{"id":77987,"date":"2025-08-14T11:01:20","date_gmt":"2025-08-14T09:01:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=77987"},"modified":"2025-08-14T11:01:20","modified_gmt":"2025-08-14T09:01:20","slug":"bfh-legt-eugh-fragen-zur-steueranrechnung-im-frueheren-koerperschaftsteuer-anrechnungsverfahren-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-legt-eugh-fragen-zur-steueranrechnung-im-frueheren-koerperschaftsteuer-anrechnungsverfahren-vor\/","title":{"rendered":"BFH legt EuGH Fragen zur Steueranrechnung im fr\u00fcheren K\u00f6rperschaftsteuer-Anrechnungsverfahren vor"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>BFH, Beschluss vom 26.03.2025 \u2013 I R 6\/22<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof (EuGH) mehrere Fragen zur Auslegung der <strong>Mutter-Tochter-Richtlinie<\/strong> (Richtlinie 90\/435\/EWG) vorgelegt. Im Kern geht es um die Frage, ob eine inl\u00e4ndische Muttergesellschaft im fr\u00fcheren K\u00f6rperschaftsteuer-Anrechnungsverfahren einen <strong>Anspruch auf Steueranrechnungsvortrag<\/strong> haben kann, wenn Dividenden aus EU-Tochtergesellschaften in Verlustjahren bezogen wurden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>1. Hintergrund des Verfahrens<\/h3>\n\n\n\n<ul><li>Streitjahre: 1993 bis 1996<\/li><li>Situation: Eine deutsche Muttergesellschaft erzielte Verluste, erhielt aber Aussch\u00fcttungen einer in einem anderen EU-Mitgliedstaat ans\u00e4ssigen Tochtergesellschaft.<\/li><li>Problem: Die auf die Dividenden im Ausland gezahlte K\u00f6rperschaftsteuer wurde in Deutschland nicht angerechnet, weil die Muttergesellschaft im Jahr des Dividendenbezugs keine steuerpflichtigen Gewinne hatte. Eine sp\u00e4tere Anrechnung, wenn wieder Gewinne erzielt wurden, sah das nationale Recht nicht vor.<\/li><li>Besondere Konstellation: Teilweise flossen die Dividenden zun\u00e4chst an eine 100%-Tochter der Muttergesellschaft, die ebenfalls Verluste machte, und wurden erst nach einer Verschmelzung auf die Muttergesellschaft \u00fcbertragen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>2. Vorlagefragen des BFH an den EuGH<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH m\u00f6chte gekl\u00e4rt wissen:<\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>Vereinbarkeit mit EU-Recht<\/strong><br \/>\u2192 Verst\u00f6\u00dft die deutsche Regelung gegen Art. 4 Abs. 1 zweiter Gedankenstrich der Mutter-Tochter-Richtlinie, wenn Aussch\u00fcttungen in Verlustjahren den Verlustvortrag k\u00fcrzen, die auf die Dividenden gezahlten Steuern aber <strong>nicht<\/strong> angerechnet werden k\u00f6nnen?<\/li><li><strong>Direktanspruch auf Anrechnungsvortrag<\/strong><br \/>\u2192 Falls ja: Entsteht bei unvollst\u00e4ndiger Umsetzung der Richtlinie ein unmittelbarer Anspruch auf einen <strong>Steueranrechnungsvortrag<\/strong>?<\/li><li><strong>Niederlassungsfreiheit<\/strong><br \/>\u2192 Falls die Richtlinie keinen Anspruch begr\u00fcndet: Kann sich ein solcher Anspruch aus Art. 49 AEUV (Niederlassungsfreiheit) ergeben?<\/li><li><strong>Indirekte Dividenden<\/strong><br \/>\u2192 Gilt die gleiche Beurteilung auch f\u00fcr Dividenden, die zun\u00e4chst von einer 100%-Tochter bezogen wurden, bevor diese auf die Muttergesellschaft verschmolzen wurde?<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>3. Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n\n\n\n<ul><li><strong>Zeitlicher Bezug<\/strong>: Das Verfahren betrifft das fr\u00fchere K\u00f6rperschaftsteuer-Anrechnungsverfahren, ist also f\u00fcr heutige Steuerjahre nicht mehr direkt anwendbar \u2013 kann aber f\u00fcr <strong>Altf\u00e4lle<\/strong> und anh\u00e4ngige Verfahren relevant sein.<\/li><li><strong>Grundsatzwirkung<\/strong>: Das EuGH-Urteil k\u00f6nnte kl\u00e4ren, ob nationale Regelungen, die eine zeitlich begrenzte Anrechnungsm\u00f6glichkeit vorsehen, gegen EU-Recht oder Grundfreiheiten versto\u00dfen.<\/li><li><strong>Verlustvortr\u00e4ge<\/strong>: Besonders wichtig f\u00fcr F\u00e4lle, in denen Aussch\u00fcttungen in Verlustjahren den Verlustvortrag mindern, ohne dass eine Steueranrechnung m\u00f6glich ist.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udca1 <strong>Praxis-Hinweis:<\/strong><br \/>Unternehmen mit <strong>offenen Altf\u00e4llen<\/strong> aus dem fr\u00fcheren K\u00f6rperschaftsteuer-Anrechnungsverfahren sollten pr\u00fcfen, ob die EuGH-Entscheidung zu einem nachtr\u00e4glichen Steueranrechnungsvortrag f\u00fchren k\u00f6nnte. Das betrifft insbesondere Konstellationen mit grenz\u00fcberschreitenden Beteiligungen und Verlustjahren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udccc <strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof \u2013 I R 6\/22<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Beschluss vom 26.03.2025 \u2013 I R 6\/22 Der Bundesfinanzhof (BFH) hat dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof (EuGH) mehrere Fragen zur Auslegung der Mutter-Tochter-Richtlinie (Richtlinie 90\/435\/EWG) vorgelegt. Im Kern geht es um die Frage, ob eine inl\u00e4ndische Muttergesellschaft im fr\u00fcheren K\u00f6rperschaftsteuer-Anrechnungsverfahren einen Anspruch auf Steueranrechnungsvortrag haben kann, wenn Dividenden aus EU-Tochtergesellschaften in Verlustjahren bezogen wurden. 1. 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