{"id":78028,"date":"2025-08-22T15:45:30","date_gmt":"2025-08-22T13:45:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78028"},"modified":"2025-08-22T15:45:30","modified_gmt":"2025-08-22T13:45:30","slug":"bfh-steuer-kann-rueckwirkend-entfallen-irrtum-ueber-steuerfolgen-bei-ehevertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-steuer-kann-rueckwirkend-entfallen-irrtum-ueber-steuerfolgen-bei-ehevertrag\/","title":{"rendered":"BFH: Steuer kann r\u00fcckwirkend entfallen \u2013 Irrtum \u00fcber Steuerfolgen bei Ehevertrag"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom <strong>09. Mai 2025 (Az. IX R 4\/23)<\/strong> entschieden, dass eine <strong>\u00dcbertragung von GmbH-Anteilen im Zugewinnausgleich<\/strong> grunds\u00e4tzlich einen steuerpflichtigen Ver\u00e4u\u00dferungsvorgang nach \u00a7 17 EStG darstellt. Allerdings kann der daraus entstehende Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn <strong>r\u00fcckwirkend entfallen<\/strong>, wenn die Vertragsparteien bei Abschluss des Ehevertrags einem gemeinsamen Irrtum \u00fcber die steuerlichen Folgen unterlagen und den Vertrag deshalb nachtr\u00e4glich ab\u00e4nderten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Fall<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Ein Ehepaar vereinbarte G\u00fctertrennung.<\/li><li>Der Zugewinnausgleichsanspruch der Ehefrau wurde durch <strong>\u00dcbertragung von GmbH-Anteilen<\/strong> erf\u00fcllt.<\/li><li>Beide Eheleute gingen (auf Grundlage einer Beratung) davon aus, dass dieser Vorgang steuerfrei sei.<\/li><li>Das Finanzamt behandelte die \u00dcbertragung jedoch als <strong>steuerpflichtige Ver\u00e4u\u00dferung<\/strong> nach \u00a7 17 EStG und setzte Einkommensteuer fest.<\/li><li>Daraufhin \u00e4nderten die Eheleute den Ehevertrag: Statt GmbH-Anteilen wurde eine <strong>Geldzahlung<\/strong> vereinbart.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Finanzgericht und schlie\u00dflich auch der BFH gaben den Steuerpflichtigen Recht: Der Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn <strong>entf\u00e4llt r\u00fcckwirkend<\/strong>, da der Ehevertrag aufgrund eines gemeinsamen Irrtums \u00fcber die steuerlichen Folgen ge\u00e4ndert wurde.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kernaussagen des BFH<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Grundsatz:<\/strong> \u00dcbertragung von GmbH-Anteilen im Zugewinnausgleich = steuerpflichtiger Ver\u00e4u\u00dferungsvorgang (\u00a7 17 EStG).<\/li><li><strong>Ausnahme:<\/strong> Wird der Vertrag wegen eines gemeinsamen Irrtums \u00fcber die Steuerfolgen r\u00fcckabgewickelt, kann die Steuer <strong>f\u00fcr die Vergangenheit entfallen<\/strong>.<\/li><li><strong>Voraussetzungen:<\/strong><ul><li>gemeinsamer Irrtum beider Vertragsparteien,<\/li><li>Irrtum bereits bei Vertragsabschluss vorhanden,<\/li><li>Irrtum betrifft die Gesch\u00e4ftsgrundlage,<\/li><li>R\u00fcckabwicklung innerhalb der Risikosph\u00e4re beider Parteien.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Hinweis:<\/strong> Ein ausdr\u00fccklicher Vermerk des Irrtums im Vertragstext ist nicht erforderlich.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Urteil zeigt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Vorsicht bei Ehe- und Scheidungsfolgenvertr\u00e4gen<\/strong> mit Unternehmensanteilen. Falsche steuerliche Annahmen k\u00f6nnen erhebliche Folgen haben.<\/li><li><strong>R\u00fcckabwicklung ist m\u00f6glich<\/strong>, aber nur in Ausnahmef\u00e4llen und unter strengen Voraussetzungen.<\/li><li><strong>Steuerliche Beratung im Vorfeld<\/strong> ist unverzichtbar \u2013 Irrt\u00fcmer \u00fcber die Steuerfolgen lassen sich nicht immer im Nachhinein korrigieren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung des BFH er\u00f6ffnet Steuerpflichtigen in vergleichbaren Konstellationen einen engen Ausweg, wenn ein Vertrag auf falschen steuerlichen Annahmen beruhte. Gleichzeitig macht der BFH deutlich, dass dies <strong>kein allgemeiner Freibrief<\/strong> f\u00fcr nachtr\u00e4gliche Vertrags\u00e4nderungen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\ud83d\udc49 Wenn Sie einen Ehevertrag oder eine \u00dcbertragung von Unternehmensanteilen planen, lassen Sie sich unbedingt im Vorfeld steuerlich beraten. Wir pr\u00fcfen die steuerlichen Folgen und helfen Ihnen, teure \u00dcberraschungen zu vermeiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 09. Mai 2025 (Az. IX R 4\/23) entschieden, dass eine \u00dcbertragung von GmbH-Anteilen im Zugewinnausgleich grunds\u00e4tzlich einen steuerpflichtigen Ver\u00e4u\u00dferungsvorgang nach \u00a7 17 EStG darstellt. 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