{"id":77701,"date":"2025-06-27T15:22:40","date_gmt":"2025-06-27T13:22:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77701"},"modified":"2025-06-27T15:22:40","modified_gmt":"2025-06-27T13:22:40","slug":"berufsringer-ist-sozialversicherungspflichtig-keine-selbststaendigkeit-laut-sg-mainz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/berufsringer-ist-sozialversicherungspflichtig-keine-selbststaendigkeit-laut-sg-mainz\/","title":{"rendered":"<strong>Berufsringer ist sozialversicherungspflichtig: Keine Selbstst\u00e4ndigkeit laut SG Mainz<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit Urteil vom 26. Juni 2025 (Az. <strong>S 2 BA 24\/22<\/strong>) hat das <strong>Sozialgericht Mainz<\/strong> entschieden: Ein Berufsringer, der f\u00fcr einen Verein in der Ringer-Bundesliga antritt, ist <strong>nicht selbstst\u00e4ndig<\/strong>, sondern als <strong>abh\u00e4ngig besch\u00e4ftigt<\/strong> anzusehen. Damit unterliegt er der <strong>Sozialversicherungspflicht<\/strong>, insbesondere in der Renten- und Krankenversicherung. Das Urteil hat weitreichende Bedeutung \u2013 auch \u00fcber den Einzelfall hinaus.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\u2696\ufe0f Der Fall im \u00dcberblick<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Berufsringer hatte 2022 f\u00fcr einen Verein im Ligabetrieb der Ringer-Bundesliga gek\u00e4mpft und daf\u00fcr ein festes Honorar pro Kampf erhalten. Die <strong>Deutsche Rentenversicherung<\/strong> stellte fest, dass es sich um ein <strong>abh\u00e4ngiges Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis<\/strong> handelte \u2013 und nicht um eine selbstst\u00e4ndige T\u00e4tigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Verein klagte \u2013 erfolglos. Das Gericht best\u00e4tigte die Einsch\u00e4tzung der Rentenversicherung: <strong>Sozialversicherungspflicht liegt vor<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udccc Entscheidungsgr\u00fcnde des Gerichts<\/h2>\n\n\n\n<p>Das SG Mainz st\u00fctzt seine Entscheidung auf mehrere Argumente:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Vertragliche Bindung<\/strong> \u00fcber eine reine Vereinsmitgliedschaft hinaus<br \/>\u279c Der Sportler war zur Teilnahme an Wettk\u00e4mpfen verpflichtet<\/li><li><strong>Feste, erfolgsunabh\u00e4ngige Verg\u00fctung pro Kampf<\/strong><br \/>\u279c Kein unternehmerisches Risiko \u2192 Indiz gegen Selbstst\u00e4ndigkeit<\/li><li><strong>Eingliederung in die Vereinsorganisation<\/strong><br \/>\u279c Vorgaben zur Sportkleidung, Aufstellung durch den Trainer, Pflicht zur Teilnahme an Trainingseinheiten<\/li><li><strong>Keine eigene unternehmerische Gestaltungsm\u00f6glichkeit<\/strong><br \/>\u279c Der Ringer war funktional in den &#8222;sportlichen Gesch\u00e4ftsbetrieb&#8220; des Vereins eingegliedert<\/li><li><strong>Fachliche Weisungsgebundenheit<\/strong><br \/>\u279c Entscheidungen \u00fcber Eins\u00e4tze erfolgten durch Trainer und Vereinsf\u00fchrung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\u26a0\ufe0f Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Urteil betrifft <strong>nicht nur den Ringsport<\/strong> \u2013 sondern ist <strong>grunds\u00e4tzlich \u00fcbertragbar auf andere Berufssportarten<\/strong>, bei denen Einzelathleten in Vereinsstrukturen eingebunden sind. Auch in Fu\u00dfball, Handball oder Basketball k\u00f6nnen \u00e4hnliche Konstellationen auftreten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vereine und Verb\u00e4nde<\/strong> sollten ihre Vertr\u00e4ge mit Sportlern und deren tats\u00e4chliche Ausgestaltung <strong>sozialversicherungsrechtlich pr\u00fcfen lassen<\/strong> \u2013 insbesondere, wenn Honorare gezahlt und bestimmte Leistungspflichten vereinbart werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\u2753 FAQ zum Urteil und seinen Folgen<\/h2>\n\n\n\n<h3><strong>Ist ein Sportler automatisch selbstst\u00e4ndig, wenn er auf Honorarbasis t\u00e4tig ist?