{"id":78245,"date":"2025-09-17T17:08:15","date_gmt":"2025-09-17T15:08:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78245"},"modified":"2025-09-17T17:08:15","modified_gmt":"2025-09-17T15:08:15","slug":"erste-taetigkeitsstaette-und-reisekosten-bei-vermietungseinkuenften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/erste-taetigkeitsstaette-und-reisekosten-bei-vermietungseinkuenften\/","title":{"rendered":"Erste T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte und Reisekosten bei Vermietungseink\u00fcnften"},"content":{"rendered":"\n<h2>Hintergrund<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Frage, ob Fahrten zu einem Vermietungsobjekt als Reisekosten oder nur nach den Regeln zur Entfernungspauschale abziehbar sind, besch\u00e4ftigt seit Jahren Steuerpflichtige und Finanzverwaltung. Nun hat das <strong>Finanzgericht M\u00fcnster<\/strong> (Urteil vom 15.05.2025 \u2013 12 K 1916\/21 F, Revision zugelassen) wichtige Klarstellungen getroffen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Der Streitfall<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Steuerpflichtiger erzielte Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung. Streitpunkt war, ob Fahrten von seiner Wohnung zum Vermietungsobjekt nach den <strong>Reisekostengrunds\u00e4tzen<\/strong> oder nach den strengeren Regeln zur <strong>ersten T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte (\u00a7 9 Abs. 3, 4 EStG)<\/strong> zu behandeln sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besonderheit: Die Eink\u00fcnfte wurden im Rahmen einer verm\u00f6gensverwaltenden Personengesellschaft erzielt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Entscheidung des FG M\u00fcnster<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Gericht stellte klar:<\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Gleichstellung mit Arbeitnehmern<\/strong>: Auch bei Eink\u00fcnften aus Vermietung und Verpachtung ist \u00a7 9 Abs. 4 EStG \u00fcber \u00a7 9 Abs. 3 EStG anwendbar.<\/li><li><strong>Objektbezogene Betrachtung<\/strong>: Die erste T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte ist objektbezogen zu bestimmen \u2013 das Vermietungsobjekt selbst kann eine T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte darstellen.<\/li><li><strong>Keine freie Bestimmung durch Vermieter<\/strong>: Steuerpflichtige k\u00f6nnen nicht frei festlegen, was ihre \u201eerste T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte\u201c ist. Andernfalls w\u00fcrde die gesetzliche Regelung leerlaufen.<\/li><li><strong>Quantitative Kriterien<\/strong>: Eine erste T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte liegt jedenfalls dann vor, wenn der Steuerpflichtige <strong>mindestens ein Drittel seiner regelm\u00e4\u00dfigen Arbeitszeit am Objekt<\/strong> verbringt.<\/li><li><strong>Nachweisf\u00fchrung<\/strong>: Bei der Pr\u00fcfung, ob Fahrten beruflich oder privat veranlasst sind, ist die Beweislast hoch. Erholungsaufenthalte im Anschluss an Arbeiten (z. B. Urlaub im Ferienobjekt) k\u00f6nnen steuerliche Abz\u00fcge gef\u00e4hrden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Praktische Konsequenzen<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><strong>Fahrten zum Objekt<\/strong>: Liegt eine erste T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte vor, sind die Kosten nur in H\u00f6he der Entfernungspauschale abziehbar \u2013 nicht die tats\u00e4chlichen Reisekosten.<\/li><li><strong>Reisekostenabzug<\/strong>: Nur wenn keine erste T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte vorliegt, kommt der volle Werbungskostenabzug nach Reisekostengrunds\u00e4tzen in Betracht.<\/li><li><strong>Dokumentation<\/strong>: Steuerpflichtige m\u00fcssen klar dokumentieren, dass Aufenthalte am Vermietungsobjekt \u00fcberwiegend durch die Vermietung veranlasst waren. Eine private (Mit-)Nutzung kann zum Wegfall des Werbungskostenabzugs f\u00fchren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2>Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Das FG M\u00fcnster st\u00e4rkt die Linie der Finanzverwaltung: Auch Vermieter m\u00fcssen sich an die Regelungen zur ersten T\u00e4tigkeitsst\u00e4tte halten. Der Ausgang des zugelassenen Revisionsverfahrens bleibt abzuwarten. Bis dahin gilt: <strong>Sorgf\u00e4ltige Nachweise und klare Trennung von beruflicher und privater Veranlassung sind unerl\u00e4sslich.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hintergrund Die Frage, ob Fahrten zu einem Vermietungsobjekt als Reisekosten oder nur nach den Regeln zur Entfernungspauschale abziehbar sind, besch\u00e4ftigt seit Jahren Steuerpflichtige und Finanzverwaltung. Nun hat das Finanzgericht M\u00fcnster (Urteil vom 15.05.2025 \u2013 12 K 1916\/21 F, Revision zugelassen) wichtige Klarstellungen getroffen. Der Streitfall Ein Steuerpflichtiger erzielte Eink\u00fcnfte aus Vermietung und Verpachtung. 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