{"id":77638,"date":"2025-06-24T15:52:31","date_gmt":"2025-06-24T13:52:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77638"},"modified":"2025-06-24T15:52:31","modified_gmt":"2025-06-24T13:52:31","slug":"verlustabzugsverbot-bei-unterjaehrigem-gesellschafterwechsel-fg-duesseldorf-konkretisiert-anwendung-von-%c2%a7-8c-und-%c2%a7-8d-kstg-in-mehrstufigen-organschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/verlustabzugsverbot-bei-unterjaehrigem-gesellschafterwechsel-fg-duesseldorf-konkretisiert-anwendung-von-%c2%a7-8c-und-%c2%a7-8d-kstg-in-mehrstufigen-organschaften\/","title":{"rendered":"<strong>Verlustabzugsverbot bei unterj\u00e4hrigem Gesellschafterwechsel: FG D\u00fcsseldorf konkretisiert Anwendung von \u00a7 8c und \u00a7 8d KStG in mehrstufigen Organschaften<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Mit Urteil vom 9. Dezember 2024 (Az. 6 K 1772\/20 K,G,F), ver\u00f6ffentlicht am 24. Juni 2025, hat der 6. Senat des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf zur Anwendung der Verlustabzugsbeschr\u00e4nkung nach \u00a7 8c KStG sowie zur Nichtanwendbarkeit des \u00a7 8d KStG in komplexen Organschaftsstrukturen Stellung genommen. Die Entscheidung betrifft Konzerne mit mehrstufiger k\u00f6rperschaftsteuerlicher und gewerbesteuerlicher Organschaft und kl\u00e4rt die Rechtsfolgen eines <strong>unterj\u00e4hrigen sch\u00e4dlichen Beteiligungserwerbs<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Sachverhalt: Beteiligungswechsel auf oberster Konzernebene<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4gerin war Rechtsnachfolgerin mehrerer Kapitalgesellschaften, die in einem mehrstufigen Organkreis sowohl als <strong>Organtr\u00e4ger<\/strong> als auch als <strong>Organgesellschaft<\/strong> fungierten. Im Streitjahr 2017 ver\u00e4u\u00dferte die ausl\u00e4ndische Muttergesellschaft der obersten deutschen Organtr\u00e4gerin s\u00e4mtliche Anteile an einen konzernfremden Erwerber \u2013 unstrittig ein <strong>sch\u00e4dlicher Beteiligungserwerb<\/strong> i. S. d. \u00a7 8c Abs. 1 KStG.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt wandte die Verlustabzugsbeschr\u00e4nkung so an, dass es die bis zum Beteiligungserwerb entstandenen Verluste der Organgesellschaften <strong>zeitanteilig k\u00fcrzte<\/strong>, bevor diese dem Organtr\u00e4ger zugerechnet wurden. Zudem lehnte es die Anwendung des \u00a7 8d KStG mit Verweis auf das <strong>BMF-Schreiben vom 28.11.2017 (Rz. 37)<\/strong> ab.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Entscheidung des FG D\u00fcsseldorf: Teilweiser Erfolg f\u00fcr die Kl\u00e4gerin<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Finanzgericht stellte klar:<\/p>\n\n\n\n<h4>\u2705 <strong>\u00a7 8c KStG \u2013 Keine zeitanteilige K\u00fcrzung von Verlusten im Organkreis<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die unter der alten Gesellschafterstruktur bis zum Beteiligungserwerb entstandenen Verluste seien <strong>nicht vom Verlustabzug ausgeschlossen<\/strong>, da sie wirtschaftlich noch der \u201ealten Identit\u00e4t\u201c der Gesellschaft zuzurechnen seien. Die <strong>zeitanteilige Aufteilung<\/strong> der Verluste und eine isolierte Anwendung des \u00a7 8c KStG auf die Ebene der Organgesellschaft sei <strong>systemwidrig<\/strong>, so der Senat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Praxistipp:<\/strong><br \/>Diese Entscheidung betont die Notwendigkeit einer <strong>einheitlichen Verlustbetrachtung innerhalb des Organkreises<\/strong>, auch bei unterj\u00e4hrigem Beteiligungserwerb. Steuerpflichtige sollten bei Konzernumstrukturierungen oder Anteilsverk\u00e4ufen genau pr\u00fcfen, ob Verluste anteilig gef\u00e4hrdet sind.