{"id":77949,"date":"2025-08-11T19:59:30","date_gmt":"2025-08-11T17:59:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77949"},"modified":"2025-08-11T19:59:30","modified_gmt":"2025-08-11T17:59:30","slug":"bfh-legt-eugh-streit-um-kapitalertragsteuer-auf-dividenden-an-drittstaatengesellschaften-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-legt-eugh-streit-um-kapitalertragsteuer-auf-dividenden-an-drittstaatengesellschaften-vor\/","title":{"rendered":"BFH legt EuGH Streit um Kapitalertragsteuer auf Dividenden an Drittstaatengesellschaften vor"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der <strong>Bundesfinanzhof (BFH)<\/strong> hat mit Beschluss vom <strong>03.06.2025<\/strong> (Az. VIII R 21\/22) dem <strong>Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union (EuGH)<\/strong> mehrere Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt. Im Kern geht es um die Frage, ob der <strong>abgeltende Kapitalertragsteuerabzug<\/strong> auf Dividenden an Gesellschaften mit Sitz in einem <strong>Drittstaat<\/strong> \u2013 hier: Japan \u2013 gegen die <strong>Kapitalverkehrsfreiheit<\/strong> (Art. 63 AEUV) verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kl\u00e4gerin ist eine <strong>japanische Kapitalgesellschaft<\/strong> und alleinige Anteilseignerin einer deutschen Kapitalgesellschaft. In den Streitjahren 2009\u20132011 erhielt sie Dividenden, auf die gem\u00e4\u00df <strong>Art. 10 Abs. 2 DBA Japan 1966<\/strong> 15 % Kapitalertragsteuer einbehalten wurden. Dieser Abzug wirkte abgeltend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab dem 01.04.2009 f\u00fchrte eine \u00c4nderung im japanischen Steuerrecht dazu, dass Dividenden zu <strong>95 % steuerfrei<\/strong> gestellt wurden. Die bisher m\u00f6gliche <strong>vollst\u00e4ndige Anrechnung<\/strong> der deutschen Kapitalertragsteuer auf die japanische K\u00f6rperschaftsteuer (Art. 23 Abs. 2 DBA) lief damit weitgehend ins Leere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz dazu erhalten inl\u00e4ndische Muttergesellschaften eine <strong>Anrechnung oder Erstattung<\/strong> der Kapitalertragsteuer. Die Kl\u00e4gerin sah sich daher in ihrer Kapitalverkehrsfreiheit verletzt und verlangte Erstattung der einbehaltenen Steuer. Das Finanzgericht wies die Klage jedoch ab.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Streitpunkte vor dem EuGH<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der BFH bittet den EuGH um Kl\u00e4rung insbesondere folgender Fragen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Vorrang von Niederlassungsfreiheit oder Kapitalverkehrsfreiheit<\/strong><ul><li>Verdr\u00e4ngt die Niederlassungsfreiheit (Art. 49 AEUV) den Pr\u00fcfungsma\u00dfstab der Kapitalverkehrsfreiheit?<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Verletzung der Kapitalverkehrsfreiheit<\/strong><ul><li>Liegt eine unionsrechtswidrige Beschr\u00e4nkung vor, wenn die Anrechnung der Kapitalertragsteuer im DBA vorgesehen ist, aber aufgrund einer <strong>innerstaatlichen Rechts\u00e4nderung im Drittstaat<\/strong> faktisch ins Leere geht?<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Rechtfertigung und Erstattungsvoraussetzungen<\/strong><ul><li>Kann eine solche Beschr\u00e4nkung gerechtfertigt sein?<\/li><li>Darf die Erstattung von der M\u00f6glichkeit abh\u00e4ngig gemacht werden, dass das Bundeszentralamt f\u00fcr Steuern (BZSt) die Angaben der ausl\u00e4ndischen Gesellschaft \u00fcber einen <strong>Informationsaustausch<\/strong> mit den Steuerbeh\u00f6rden des Drittstaats \u00fcberpr\u00fcfen kann?<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Internationale Konzernstrukturen<\/strong>: Das Verfahren betrifft alle Unternehmen mit Dividendenaussch\u00fcttungen aus Deutschland an <strong>Muttergesellschaften in Drittstaaten<\/strong>.<\/li><li><strong>Gestaltungssicherheit<\/strong>: Das EuGH-Urteil k\u00f6nnte Einfluss auf die Erstattungsf\u00e4higkeit von Kapitalertragsteuer bei fehlender oder eingeschr\u00e4nkter DBA-Anrechnung haben.<\/li><li><strong>Compliance-Anforderungen<\/strong>: Der m\u00f6gliche Zwang zu \u00fcberpr\u00fcfbaren Angaben \u00fcber Informationsaustausch-Abkommen k\u00f6nnte k\u00fcnftig entscheidend sein.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\ud83d\udca1 <strong>Praxistipp:<\/strong><br \/>Betroffene Unternehmen sollten Dividendenaussch\u00fcttungen an Drittstaatengesellschaften dokumentieren und m\u00f6gliche Erstattungsanspr\u00fcche fr\u00fchzeitig sichern \u2013 insbesondere, wenn im Empf\u00e4ngerstaat Steuerverg\u00fcnstigungen bestehen, die die DBA-Anrechnung faktisch entwerten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\ud83d\udccc <strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof, Pressemitteilung Nr. 52\/25 vom 07.08.2025 zum Beschluss VIII R 21\/22 vom 03.06.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Beschluss vom 03.06.2025 (Az. VIII R 21\/22) dem Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) mehrere Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt. Im Kern geht es um die Frage, ob der abgeltende Kapitalertragsteuerabzug auf Dividenden an Gesellschaften mit Sitz in einem Drittstaat \u2013 hier: Japan \u2013 gegen die Kapitalverkehrsfreiheit (Art. 63 AEUV) verst\u00f6\u00dft. 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