{"id":77543,"date":"2025-06-10T16:31:33","date_gmt":"2025-06-10T14:31:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77543"},"modified":"2025-06-10T16:31:33","modified_gmt":"2025-06-10T14:31:33","slug":"zusammenfassung-von-bga-bmf-widerspricht-bfh-verwaltungsauffassung-bleibt-bestehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/zusammenfassung-von-bga-bmf-widerspricht-bfh-verwaltungsauffassung-bleibt-bestehen\/","title":{"rendered":"Zusammenfassung von BgA: BMF widerspricht BFH \u2013 Verwaltungsauffassung bleibt bestehen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>BMF-Schreiben vom 06.06.2025 | BFH-Urteil vom 29.08.2024 \u2013 V R 43\/21<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Betriebe gewerblicher Art (BgA)<\/strong> stellen bei juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts (jP\u00f6R) ein steuerlich sensibles Thema dar \u2013 insbesondere dann, wenn mehrere BgA miteinander zusammengefasst werden sollen. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat hierzu mit Urteil vom 29. August 2024 neue Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt, denen die Finanzverwaltung nun ausdr\u00fccklich widerspricht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Was war passiert?<\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH entschied im Verfahren <strong>V R 43\/21<\/strong>, dass bei der <strong>Zusammenfassung mehrerer BgA gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Abs. 6 Satz 1 Nr. 1 bis 3 KStG<\/strong> die gesetzlichen Voraussetzungen <strong>jeweils zwischen allen zu verkn\u00fcpfenden BgA individuell vorliegen m\u00fcssen<\/strong>. Das bedeutet: Eine gestufte Zusammenfassung \u2013 also die Bildung eines neuen BgA aus zwei bestehenden und dessen weitere Zusammenfassung mit einem dritten BgA \u2013 sei nicht m\u00f6glich, sofern nicht zwischen allen Beteiligten eine enge technisch-wirtschaftliche Verflechtung besteht.<\/p>\n\n\n\n<h3>Begr\u00fcndung des BFH:<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH verweist auf die Systematik des Gesetzes. \u00a7 4 Abs. 6 Satz 1 KStG nehme nur Bezug auf die urspr\u00fcnglichen BgA i. S.\u202fv. \u00a7 4 Abs. 1 KStG \u2013 nicht jedoch auf bereits zuvor durch Zusammenfassung entstandene BgA.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Die Reaktion des BMF: Kein Systemwechsel<\/h2>\n\n\n\n<p>In seinem <strong>koordinierenden L\u00e4ndererlass vom 06. Juni 2025<\/strong> stellt das Bundesministerium der Finanzen (BMF) klar:<br \/><strong>Die Finanzverwaltung folgt der BFH-Auslegung nicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3>Kernaussagen des BMF:<\/h3>\n\n\n\n<ul><li>\u00a7 4 Abs. 6 Satz 1 KStG erm\u00f6glicht die Zusammenfassung sowohl von urspr\u00fcnglichen als auch bereits zusammengefassten BgA.<\/li><li>Die Voraussetzungen f\u00fcr die Verflechtung nach Nr. 2 sind <strong>nur zwischen jeweils zwei BgA zu pr\u00fcfen<\/strong> \u2013 nicht pauschal zwischen allen Beteiligten.<\/li><li>Diese Sichtweise sei <strong>seit dem BMF-Schreiben vom 12.11.2009<\/strong> (BStBl I 2009 S. 1303) g\u00e4ngige Verwaltungspraxis \u2013 und habe sich bew\u00e4hrt.<\/li><li>Es bestehe kein sachlicher Grund, bei der Zusammenfassung striktere Anforderungen an bereits zusammengefasste BgA zu stellen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Kommunen, Hochschulen und andere K\u00f6rperschaften \u00f6ffentlichen Rechts bedeutet das:<br \/><strong>Die M\u00f6glichkeit zur mehrstufigen BgA-Zusammenfassung bleibt weiterhin erhalten.<\/strong><br \/>Das erleichtert die steuerliche Behandlung gr\u00f6\u00dferer organisatorischer Einheiten \u2013 etwa bei der Zusammenf\u00fchrung von Versorgungs-, Freizeit- oder Wirtschaftsbetrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings gilt:<br \/><strong>Der BFH hat seine gegenteilige Rechtsauffassung ver\u00f6ffentlicht.<\/strong> Sollte das Finanzamt im Einzelfall dieser Linie folgen, kann es zu Streitigkeiten kommen \u2013 hier ist dann Einspruch und ggf. Klage angezeigt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Praxistipp f\u00fcr Mandanten<\/h2>\n\n\n\n<ul><li>Pr\u00fcfen Sie bestehende BgA-Strukturen auf die <strong>formellen Voraussetzungen einer Zusammenfassung<\/strong>.<\/li><li>Dokumentieren Sie die <strong>technisch-wirtschaftliche Verflechtung<\/strong> klar nachvollziehbar.<\/li><li>Ber\u00fccksichtigen Sie bei neuen Strukturen, dass ein Konflikt zwischen Verwaltungsauffassung und Rechtsprechung besteht.<\/li><li>Holen Sie bei gr\u00f6\u00dferen Gestaltungen steuerlichen Rat ein, um Risiken zu vermeiden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>BMF, Schreiben vom 06.06.2025, IV C 2 &#8211; S 2706\/00061\/002\/081<\/li><li>BFH, Urteil vom 29.08.2024 \u2013 V R 43\/21, BStBl II 2025 S. \u2026<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>M\u00f6chten Sie zu diesem Thema individuell beraten werden?<br \/><strong>Kontaktieren Sie uns \u2013 wir unterst\u00fctzen Sie gern bei der steuerlichen Optimierung Ihrer BgA-Struktur.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BMF-Schreiben vom 06.06.2025 | BFH-Urteil vom 29.08.2024 \u2013 V R 43\/21 Betriebe gewerblicher Art (BgA) stellen bei juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts (jP\u00f6R) ein steuerlich sensibles Thema dar \u2013 insbesondere dann, wenn mehrere BgA miteinander zusammengefasst werden sollen. 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