{"id":77799,"date":"2025-07-10T11:08:11","date_gmt":"2025-07-10T09:08:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77799"},"modified":"2025-07-10T11:08:11","modified_gmt":"2025-07-10T09:08:11","slug":"bfh-urteil-zur-gewerbesteuer-bei-doppelstoeckigen-personengesellschaften-keine-aufteilung-des-veraeusserungsgewinns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-urteil-zur-gewerbesteuer-bei-doppelstoeckigen-personengesellschaften-keine-aufteilung-des-veraeusserungsgewinns\/","title":{"rendered":"<strong>BFH-Urteil zur Gewerbesteuer bei doppelst\u00f6ckigen Personengesellschaften: Keine Aufteilung des Ver\u00e4u\u00dferungsgewinns<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>BFH, Urteil vom 08.05.2025 \u2013 IV R 40\/22<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 8. Mai 2025 (Az. IV R 40\/22) eine wichtige Entscheidung zur <strong>gewerbesteuerrechtlichen Behandlung von Anteilsver\u00e4u\u00dferungen bei doppelst\u00f6ckigen Personengesellschaftsstrukturen<\/strong> getroffen. Im Fokus steht die Frage, wie ein Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn einer Oberpersonengesellschaft steuerlich zu behandeln ist, wenn deren Beteiligung an einer Unterpersonengesellschaft stille Reserven enth\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Kernaussagen des Urteils<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH stellt in seinem Urteil klar:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Der Gewinn aus der Ver\u00e4u\u00dferung eines Anteils an einer <strong>Oberpersonengesellschaft<\/strong> unterf\u00e4llt dem Tatbestand des \u00a7\u202f7 Satz\u202f2 Nr.\u202f2 GewStG.<\/li><li><strong>Eine Aufteilung des Ver\u00e4u\u00dferungsgewinns<\/strong> auf stille Reserven der Ober- und Unterpersonengesellschaft ist <strong>nicht vorzunehmen<\/strong>. Es handelt sich um einen <strong>einheitlichen Ver\u00e4u\u00dferungsvorgang<\/strong>, der ausschlie\u00dflich der Obergesellschaft zuzurechnen ist.<\/li><li>Auch soweit der Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn wirtschaftlich auf <strong>stille Reserven der Unterpersonengesellschaft<\/strong> entf\u00e4llt, ist <strong>keine K\u00fcrzung des Gewerbeertrags<\/strong> nach \u00a7\u202f9 Nr.\u202f2 GewStG m\u00f6glich.<\/li><li>Dar\u00fcber hinaus ist <strong>\u00a7\u202f3 Nr.\u202f20 Buchst.\u202fb GewStG<\/strong> nicht anwendbar, wenn eine Oberpersonengesellschaft ihre Beteiligung an einer Unterpersonengesellschaft ver\u00e4u\u00dfert, selbst wenn deren Ertr\u00e4ge teilweise von der Gewerbesteuer befreit w\u00e4ren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2><strong>Hintergrund: Doppelst\u00f6ckige Personengesellschaften im Gewerbesteuerrecht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Doppelst\u00f6ckige Personengesellschaften \u2013 also Beteiligungsverh\u00e4ltnisse, bei denen eine Personengesellschaft Anteile an einer weiteren Personengesellschaft h\u00e4lt \u2013 sind in der steuerlichen Praxis weit verbreitet. Insbesondere im Mittelstand und bei Familienunternehmen kommen solche Strukturen h\u00e4ufig vor. Die steuerliche Behandlung von Ver\u00e4u\u00dferungsgewinnen in diesen Konstellationen war bislang nicht eindeutig geregelt \u2013 insbesondere, wenn stille Reserven sowohl auf der Ebene der Ober- als auch der Untergesellschaft vorhanden waren.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Praxisfolgen der Entscheidung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil bringt wichtige Klarheit, aber auch neue Herausforderungen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne aus Anteilen an Obergesellschaften<\/strong> sind <strong>in voller H\u00f6he<\/strong> der Gewerbesteuer zu unterwerfen \u2013 auch wenn ein Teil der Wertsteigerung faktisch auf die Untergesellschaft zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/li><li>Die bisher vertretene Ansicht, dass anteilige K\u00fcrzungen oder Steuerbefreiungen m\u00f6glich seien (insbesondere bei befreiten T\u00e4tigkeiten der Untergesellschaft), ist mit dieser Entscheidung hinf\u00e4llig.<\/li><li>Gestaltungen, die auf eine steuerliche Entlastung \u00fcber \u00a7\u202f9 Nr.\u202f2 oder \u00a7\u202f3 Nr.\u202f20 GewStG zielten, m\u00fcssen kritisch hinterfragt und gegebenenfalls neu bewertet werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH stellt mit seiner Entscheidung ein weiteres Mal klar, dass die <strong>gewerbesteuerliche Behandlung von Ver\u00e4u\u00dferungsvorg\u00e4ngen streng formalistisch zu beurteilen ist<\/strong>. F\u00fcr steuerliche Berater und Unternehmensverantwortliche bedeutet dies: Sorgf\u00e4ltige Pr\u00fcfung bestehender Strukturen und eine vorausschauende Gestaltung sind unerl\u00e4sslich, um steuerliche Risiken bei Anteilsver\u00e4u\u00dferungen zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof, Urteil vom 08.05.2025 \u2013 IV R 40\/22<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Urteil vom 08.05.2025 \u2013 IV R 40\/22 Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 8. Mai 2025 (Az. IV R 40\/22) eine wichtige Entscheidung zur gewerbesteuerrechtlichen Behandlung von Anteilsver\u00e4u\u00dferungen bei doppelst\u00f6ckigen Personengesellschaftsstrukturen getroffen. 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