{"id":78363,"date":"2025-09-30T15:26:19","date_gmt":"2025-09-30T13:26:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78363"},"modified":"2025-09-30T15:28:45","modified_gmt":"2025-09-30T13:28:45","slug":"die-belastung-von-dividenden-mit-gewerbesteuer-im-lichte-der-mutter-tochter-richtlinie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/die-belastung-von-dividenden-mit-gewerbesteuer-im-lichte-der-mutter-tochter-richtlinie\/","title":{"rendered":"Mutter-Tochter-Richtlinie vs. Gewerbesteuer"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Dividenden und Gewerbesteuer: Warum die deutsche Regelung unionsrechtswidrig sein k\u00f6nnte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <strong>Mutter-Tochter-Richtlinie (MTR)<\/strong> verfolgt das Ziel, eine Doppelbesteuerung von Gewinnaussch\u00fcttungen innerhalb der EU auf Ebene der Muttergesellschaft zu vermeiden. In Deutschland wurde sie k\u00f6rperschaftsteuerlich durch <strong>\u00a7 8b KStG<\/strong> umgesetzt: Schachteldividenden sind bei einer Mindestbeteiligung von 10 % grunds\u00e4tzlich zu 95 % steuerfrei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch wie steht es um die <strong>gewerbesteuerliche Behandlung von Dividenden<\/strong>? Hier gelten strengere Regeln: Das sogenannte <strong>gewerbesteuerliche Schachtelprivileg<\/strong> nach \u00a7 9 Nr. 7 GewStG setzt eine Mindestbeteiligung von 15 % voraus und kn\u00fcpft zus\u00e4tzlich an ein Stichtagsprinzip an. Ob dies mit der MTR vereinbar ist, war lange umstritten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das EuGH-Urteil \u201eBanca Mediolanum\u201c (1.8.2025)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Urteil vom 1. August 2025 (C-92\/24 bis C-94\/24) hat der EuGH in den italienischen Rechtssachen \u201eBanca Mediolanum I bis III\u201c eine wegweisende Klarstellung getroffen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Auch <strong>Steuern neben der K\u00f6rperschaftsteuer<\/strong> k\u00f6nnen in den Anwendungsbereich der MTR fallen.<\/li><li>Konkret: Die teilweise Einbeziehung von Dividenden in die Bemessungsgrundlage der italienischen Regionalsteuer IRAP war nach Ansicht des EuGH nicht mit der MTR vereinbar.<\/li><li>Entscheidender Punkt: F\u00fcr den EuGH war es <strong>unerheblich<\/strong>, dass die IRAP keine K\u00f6rperschaftsteuer ist. Ma\u00dfgeblich ist allein, dass <strong>Dividenden Teil der Bemessungsgrundlage<\/strong> sind.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ist klar: <strong>Auch die deutsche Gewerbesteuer f\u00e4llt in den sachlichen Schutzbereich der MTR.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Folgen f\u00fcr das deutsche Schachtelprivileg (\u00a7 9 Nr. 7 GewStG)<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die aktuelle Ausgestaltung der gewerbesteuerlichen Behandlung von Dividenden wirft gleich mehrere Probleme im Hinblick auf die MTR auf:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li><strong>Mindestbeteiligung von 15 %<\/strong><ul><li>Die MTR verlangt lediglich 10 %.<\/li><li>Die deutsche Vorschrift geht also \u00fcber die unionsrechtlichen Vorgaben hinaus.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Strenges Stichtagsprinzip<\/strong><ul><li>Nach deutschem Recht muss die Beteiligung zu Beginn des Erhebungszeitraums bestehen.<\/li><li>Die MTR enth\u00e4lt ein solches Erfordernis nicht.<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Pauschalierter Betriebsausgabenabzug von 5 %<\/strong><ul><li>Sowohl k\u00f6rperschaftsteuerlich (\u00a7 8b Abs. 5 KStG) als auch gewerbesteuerlich wird ein Anteil von 5 % der Dividenden als nicht abziehbare Betriebsausgaben erfasst.<\/li><li>Fraglich ist, ob diese doppelte Hinzurechnung mit der MTR vereinbar ist.<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6gliche Konsequenzen und Ausstrahlwirkung<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>F\u00fcr <strong>EU-Dividenden<\/strong> an eine deutsche Muttergesellschaft spricht vieles daf\u00fcr, dass die gegenw\u00e4rtige deutsche Regelung <strong>unionsrechtswidrig<\/strong> ist.<\/li><li>Auch <strong>Inlandsdividenden<\/strong> k\u00f6nnten betroffen sein: Zwar gilt die MTR hier nicht unmittelbar, doch eine Ungleichbehandlung von EU- und Inlandsf\u00e4llen k\u00f6nnte gegen den <strong>Gleichheitssatz des Grundgesetzes<\/strong> versto\u00dfen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das EuGH-Urteil hat erhebliche Sprengkraft f\u00fcr die deutsche Gewerbesteuer. Unternehmen, die Dividenden aus EU-Beteiligungen erhalten, sollten pr\u00fcfen, ob sich gegen eine gewerbesteuerliche Belastung <strong>Einspruch einlegen<\/strong> und auf das anh\u00e4ngige europarechtliche Verfahren berufen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\ud83d\udc49 <strong>Praxis-Tipp:<\/strong> Unternehmen mit Beteiligungen innerhalb der EU sollten ihre laufenden Steuerbescheide offenhalten und die weitere Entwicklung in Rechtsprechung und Gesetzgebung im Blick behalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Praxis-Hinweis: Was Sie jetzt tun sollten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2714\ufe0f <strong>Steuerbescheide offenhalten:<\/strong><br \/>Legen Sie Einspruch gegen Gewerbesteuerbescheide ein, soweit Dividenden aus EU-Beteiligungen betroffen sind. Verweisen Sie dabei auf das EuGH-Urteil vom 1.8.2025 (\u201eBanca Mediolanum\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2714\ufe0f <strong>Aussetzungsantrag stellen:<\/strong><br \/>Beantragen Sie ggf. das Ruhen des Verfahrens bis zur endg\u00fcltigen Kl\u00e4rung durch die deutsche Finanzgerichtsbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2714\ufe0f <strong>Dokumentation sichern:<\/strong><br \/>Halten Sie Beteiligungsquoten, Erwerbszeitpunkte und Dividendenzahlungen sorgf\u00e4ltig fest, um die Voraussetzungen der Mutter-Tochter-Richtlinie nachweisen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2714\ufe0f <strong>Inlandsdividenden pr\u00fcfen:<\/strong><br \/>Auch bei reinen Inlandsf\u00e4llen k\u00f6nnte eine Ungleichbehandlung im Lichte des Gleichheitssatzes relevant werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2714\ufe0f <strong>Beratung einholen:<\/strong><br \/>Lassen Sie sich zu m\u00f6glichen R\u00fcckforderungen und Gestaltungsspielr\u00e4umen beraten \u2013 insbesondere zur 5%-Hinzurechnung und zum gewerbesteuerlichen Schachtelprivileg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dividenden und Gewerbesteuer: Warum die deutsche Regelung unionsrechtswidrig sein k\u00f6nnte Die Mutter-Tochter-Richtlinie (MTR) verfolgt das Ziel, eine Doppelbesteuerung von Gewinnaussch\u00fcttungen innerhalb der EU auf Ebene der Muttergesellschaft zu vermeiden. 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