{"id":77855,"date":"2025-07-16T17:43:22","date_gmt":"2025-07-16T15:43:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77855"},"modified":"2025-07-16T17:43:22","modified_gmt":"2025-07-16T15:43:22","slug":"zinsen-an-vermoegensverwaltende-gmbh-co-kg-steuerlich-nicht-abzugsfaehig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/zinsen-an-vermoegensverwaltende-gmbh-co-kg-steuerlich-nicht-abzugsfaehig\/","title":{"rendered":"Zinsen an verm\u00f6gensverwaltende GmbH &amp; Co. KG steuerlich nicht abzugsf\u00e4hig"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Warum interne Darlehen bei verm\u00f6gensverwaltenden Personengesellschaften zum steuerlichen Bumerang werden k\u00f6nnen<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Immobilien in Gesellschaftsform: Flexibel, aber nicht ohne Risiko<\/h2>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfe Immobilienprojekte werden h\u00e4ufig nicht im Privatverm\u00f6gen gehalten, sondern \u00fcber speziell gegr\u00fcndete Gesellschaften \u2013 etwa GmbH &amp; Co. KGs \u2013 erworben und verwaltet. Das schafft Flexibilit\u00e4t beim Verkauf, sch\u00fctzt die Privatsph\u00e4re der Eigent\u00fcmer und kann haftungsrechtlich von Vorteil sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Vorsicht: Wird eine verm\u00f6gensverwaltende Personengesellschaft genutzt, lauert eine steuerliche Stolperfalle, wie der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil zeigt (BFH vom 27.11.2024, I R 19\/21). Im Fokus steht die steuerliche Behandlung von Zinszahlungen innerhalb der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Der Fall: Zinsen ohne Werbungskostenabzug<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Streitfall war die A-GmbH &amp; Co. KG Eigent\u00fcmerin eines inl\u00e4ndischen Mietobjekts. Alleinige Kommanditistin war eine in Russland lebende Gesellschafterin, die der Gesellschaft auch ein Darlehen zur Immobilienfinanzierung gew\u00e4hrte. Die erzielten Mieteinnahmen wurden dem deutschen Steuerrecht unterworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt verweigerte jedoch den Werbungskostenabzug f\u00fcr die gezahlten Darlehenszinsen. Der BFH best\u00e4tigte diese Entscheidung \u2013 mit weitreichenden Folgen f\u00fcr vergleichbare Gestaltungen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Hintergrund: Unterschied zwischen gewerblich und verm\u00f6gensverwaltend<\/h2>\n\n\n\n<p>Steuerlich wird bei Personengesellschaften klar zwischen <strong>gewerblichen Mitunternehmerschaften<\/strong> und <strong>verm\u00f6gensverwaltenden Gesellschaften<\/strong> unterschieden:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Bei gewerblichen Gesellschaften<\/strong> (z.\u202fB. durch gewerbliche Pr\u00e4gung \u00fcber eine Komplement\u00e4r-GmbH) sind Vertr\u00e4ge zwischen Gesellschaft und Gesellschafter steuerlich grunds\u00e4tzlich anerkennungsf\u00e4hig \u2013 etwa f\u00fcr Zinsen oder Mieten.<\/li><li><strong>Bei rein verm\u00f6gensverwaltenden Gesellschaften<\/strong> hingegen fehlt diese Anerkennung, wenn es an einer echten Trennung zwischen Gesellschaft und Gesellschafter fehlt. Die Gesellschaft wird steuerlich als <strong>Bruchteilsgemeinschaft<\/strong> behandelt (\u00a7 39 Abs. 2 Nr. 2 AO).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Im Ergebnis: Es fehlt die steuerlich erforderliche <em>Personenverschiedenheit<\/em> zwischen Gl\u00e4ubiger und Schuldner. Zinszahlungen an Gesellschafter sind dann <strong>steuerlich unbeachtlich<\/strong> \u2013 weder als Werbungskosten abziehbar noch als Kapitaleinnahmen zu versteuern.