{"id":77919,"date":"2025-07-31T17:55:36","date_gmt":"2025-07-31T15:55:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77919"},"modified":"2025-07-31T17:55:36","modified_gmt":"2025-07-31T15:55:36","slug":"bfh-zweifache-grunderwerbsteuer-bei-anteilserwerb-zweifel-an-doppelbesteuerung-bei-auseinanderfallen-von-signing-und-closing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-zweifache-grunderwerbsteuer-bei-anteilserwerb-zweifel-an-doppelbesteuerung-bei-auseinanderfallen-von-signing-und-closing\/","title":{"rendered":"<strong>BFH: Zweifache Grunderwerbsteuer bei Anteilserwerb? \u2013 Zweifel an Doppelbesteuerung bei Auseinanderfallen von Signing und Closing<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>\ud83d\udcc4 <strong>BFH, Beschluss II B 13\/25 (AdV)<\/strong><br \/>\ud83d\udd17 <strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Worum geht es?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat sich mit Beschluss vom 09.07.2025 im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes kritisch zur Praxis der <strong>zweifachen Festsetzung von Grunderwerbsteuer<\/strong> bei <strong>Unternehmensanteilserwerben<\/strong> ge\u00e4u\u00dfert, wenn <strong>Signing und Closing zeitlich auseinanderfallen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Raum steht die Frage, ob bei einem solchen Erwerbsvorgang sowohl nach \u00a7\u202f1 Abs.\u202f2b <strong>und<\/strong> nach \u00a7\u202f1 Abs.\u202f3 Nr.\u202f1 GrEStG <strong>jeweils gesondert Grunderwerbsteuer festgesetzt werden darf<\/strong>, obwohl der Vorgang wirtschaftlich zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Hintergrund: Grunderwerbsteuer bei Anteils\u00fcbertragungen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Grunderwerbsteuer f\u00e4llt nicht nur bei klassischen Immobilienk\u00e4ufen an, sondern auch beim Erwerb von <strong>Gesellschaftsanteilen<\/strong>, wenn dadurch mittelbar auf ein Grundst\u00fcck zugegriffen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei greifen insbesondere zwei Vorschriften:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>\u00a7\u202f1 Abs.\u202f2b GrEStG:<\/strong> Grunderwerbsteuerpflicht bei Erwerb von Anteilen, durch die mindestens 90\u202f% der Anteile an einer grundbesitzenden Gesellschaft auf neue Gesellschafter \u00fcbergehen.<\/li><li><strong>\u00a7\u202f1 Abs.\u202f3 Nr.\u202f1 GrEStG:<\/strong> Steuerpflicht, wenn mindestens 90\u202f% der Anteile an einer grundbesitzenden Gesellschaft in der Hand eines Erwerbers vereinigt werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Das Problem: Doppelbesteuerung bei zeitlicher Trennung von Signing und Closing<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im vorliegenden Fall wurden die Anteile an einer grundbesitzenden GmbH ver\u00e4u\u00dfert \u2013 das sogenannte <strong>Signing<\/strong> (Abschluss des Kaufvertrags) und das sp\u00e4tere <strong>Closing<\/strong> (tats\u00e4chliche \u00dcbertragung der Anteile) lagen <strong>zeitlich auseinander<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt setzte <strong>zweimal Grunderwerbsteuer fest<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Einmal auf Grundlage des <strong>schuldrechtlichen Vertrags<\/strong> (Signing, \u00a7\u202f1 Abs.\u202f2b GrEStG),<\/li><li>und sp\u00e4ter nochmals auf Grundlage der <strong>tats\u00e4chlichen Anteils\u00fcbertragung<\/strong> (Closing, \u00a7\u202f1 Abs.\u202f3 Nr.\u202f1 GrEStG).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>BFH: Rechtliche Zweifel an doppelter Besteuerung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH \u00e4u\u00dfert in seinem Beschluss <strong>ernsthafte Zweifel<\/strong>, ob diese doppelte Festsetzung zul\u00e4ssig ist \u2013 <strong>insbesondere dann<\/strong>, wenn dem Finanzamt bei Erlass des zweiten Bescheids bereits bekannt war, dass das Closing erfolgt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Richter stellten klar:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Es sei fraglich, ob <strong>ein wirtschaftlich einheitlicher Vorgang<\/strong> zwei separate Steuerfestsetzungen rechtfertigen k\u00f6nne. Insbesondere sei zu pr\u00fcfen, ob die sp\u00e4tere Festsetzung nach \u00a7\u202f1 Abs.\u202f3 Nr.\u202f1 GrEStG noch zul\u00e4ssig sei, wenn das Closing bereits bekannt war.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2><strong>Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Dieser Beschluss ist insbesondere f\u00fcr <strong>Gesellschaftstransaktionen mit Immobilienbezug<\/strong> von gro\u00dfer Bedeutung:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2705 Bei <strong>strukturierten Anteilsk\u00e4ufen (Share Deals)<\/strong> sollten steuerliche Risiken einer m\u00f6glichen <strong>Doppelbelastung<\/strong> im Blick behalten werden.<br \/>\u2705 Die Praxis der Finanzverwaltung, <strong>beide Vorschriften kumulativ<\/strong> anzuwenden, steht nun auf dem Pr\u00fcfstand.<br \/>\u2705 Unternehmen sollten bei geplanten Transaktionen rechtzeitig pr\u00fcfen (lassen), wie der Ablauf von <strong>Signing und Closing steuerlich strukturiert werden kann<\/strong>, um unn\u00f6tige Mehrbelastungen zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udcc4 <strong>Hinweis:<\/strong><br \/>Der vollst\u00e4ndige Beschluss ist auf der Homepage des Bundesfinanzhofs verf\u00fcgbar.<br \/><a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzhof.de\">www.bundesfinanzhof.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\ud83d\udcc4 BFH, Beschluss II B 13\/25 (AdV)\ud83d\udd17 Quelle: Bundesfinanzhof Worum geht es? 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