{"id":77935,"date":"2025-08-06T12:20:05","date_gmt":"2025-08-06T10:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77935"},"modified":"2025-08-06T12:20:05","modified_gmt":"2025-08-06T10:20:05","slug":"eugh-besteuerung-von-mehr-als-5-der-dividenden-durch-nationale-regelung-verstoesst-gegen-unionsrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/eugh-besteuerung-von-mehr-als-5-der-dividenden-durch-nationale-regelung-verstoesst-gegen-unionsrecht\/","title":{"rendered":"EuGH: Besteuerung von mehr als 5\u202f% der Dividenden durch nationale Regelung verst\u00f6\u00dft gegen Unionsrecht"},"content":{"rendered":"\n<p>\ud83d\udcc5 <strong>Urteil vom 01.08.2025 (C-92\/24, C-93\/24, C-94\/24)<\/strong><br \/>\ud83d\udce2 <strong>Quelle:<\/strong> EuGH, Pressemitteilung vom 01.08.2025<br \/>\ud83d\udccc <strong>Kernaussage:<\/strong> Auch bei einer Steuer, die <em>nicht<\/em> als K\u00f6rperschaftsteuer ausgestaltet ist, darf ein Mitgliedstaat nicht mehr als 5\u202f% der Dividenden aus anderen EU-Staaten erfassen \u2013 sofern das Befreiungssystem nach der Mutter-Tochter-Richtlinie (2011\/96\/EU) gew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Hintergrund<\/h3>\n\n\n\n<p>In den Jahren 2014 und 2015 bezog die italienische Bank <strong>Banca Mediolanum<\/strong> Dividenden von Tochtergesellschaften mit Sitz in anderen EU-Mitgliedstaaten. W\u00e4hrend 5\u202f% dieser Dividenden \u2013 unionsrechtlich zul\u00e4ssig \u2013 der italienischen K\u00f6rperschaftsteuer (IRES) unterworfen wurden, erfasste die Bank als Finanzintermedi\u00e4r zus\u00e4tzlich 50\u202f% der Dividenden in der <strong>regionalen Steuer auf Produktionst\u00e4tigkeiten<\/strong> (IRAP), basierend auf einer spezialgesetzlichen Regelung f\u00fcr Finanzintermedi\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Banca Mediolanum beantragte die Erstattung dieses IRAP-Anteils und argumentierte, die nationale Regelung versto\u00dfe gegen die Mutter-Tochter-Richtlinie 2011\/96\/EU. Die italienische Steuerverwaltung lehnte ab, der Fall landete beim EuGH.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Die Entscheidung des EuGH<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Gerichtshof stellt klar:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Die Mutter-Tochter-Richtlinie verlangt bei Anwendung des Befreiungssystems<\/strong>, dass Mitgliedstaaten <em>keine Besteuerung<\/em> der Dividenden vornehmen d\u00fcrfen, die von Tochtergesellschaften aus anderen EU-Staaten an Muttergesellschaften im Inland ausgesch\u00fcttet werden \u2013 <em>bis auf die Ausnahme von 5\u202f% zur Deckung nicht abzugsf\u00e4higer Betriebsausgaben<\/em>.<\/li><li><strong>Diese Vorgabe gilt unabh\u00e4ngig davon<\/strong>, ob es sich bei der betreffenden Steuer um eine K\u00f6rperschaftsteuer handelt oder nicht \u2013 entscheidend ist allein, ob die Bemessungsgrundlage (teilweise) die Dividenden umfasst.<\/li><li>Eine nationale Regelung, die wie in Italien bei Finanzintermedi\u00e4ren 50\u202f% der Dividenden zus\u00e4tzlich zur IRES der IRAP unterwirft, <strong>verst\u00f6\u00dft gegen das Unionsrecht<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Urteil des EuGH st\u00e4rkt erneut den Schutz vor wirtschaftlicher Doppelbesteuerung innerhalb der EU. Es gilt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2705 <strong>Verbot der Besteuerung \u00fcber 5\u202f% hinaus<\/strong>, wenn das Befreiungssystem nach der Mutter-Tochter-Richtlinie angewendet wird \u2013 <em>unabh\u00e4ngig von der Bezeichnung oder Art der Steuer.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2705 <strong>Finanzintermedi\u00e4re<\/strong> (z.\u202fB. Banken, Investmentgesellschaften) sind nicht von diesem Schutz ausgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2705 Auch <strong>regionale oder sektorale Sondersteuern<\/strong> (wie die IRAP in Italien) m\u00fcssen sich an der Richtlinie messen lassen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>Empfehlung f\u00fcr Unternehmen und Berater<\/h3>\n\n\n\n<p>Unternehmen mit grenz\u00fcberschreitenden Beteiligungsstrukturen sollten pr\u00fcfen, ob in ihrem Mitgliedstaat vergleichbare Sonderregelungen existieren \u2013 etwa \u00fcber Bankenabgaben, Finanztransaktionssteuern oder spezielle Gewerbesteuermodelle \u2013, die Dividenden von EU-Tochtergesellschaften erfassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Beratungshinweis:<\/strong> Eine unzul\u00e4ssige Besteuerung kann zu Erstattungsanspr\u00fcchen f\u00fchren. Laufende oder abgeschlossene Steuerverfahren sollten auf Basis des Urteils neu bewertet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\ud83d\udcc5 Urteil vom 01.08.2025 (C-92\/24, C-93\/24, C-94\/24)\ud83d\udce2 Quelle: EuGH, Pressemitteilung vom 01.08.2025\ud83d\udccc Kernaussage: Auch bei einer Steuer, die nicht als K\u00f6rperschaftsteuer ausgestaltet ist, darf ein Mitgliedstaat nicht mehr als 5\u202f% der Dividenden aus anderen EU-Staaten erfassen \u2013 sofern das Befreiungssystem nach der Mutter-Tochter-Richtlinie (2011\/96\/EU) gew\u00e4hlt wurde. 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