{"id":78044,"date":"2025-08-22T15:58:11","date_gmt":"2025-08-22T13:58:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78044"},"modified":"2025-08-22T15:58:11","modified_gmt":"2025-08-22T13:58:11","slug":"aufloesung-des-arbeitsverhaeltnisses-gegen-abfindung-missbrauch-der-machtstellung-durch-geschaeftsfuehrer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/aufloesung-des-arbeitsverhaeltnisses-gegen-abfindung-missbrauch-der-machtstellung-durch-geschaeftsfuehrer\/","title":{"rendered":"Aufl\u00f6sung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses gegen Abfindung \u2013 Missbrauch der Machtstellung durch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <strong>Landesarbeitsgericht (LAG) K\u00f6ln<\/strong> hat am <strong>09. Juli 2025 (Az. 4 SLa 97\/25)<\/strong> entschieden, dass das Arbeitsverh\u00e4ltnis einer Arbeitnehmerin gegen Zahlung einer Abfindung in H\u00f6he von rund <strong>68.000 Euro<\/strong> aufzul\u00f6sen ist. Grund waren schwerwiegende Pflichtverletzungen des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers, die eine Fortsetzung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses f\u00fcr die Kl\u00e4gerin unzumutbar machten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund des Falls<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin war bei einem Unternehmen besch\u00e4ftigt, dessen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zugleich eine private Beziehung zu ihr unterhielt.<\/li><li>Nach dem Ende dieser privaten Beziehung kam es zu <strong>sexistischen, dem\u00fctigenden und willk\u00fcrlichen \u00c4u\u00dferungen<\/strong> des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers gegen\u00fcber der Kl\u00e4gerin.<\/li><li>Zudem drohte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer mit arbeitsrechtlichen Sanktionen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin entwickelte eine <strong>posttraumatische Belastungsst\u00f6rung<\/strong>, die seit Mai 2024 andauert.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Arbeitsgericht Bonn l\u00f6ste das Arbeitsverh\u00e4ltnis nach \u00a7 9 KSchG auf und sprach der Kl\u00e4gerin eine Abfindung von 70.000 Euro zu. Das LAG K\u00f6ln best\u00e4tigte die Entscheidung im Wesentlichen, passte die H\u00f6he aber geringf\u00fcgig auf <strong>68.153,80 Euro<\/strong> an.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Entscheidung des LAG K\u00f6ln<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gericht stellte klar:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin musste die Fortsetzung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses nicht hinnehmen.<\/li><li>Die Voraussetzungen f\u00fcr eine gerichtliche <strong>Aufl\u00f6sung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses nach \u00a7 9 KSchG<\/strong> lagen vor.<\/li><li>Die au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Abfindung sei gerechtfertigt, weil:<ul><li>die K\u00fcndigung <strong>sozialwidrig<\/strong> war,<\/li><li>die Kl\u00e4gerin erheblich in ihrer W\u00fcrde verletzt wurde,<\/li><li>eine langwierige psychische Erkrankung eingetreten ist,<\/li><li>der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer die Situation <strong>vors\u00e4tzlich durch Missbrauch seiner Machtstellung<\/strong> herbeigef\u00fchrt hat.<\/li><\/ul><\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Rechtlicher Hintergrund (\u00a7 9 KSchG)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Gericht kann ein Arbeitsverh\u00e4ltnis aufl\u00f6sen und eine Abfindung zusprechen, wenn:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die K\u00fcndigung unwirksam ist,<\/li><li>aber dem Arbeitnehmer oder dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses nicht zugemutet werden kann.<br \/>Die H\u00f6he der Abfindung legt das Gericht unter Ber\u00fccksichtigung der Umst\u00e4nde des Einzelfalls fest.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>F\u00fcr Arbeitnehmer:innen<\/strong>: Das Urteil zeigt, dass Betroffene von Machtmissbrauch und Diskriminierung nicht schutzlos sind. Auch wenn eine K\u00fcndigung unwirksam ist, k\u00f6nnen Gerichte eine Beendigung gegen Abfindung anordnen.<\/li><li><strong>F\u00fcr Arbeitgeber:innen<\/strong>: Gesch\u00e4ftsf\u00fchrern kommt eine besondere Verantwortung zu. Missbrauch der Machtstellung kann nicht nur arbeitsrechtliche, sondern auch erhebliche finanzielle Folgen f\u00fcr das Unternehmen haben.<\/li><li><strong>F\u00fcr Unternehmen<\/strong>: Pr\u00e4vention durch klare Compliance-Regeln und Schulungen zum respektvollen Umgang sind unverzichtbar.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das LAG K\u00f6ln hat ein deutliches Signal gesetzt: <strong>Missbrauch von Macht und diskriminierendes Verhalten im Arbeitsverh\u00e4ltnis haben schwerwiegende Konsequenzen.<\/strong> Arbeitnehmer:innen m\u00fcssen in solchen F\u00e4llen das Arbeitsverh\u00e4ltnis nicht fortsetzen. Gerichte k\u00f6nnen die Beendigung anordnen \u2013 verbunden mit hohen Abfindungszahlungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\ud83d\udc49 Sie sind von einer K\u00fcndigung betroffen oder sehen sich mit Vorw\u00fcrfen im Unternehmen konfrontiert? Wir beraten Sie umfassend zu Ihren steuerrechtlichen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Landesarbeitsgericht (LAG) K\u00f6ln hat am 09. Juli 2025 (Az. 4 SLa 97\/25) entschieden, dass das Arbeitsverh\u00e4ltnis einer Arbeitnehmerin gegen Zahlung einer Abfindung in H\u00f6he von rund 68.000 Euro aufzul\u00f6sen ist. Grund waren schwerwiegende Pflichtverletzungen des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers, die eine Fortsetzung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses f\u00fcr die Kl\u00e4gerin unzumutbar machten. 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