{"id":77536,"date":"2025-06-06T11:54:49","date_gmt":"2025-06-06T09:54:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77536"},"modified":"2025-06-06T11:54:49","modified_gmt":"2025-06-06T09:54:49","slug":"nahrungsergaenzungsmittel-bei-krebserkrankung-steuerlich-nicht-absetzbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/nahrungsergaenzungsmittel-bei-krebserkrankung-steuerlich-nicht-absetzbar\/","title":{"rendered":"Nahrungserg\u00e4nzungsmittel bei Krebserkrankung \u2013 steuerlich nicht absetzbar?"},"content":{"rendered":"\n<p>Die steuerliche Anerkennung von <strong>Krankheitskosten als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung<\/strong> ist h\u00e4ufig Gegenstand von Streitigkeiten zwischen Steuerpflichtigen und Finanzbeh\u00f6rden. Besonders heikel ist die Frage, ob <strong>\u00e4rztlich verordnete Nahrungserg\u00e4nzungsmittel<\/strong>, etwa zur Unterst\u00fctzung bei schweren Krankheiten wie Krebs, <strong>steuerlich abzugsf\u00e4hig<\/strong> sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Finanzgericht M\u00fcnchen<\/strong> hat sich dieser Thematik nun angenommen \u2013 mit einer aus Sicht vieler Betroffener entt\u00e4uschenden Entscheidung: <strong>Kein steuerlicher Abzug<\/strong>, auch bei \u00e4rztlicher Verordnung und medizinischer Indikation.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Der Streitfall: Krebsdiagnose, hohe Kosten \u2013 keine steuerliche Entlastung?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Ehepaar machte in den Jahren 2019 und 2020 <strong>\u00fcber 20.000 Euro<\/strong> f\u00fcr <strong>\u00e4rztlich verordnete Nahrungserg\u00e4nzungsmittel<\/strong> im Rahmen einer Krebstherapie als <strong>au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen<\/strong> geltend. Der Ehemann leidet an einem metastasierenden Prostatakarzinom \u2013 unheilbar, mit schweren Nebenwirkungen durch Chemo- und Hormontherapie. Die Pr\u00e4parate dienten laut \u00e4rztlicher Empfehlung der <strong>Linderung therapiebedingter Beschwerden<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt lehnte den Abzug ab \u2013 mit Verweis auf \u00a7\u202f12 Nr.\u202f1 EStG (Kosten der privaten Lebensf\u00fchrung) und \u00a7\u202f33 Abs.\u202f2 Satz\u202f3 EStG (Abzugsverbot f\u00fcr Di\u00e4tverpflegung).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Das Urteil: Lebensmittel bleiben Lebensmittel \u2013 auch bei Krebs<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Finanzgericht <strong>wies die Klage ab<\/strong>. Die entscheidenden Argumente:<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83d\udd0d <strong>Nahrungserg\u00e4nzungsmittel gelten steuerlich als Lebensmittel<\/strong>, nicht als Arzneimittel \u2013 auch dann, wenn sie \u00e4rztlich verordnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2696\ufe0f Eine steuerliche Ber\u00fccksichtigung als <strong>Krankheitskosten nach \u00a7\u202f33 EStG<\/strong> scheidet damit aus, weil der Gesetzgeber <strong>Di\u00e4tverpflegung und vergleichbare Produkte explizit vom Abzug ausgeschlossen hat<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83d\udcac Selbst bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs sei es <strong>steuerlich unerheblich<\/strong>, ob die Einnahme medizinisch notwendig sei \u2013 solange kein Arzneimittelstatus vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gericht verwies zudem auf ein <strong>BFH-Urteil von 2007 (Az. III R 48\/04)<\/strong>, wonach auch medizinisch indizierte Sonderdi\u00e4ten steuerlich nicht abziehbar sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Revision zugelassen \u2013 BFH muss entscheiden<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Finanzgericht hat wegen der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung die <strong>Revision zum Bundesfinanzhof (VI R 23\/24)<\/strong> zugelassen. Es ist das erste Mal, dass der BFH sich mit der Frage befasst, <strong>ob bei schwerer Krankheit wie Krebs Nahrungserg\u00e4nzungsmittel ausnahmsweise als zwangsl\u00e4ufige Aufwendungen anerkannt werden k\u00f6nnen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Chancen auf einen Kurswechsel aus Sicht vieler Steuerexpert:innen eher gering erscheinen, bleibt das Verfahren <strong>f\u00fcr Betroffene von hoher Bedeutung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udca1 Praxistipp: Einspruch einlegen \u2013 mit Hinweis auf das Musterverfahren<\/h2>\n\n\n\n<p>\ud83d\udcac <strong>Betroffene Steuerpflichtige sollten aktuell gegen ablehnende Einkommensteuerbescheide Einspruch einlegen<\/strong> \u2013 mit Verweis auf das beim BFH anh\u00e4ngige Verfahren <strong>VI R 23\/24<\/strong>. So sichern Sie sich Ihre Rechte, falls es doch zu einer positiven Entscheidung kommen sollte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udcac Fazit: Strenge Linie bei Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln bleibt bestehen \u2013 vorerst<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung zeigt erneut die <strong>strikte Trennung zwischen medizinisch notwendigen Arzneien und allgemein zug\u00e4nglichen Produkten des Lebensmitteleinzelhandels<\/strong>. \u00c4rztliche Empfehlung allein reicht f\u00fcr den steuerlichen Abzug nicht aus. Entscheidend ist der <strong>Arzneimittelstatus<\/strong> \u2013 und dieser fehlt bei Nahrungserg\u00e4nzungsmitteln regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udc65 <em>Sie sind betroffen oder unsicher, ob Ihre Krankheitskosten steuerlich abziehbar sind?<\/em><br \/>Wir pr\u00fcfen Ihre Unterlagen und vertreten Sie kompetent gegen\u00fcber dem Finanzamt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die steuerliche Anerkennung von Krankheitskosten als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung ist h\u00e4ufig Gegenstand von Streitigkeiten zwischen Steuerpflichtigen und Finanzbeh\u00f6rden. Besonders heikel ist die Frage, ob \u00e4rztlich verordnete Nahrungserg\u00e4nzungsmittel, etwa zur Unterst\u00fctzung bei schweren Krankheiten wie Krebs, steuerlich abzugsf\u00e4hig sind. 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