{"id":78190,"date":"2025-09-09T11:16:03","date_gmt":"2025-09-09T09:16:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78190"},"modified":"2025-09-09T11:16:03","modified_gmt":"2025-09-09T09:16:03","slug":"grundsteuer-b-in-bayern-flaechenmodell-verfassungsgemaess-fg-muenchen-bestaetigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/grundsteuer-b-in-bayern-flaechenmodell-verfassungsgemaess-fg-muenchen-bestaetigt\/","title":{"rendered":"Grundsteuer B in Bayern: Fl\u00e4chenmodell verfassungsgem\u00e4\u00df \u2013 FG M\u00fcnchen best\u00e4tigt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Kurzfassung:<\/strong> Das Finanzgericht M\u00fcnchen h\u00e4lt das bayerische Fl\u00e4chenmodell (BayGrStG) bei der Grundsteuer B f\u00fcr <strong>formell und materiell verfassungsgem\u00e4\u00df<\/strong>. Die Klage einer Wohnungseigent\u00fcmerin gegen \u00c4quivalenzbetr\u00e4ge und Messbetrag blieb erfolglos; die Revision wurde zugelassen. Damit w\u00e4chst die Rechtsprechungslinie zugunsten der L\u00e4nder\u00f6ffnungsklausel und des wertunabh\u00e4ngigen Modells. <\/p>\n\n\n\n<h2>Kernaussagen in K\u00fcrze<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><strong>BayGrStG ist verfassungskonform:<\/strong> Kein Versto\u00df gegen Art. 3 Abs. 1 GG; das wertunabh\u00e4ngige <strong>Fl\u00e4chenmodell<\/strong> ist vom Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers gedeckt. <\/li><li><strong>\u00c4quivalenzzahlen sachgerecht:<\/strong> 0,04 \u20ac\/m\u00b2 f\u00fcr Grund und Boden und 0,50 \u20ac\/m\u00b2 f\u00fcr Geb\u00e4udefl\u00e4chen; Wohnfl\u00e4chen werden \u00fcber eine reduzierte Messzahl beg\u00fcnstigt (70 %). <\/li><li><strong>Kein \u201eabweichungsfester Kern\u201c des Bundesrechts:<\/strong> Die L\u00e4nder d\u00fcrfen von Bundesvorgaben abweichen; dies entspricht auch der Linie des FG Hamburg. <\/li><li><strong>Revision zugelassen:<\/strong> Der BFH wird voraussichtlich Gelegenheit zur Kl\u00e4rung grunds\u00e4tzlicher Fragen haben. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Hintergrund des Verfahrens<\/h2>\n\n\n\n<p>Gestritten wurde \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der <strong>Grundsteuer\u00e4quivalenzbetr\u00e4ge<\/strong> und des <strong>Messbetrags<\/strong> f\u00fcr eine Eigentumswohnung mit Tiefgaragenplatz. Die Kl\u00e4gerseite r\u00fcgte u. a. die fehlende Wert- und Lagekomponente sowie die Unm\u00f6glichkeit, einen niedrigeren gemeinen Wert nachzuweisen. Das FG M\u00fcnchen wies die Klage ab. <\/p>\n\n\n\n<h2>Die Entscheidung des FG M\u00fcnchen (Urt. v. 25.06.2025 \u2013 4 K 2077\/24)<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><strong>Wertunabh\u00e4ngiges Fl\u00e4chenmodell zul\u00e4ssig:<\/strong> Die Ankn\u00fcpfung an Grundst\u00fccks- und Geb\u00e4udefl\u00e4chen bildet den Belastungsgrund (Nutzung kommunaler Infrastruktur) <strong>folgerichtigt<\/strong> ab; eine zwingende Wertbemessung fordert das Grundgesetz nicht. <\/li><li><strong>\u00c4quivalenzzahlen und Messzahl:<\/strong> Die Differenzierung zwischen Grund\/Boden (0,04 \u20ac\/m\u00b2) und Geb\u00e4udefl\u00e4chen (0,50 \u20ac\/m\u00b2) sowie die abgesenkte Messzahl f\u00fcr Wohnfl\u00e4chen (70 %) sind sachlich gerechtfertigt (F\u00f6rderung von Wohnraum). <\/li><li><strong>L\u00e4nder\u00f6ffnungsklausel getragen:<\/strong> Aus Art. 72 Abs. 3 Nr. 7 GG folgt <strong>keine<\/strong> Verpflichtung, am alten wertabh\u00e4ngigen System festzuhalten (\u201ekein abweichungsfester Kern\u201c) \u2013 im Einklang mit FG Hamburg. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><strong>Einordnung:<\/strong> Das Urteil reiht sich in eine Serie bayerischer Entscheidungen ein, die das BayGrStG st\u00fctzen (u. a. FG M\u00fcnchen, 30.04.2025 \u2013 4 K 1312\/24). <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h2>Was bedeutet das f\u00fcr die Praxis?<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><strong>Bescheide pr\u00fcfen \u2013 aber Erwartungsmanagement:<\/strong> Einwendungen allein gegen das Fehlen von Lage-\/Wertmerkmalen haben nach derzeitigem Stand in Bayern <strong>geringe Erfolgsaussichten<\/strong>. Mit Blick auf die zugelassene Revision kann ein <strong>Einspruch mit Ruhensantrag<\/strong> (bis zur BFH-Entscheidung) dennoch sinnvoll sein. <\/li><li><strong>Parameter kennen:<\/strong> F\u00fcr die Berechnung in Bayern bleiben die <strong>\u00c4quivalenzzahlen<\/strong> (0,04 \u20ac\/m\u00b2 Boden, 0,50 \u20ac\/m\u00b2 Geb\u00e4ude) und die <strong>Messzahlreduktion auf 70 % f\u00fcr Wohnfl\u00e4chen<\/strong> zentral. <\/li><li><strong>H\u00e4rtefallklausel auf dem Schirm:<\/strong> Unzumutbare Einzelf\u00e4lle k\u00f6nnen \u00fcber <strong>Erlassm\u00f6glichkeiten<\/strong> der Gemeinden abgefedert werden (Art. 8 BayGrStG). <\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Wie geht es weiter?<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision zum <strong>BFH<\/strong> ist zugelassen. Eine h\u00f6chstrichterliche Entscheidung wird f\u00fcr 2026\/2027 erwartet \u2013 bis dahin ist mit weiterer FG-Rechtsprechung zu rechnen. Parallel existieren Verfahren in anderen L\u00e4ndern (z. B. Hamburg), die die <strong>L\u00e4nderkompetenz<\/strong> ebenfalls best\u00e4tigen. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle &amp; weiterf\u00fchrend:<\/strong> Meldungen und Fundstellen zum Urteil des FG M\u00fcnchen vom 25.06.2025 \u2013 4 K 2077\/24; Gesetzesbegr\u00fcndung und Parameter des BayGrSt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurzfassung: Das Finanzgericht M\u00fcnchen h\u00e4lt das bayerische Fl\u00e4chenmodell (BayGrStG) bei der Grundsteuer B f\u00fcr formell und materiell verfassungsgem\u00e4\u00df. Die Klage einer Wohnungseigent\u00fcmerin gegen \u00c4quivalenzbetr\u00e4ge und Messbetrag blieb erfolglos; die Revision wurde zugelassen. Damit w\u00e4chst die Rechtsprechungslinie zugunsten der L\u00e4nder\u00f6ffnungsklausel und des wertunabh\u00e4ngigen Modells. 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