{"id":77735,"date":"2025-07-01T10:32:54","date_gmt":"2025-07-01T08:32:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77735"},"modified":"2025-07-01T10:32:54","modified_gmt":"2025-07-01T08:32:54","slug":"erlass-von-saeumniszuschlaegen-bei-zahlungsunfaehigkeit-nur-haelftiger-nachlass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/erlass-von-saeumniszuschlaegen-bei-zahlungsunfaehigkeit-nur-haelftiger-nachlass\/","title":{"rendered":"<strong>Erlass von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen bei Zahlungsunf\u00e4higkeit: Nur h\u00e4lftiger Nachlass?<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Das Finanzgericht Hamburg hat mit Urteil vom <strong>31. M\u00e4rz 2025 (Az. 3 K 161\/23)<\/strong> entschieden, dass bei <strong>Zahlungsunf\u00e4higkeit und \u00dcberschuldung<\/strong> eines Steuerpflichtigen <strong>regelm\u00e4\u00dfig nur ein h\u00e4lftiger Erlass von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen<\/strong> in Betracht kommt. Die Entscheidung folgt der <strong>st\u00e4ndigen Rechtsprechung<\/strong> des BFH und unterstreicht die <strong>typisierende Funktion der h\u00e4lftigen Erm\u00e4\u00dfigung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Hintergrund des Falls<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Insolvenzverwalter beantragte im Namen eines zahlungsunf\u00e4higen und \u00fcberschuldeten Schuldners den <strong>vollst\u00e4ndigen Erlass von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen<\/strong>. Die Finanzbeh\u00f6rde gew\u00e4hrte <strong>nur 50 % Erlass<\/strong>. Der hiergegen gerichtete Einspruch blieb erfolglos. Auch die Klage vor dem Finanzgericht Hamburg hatte keinen Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Kernaussagen des FG Hamburg<\/h3>\n\n\n\n<p>\ud83d\udd0d <strong>1. S\u00e4umniszuschl\u00e4ge haben drei Funktionen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Druckmittel<\/strong>, um rechtzeitige Steuerzahlung sicherzustellen<\/li><li><strong>Zinsersatz<\/strong> f\u00fcr versp\u00e4tete Zahlungen<\/li><li><strong>Ausgleich f\u00fcr Verwaltungsaufwand<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Verliert die <strong>Druckfunktion<\/strong> durch Zahlungsunf\u00e4higkeit ihren Sinn, bleiben die Funktionen <strong>Zinsersatz<\/strong> und <strong>Verwaltungsaufwand<\/strong> bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83d\udccc <strong>2. H\u00e4lftiger Erlass ist zul\u00e4ssige Typisierung:<\/strong><br \/>Die h\u00e4lftige Erm\u00e4\u00dfigung sei eine <strong>erprobte und zul\u00e4ssige Pauschalierung<\/strong>. Es komme <strong>nicht auf den konkreten Verwaltungsaufwand<\/strong> im Einzelfall an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2696\ufe0f <strong>3. Kein Anspruch auf vollst\u00e4ndigen Erlass:<\/strong><br \/>Ein vollst\u00e4ndiger Erlass ist <strong>nur ausnahmsweise<\/strong> m\u00f6glich \u2013 z.\u202fB. bei <strong>besonderen pers\u00f6nlichen oder sachlichen Billigkeitsgr\u00fcnden<\/strong>. Diese lagen im vorliegenden Fall nicht vor.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Rechtliche Einordnung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung best\u00e4tigt erneut: Die Frage des Erlasses von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen ist eine <strong>Ermessensentscheidung der Finanzverwaltung<\/strong> (\u00a7\u202f102 FGO). Die gerichtliche Kontrolle beschr\u00e4nkt sich auf offensichtliche Ermessensfehler.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein <strong>vollst\u00e4ndiger Erlass<\/strong> kann nur bei einer sogenannten <strong>Ermessensreduktion auf Null<\/strong> erfolgen \u2013 wenn also nur eine einzige Entscheidung rechtm\u00e4\u00dfig w\u00e4re. Dies war hier nicht der Fall.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Praxishinweis f\u00fcr Insolvenzverwalter und Steuerpflichtige<\/h3>\n\n\n\n<ul><li><strong>Ein h\u00e4lftiger Erlass<\/strong> bei Zahlungsunf\u00e4higkeit ist <strong>Regelfall<\/strong>, nicht Ausnahme.<\/li><li><strong>Ein vollst\u00e4ndiger Erlass<\/strong> erfordert eine ausf\u00fchrlich begr\u00fcndete Darlegung besonderer Umst\u00e4nde \u2013 etwa <strong>existenzbedrohende Folgen<\/strong>, <strong>besondere soziale H\u00e4rte<\/strong> oder <strong>Verfahrensm\u00e4ngel<\/strong>.<\/li><li><strong>Blo\u00dfe Zahlungsunf\u00e4higkeit reicht nicht<\/strong> f\u00fcr einen weitergehenden Erlass.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udcac <strong>Unser Tipp:<\/strong><br \/>Wer S\u00e4umniszuschl\u00e4ge in gr\u00f6\u00dferem Umfang erlassen bekommen m\u00f6chte, sollte die Argumentation auf <strong>besondere Billigkeitsgr\u00fcnde<\/strong> st\u00fctzen und <strong>detailliert begr\u00fcnden<\/strong>, warum im Einzelfall eine weitergehende Erm\u00e4\u00dfigung sachgerecht und gerechtfertigt ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udcde <strong>Ben\u00f6tigen Sie Unterst\u00fctzung beim Erlassverfahren oder in einem laufenden Insolvenzverfahren?<\/strong><br \/>Wir helfen Ihnen bei der rechtssicheren Antragstellung und vertreten Sie gegen\u00fcber der Finanzverwaltung und den Gerichten.<br \/>Siehe auch <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/erlass.html\">https:\/\/www.steuerschroeder.de\/erlass.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Quelle: Finanzgericht Hamburg, Mitteilung vom 30.06.2025 zum Urteil vom 31.03.2025 (Az. 3 K 161\/23, nicht rechtskr\u00e4ftig, BFH-Az.: XI B 30\/25)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Finanzgericht Hamburg hat mit Urteil vom 31. M\u00e4rz 2025 (Az. 3 K 161\/23) entschieden, dass bei Zahlungsunf\u00e4higkeit und \u00dcberschuldung eines Steuerpflichtigen regelm\u00e4\u00dfig nur ein h\u00e4lftiger Erlass von S\u00e4umniszuschl\u00e4gen in Betracht kommt. Die Entscheidung folgt der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des BFH und unterstreicht die typisierende Funktion der h\u00e4lftigen Erm\u00e4\u00dfigung. 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