<\/p>\n\n\n\n<h4>\u274c <strong>\u00a7 8d KStG \u2013 Keine Anwendung bei mehrstufiger Organschaft<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die Kl\u00e4gerin berief sich au\u00dferdem auf \u00a7 8d KStG (fortf\u00fchrungsgebundener Verlustvortrag). Das FG lehnte dies mit zwei Begr\u00fcndungen ab:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Die betroffenen Gesellschaften waren sowohl Organtr\u00e4ger als auch Organgesellschaft \u2013 damit greift das <strong>Anwendungshindernis des \u00a7 8d Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 KStG<\/strong>.<\/li><li>Aufgrund der <strong>Organtr\u00e4gereigenschaft<\/strong> wurde mehr als ein Gesch\u00e4ftsbetrieb gef\u00fchrt \u2013 die Voraussetzung des <strong>\u201eausschlie\u00dflich selben Gesch\u00e4ftsbetriebs\u201c<\/strong> (\u00a7 8d Abs. 1 Satz 1 KStG) war damit nicht erf\u00fcllt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Praxishinweis:<\/strong><br \/>\u00a7 8d KStG bleibt in Konzernstrukturen mit mehrstufiger Organschaft <strong>faktisch wirkungslos<\/strong>, sobald eine Gesellschaft mehr als einen Betrieb f\u00fchrt oder gleichzeitig Organtr\u00e4ger ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Ausblick: Verfahren vor dem BFH<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Revision wurde aufgrund der <strong>grunds\u00e4tzlichen Bedeutung<\/strong> zugelassen und ist unter dem Aktenzeichen <strong>I R 11\/25<\/strong> beim Bundesfinanzhof anh\u00e4ngig. Die Entscheidung des BFH wird mit Spannung erwartet \u2013 insbesondere zur <strong>Reichweite des Verlustschutzes bei Anteilsverk\u00e4ufen in Organschaften<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das FG D\u00fcsseldorf st\u00e4rkt mit seinem Urteil die steuerliche Position von Konzernen bei unterj\u00e4hrigen Gesellschafterwechseln. Verluste, die vor einem sch\u00e4dlichen Erwerb entstanden sind, d\u00fcrfen nicht pauschal dem Verlustabzug entzogen werden \u2013 jedenfalls nicht bei einheitlicher wirtschaftlicher Identit\u00e4t im Organkreis. Die restriktive Anwendung des \u00a7 8d KStG bleibt jedoch bestehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Sie haben Konzernstrukturen mit Verlustvortr\u00e4gen?<\/strong><br \/>Dieses Urteil bietet wichtige Anhaltspunkte zur steueroptimierten Gestaltung von Beteiligungstransaktionen im Organkreis. Kontaktieren Sie uns gern f\u00fcr eine individuelle Analyse Ihrer Verluststrukturen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong><br \/>Finanzgericht D\u00fcsseldorf, Urteil vom 09.12.2024 \u2013 6 K 1772\/20 K,G,F; Mitteilung vom 24.06.2025<br \/>(BFH-Az.: I R 11\/25 \u2013 Revision anh\u00e4ngig)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Urteil vom 9. Dezember 2024 (Az. 6 K 1772\/20 K,G,F), ver\u00f6ffentlicht am 24. Juni 2025, hat der 6. Senat des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf zur Anwendung der Verlustabzugsbeschr\u00e4nkung nach \u00a7 8c KStG sowie zur Nichtanwendbarkeit des \u00a7 8d KStG in komplexen Organschaftsstrukturen Stellung genommen. 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