der verwendeten Aufteilungsmethoden ist entscheidend bei Betriebspr\u00fcfungen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>\ud83d\udca1 <strong>Fazit<\/strong>: Wer Rabatt gew\u00e4hrt, darf im Men\u00fc keine h\u00f6heren Einzelpreise \u201everstecken\u201c. Die Aufteilung des Gesamtpreises muss wirtschaftlich nachvollziehbar und steuerlich sauber sein.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udcda <strong>Quelle:<\/strong><br \/>Pressemitteilung Nr. 38\/25 des BFH vom 05.06.2025 zum Urteil XI R 19\/23 vom 22.01.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Urteil vom 22.01.2025 (Az. XI R 19\/23) hat der Bundesfinanzhof (BFH) wichtige Klarstellungen zur umsatzsteuerlichen Behandlung von Spar-Men\u00fcs in der Systemgastronomie getroffen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie der einheitliche Gesamtpreis eines Men\u00fcs sachgerecht auf die einzelnen Men\u00fcbestandteile aufzuteilen ist. 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