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Warum die Pr\u00e4gung nicht griff<\/h2>\n\n\n\n<p>Obwohl es sich um eine GmbH &amp; Co. KG handelte, war die Gesellschaft <strong>nicht gewerblich gepr\u00e4gt<\/strong>. Warum?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kommanditistin hatte sich ebenfalls zur Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung erm\u00e4chtigt. Damit lag keine ausschlie\u00dflich durch die GmbH gef\u00fchrte Komplement\u00e4rfunktion vor \u2013 ein zentrales Kriterium f\u00fcr die gewerbliche Pr\u00e4gung nach \u00a7 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG. Es blieb somit bei der verm\u00f6gensverwaltenden Einordnung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Steuerliche Konsequenz: Zinsen ins Leere gelaufen<\/h2>\n\n\n\n<p>Weil die Kommanditistin zugleich alleinige Darlehensgeberin war, bestand steuerlich keine Trennung zwischen Gl\u00e4ubigerin und Schuldnerin. Das Darlehensverh\u00e4ltnis \u201everschmilzt\u201c in der steuerlichen Betrachtung \u2013 Fachbegriff: <strong>Konfusion<\/strong>. Die Zinszahlungen waren daher <strong>weder als Werbungskosten abzugsf\u00e4hig<\/strong> noch als Einnahmen steuerpflichtig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Gestaltungstipp: GmbH statt verm\u00f6gensverwaltender KG<\/h2>\n\n\n\n<p>Im konkreten Fall h\u00e4tte sich das steuerliche Problem durch eine einfache Umstrukturierung vermeiden lassen:<br \/>W\u00e4re das Mietobjekt nicht von einer verm\u00f6gensverwaltenden KG, sondern <strong>direkt von einer GmbH<\/strong> erworben worden, h\u00e4tte die Gesellschafterin ihr Darlehen <strong>steuerlich wirksam<\/strong> einbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Voraussetzung: Das Darlehen h\u00e4tte zu fremd\u00fcblichen Konditionen (Zins, Besicherung, Laufzeit) erfolgen m\u00fcssen. Dann w\u00e4ren die Zinsen als Betriebsausgaben der GmbH abzugsf\u00e4hig gewesen \u2013 und gleichzeitig bei der Gesellschafterin als Kapitaleink\u00fcnfte zu versteuern.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>Fazit: Augen auf bei der Strukturwahl!<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr Investoren, Berater und Gestalter gilt:<\/strong> Die gew\u00e4hlte Rechtsform entscheidet ma\u00dfgeblich \u00fcber steuerliche Gestaltungsspielr\u00e4ume. Wer mit der verm\u00f6gensverwaltenden GmbH &amp; Co. KG arbeitet, muss sich bewusst sein, dass <strong>interne Vertr\u00e4ge mit Gesellschaftern steuerlich ins Leere laufen k\u00f6nnen<\/strong> \u2013 vor allem bei Darlehen oder Mietvertr\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine genaue Pr\u00fcfung der Gesellschaftsstruktur und eine saubere Trennung von Eigent\u00fcmer- und Gesellschaftsebene sind entscheidend, um steuerliche Nachteile zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udccc <strong>Tipp f\u00fcr die Praxis:<\/strong><br \/>Vor der Anschaffung vermieteter Immobilien \u00fcber eine Personen- oder Kapitalgesellschaft sollte stets gekl\u00e4rt werden, <strong>ob eine gewerbliche Pr\u00e4gung vorliegt<\/strong> \u2013 oder ob aus steuerlicher Sicht eine GmbH die bessere Wahl ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Haben Sie Fragen zu Ihrer optimalen Immobilienstruktur?<\/strong><br \/>Wir beraten Sie gerne \u2013 steuerlich fundiert und praxisnah.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum interne Darlehen bei verm\u00f6gensverwaltenden Personengesellschaften zum steuerlichen Bumerang werden k\u00f6nnen Immobilien in Gesellschaftsform: Flexibel, aber nicht ohne Risiko Gro\u00dfe Immobilienprojekte werden h\u00e4ufig nicht im Privatverm\u00f6gen gehalten, sondern \u00fcber speziell gegr\u00fcndete Gesellschaften \u2013 etwa GmbH &amp; Co. 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