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Nein. Ma\u00dfgeblich ist <strong>nicht die Vertragsform<\/strong>, sondern die <strong>tats\u00e4chliche Ausgestaltung der T\u00e4tigkeit<\/strong>. Eine Honorarzahlung allein begr\u00fcndet keine Selbstst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Gilt das Urteil nur f\u00fcr Ringer?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Nein. Es kann auf <strong>alle Einzelsportler<\/strong> \u00fcbertragen werden, die <strong>regelm\u00e4\u00dfig im Auftrag eines Vereins<\/strong> t\u00e4tig sind und dabei in dessen Organisation eingebunden sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Welche Rolle spielt die Vereinsmitgliedschaft?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die <strong>Mitgliedschaft im Verein<\/strong> \u00e4ndert nichts an der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung, wenn <strong>vertragliche Pflichten \u00fcber das \u00fcbliche Ma\u00df hinausgehen<\/strong> (z.\u202fB. Teilnahmepflicht, Verg\u00fctung, Weisungsbindung).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Wie erkenne ich, ob ein Sportler sozialversicherungspflichtig ist?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Typische Merkmale einer <strong>abh\u00e4ngigen Besch\u00e4ftigung<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Feste Verg\u00fctung unabh\u00e4ngig vom Erfolg<\/li><li>Weisungsgebundenheit (z.\u202fB. Aufstellung, Trainingspflicht)<\/li><li>Keine unternehmerische T\u00e4tigkeit oder Au\u00dfenauftritt<\/li><li>Keine eigene Preisgestaltung, kein Werbeauftritt unter eigener Marke<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Was sollten Vereine jetzt tun?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul><li>Laufende <strong>Vertr\u00e4ge pr\u00fcfen lassen<\/strong> (auch r\u00fcckwirkend!)<\/li><li>Bei Unsicherheiten eine <strong>Statusfeststellung bei der DRV<\/strong> beantragen<\/li><li>Klare Abgrenzung bei selbstst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeiten sicherstellen (z.\u202fB. durch zus\u00e4tzliche unternehmerische Merkmale)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udcdd Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil des SG Mainz verdeutlicht: Auch im Sport gilt das allgemeine Sozialversicherungsrecht. <strong>Scheinselbstst\u00e4ndigkeit<\/strong> kann f\u00fcr Vereine teuer werden \u2013 etwa durch Nachzahlungen von Arbeitgeberbeitr\u00e4gen. Wer sicher gehen will, sollte die vertraglichen und tats\u00e4chlichen Rahmenbedingungen professionell pr\u00fcfen lassen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udc49 <strong>Sie m\u00f6chten pr\u00fcfen, ob Ihre Vereinssportler oder Honorarkr\u00e4fte sozialversicherungspflichtig sind?<\/strong><br \/>Wir unterst\u00fctzen Sie bei Statusfeststellungen, Vertragsgestaltung und der rechtssicheren Abgrenzung zwischen selbstst\u00e4ndiger und abh\u00e4ngiger Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Urteil vom 26. Juni 2025 (Az. S 2 BA 24\/22) hat das Sozialgericht Mainz entschieden: Ein Berufsringer, der f\u00fcr einen Verein in der Ringer-Bundesliga antritt, ist nicht selbstst\u00e4ndig, sondern als abh\u00e4ngig besch\u00e4ftigt anzusehen. Damit unterliegt er der Sozialversicherungspflicht, insbesondere in der Renten- und Krankenversicherung. 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