{"id":78416,"date":"2025-10-08T11:39:43","date_gmt":"2025-10-08T09:39:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78416"},"modified":"2025-10-08T11:39:43","modified_gmt":"2025-10-08T09:39:43","slug":"niessbrauchsverzicht-an-land-und-forstwirtschaftlichen-flaechen-keine-steuerbeguenstigung-nach-%c2%a7%c2%a7-13a-13b-erbstg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/niessbrauchsverzicht-an-land-und-forstwirtschaftlichen-flaechen-keine-steuerbeguenstigung-nach-%c2%a7%c2%a7-13a-13b-erbstg\/","title":{"rendered":"<strong>Nie\u00dfbrauchsverzicht an land- und forstwirtschaftlichen Fl\u00e4chen: Keine Steuerbeg\u00fcnstigung nach \u00a7\u00a7 13a, 13b ErbStG<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>FG Schleswig-Holstein, Urteil vom 31.03.2025 \u2013 3 K 28\/24 (rechtskr\u00e4ftig)<\/strong><br \/><em>Mitteilung des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 06.10.2025<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udd0d <strong>Kernaussagen des Urteils<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ol><li>Der <strong>vorzeitige Verzicht auf ein vorbehaltenes Nie\u00dfbrauchsrecht<\/strong> an land- und forstwirtschaftlichen Fl\u00e4chen f\u00fchrt <strong>nicht zur Steuerbefreiung nach \u00a7\u00a7 13a, 13b ErbStG (a. F.)<\/strong>, wenn die <strong>Kontinuit\u00e4tsanforderungen an das Betriebsverm\u00f6gen<\/strong> nicht erf\u00fcllt sind.<\/li><li>Eine <strong>aufschiebend bedingte Last<\/strong> ist auf den Zeitpunkt des <strong>Bedingungseintritts<\/strong> zu bewerten \u2013 <strong>eine Abzinsung<\/strong> f\u00fcr die Zeit zwischen Vertragsabschluss und Bedingungseintritt ist <strong>nicht zul\u00e4ssig<\/strong>, sofern \u00a7 12 Abs. 3 BewG keine Anwendung findet.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\u2696\ufe0f <strong>Sachverhalt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Kl\u00e4ger hatte im Rahmen einer <strong>vorweggenommenen Erbfolge<\/strong> von seinem Vater einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb erhalten.<br \/>Der Vater (Schenker) behielt sich dabei ein <strong>lebenslanges Nie\u00dfbrauchsrecht<\/strong> an den \u00fcbertragenen Fl\u00e4chen vor und bewirtschaftete diese weiter selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Jahre sp\u00e4ter \u00fcbertrug der Vater weitere Grundst\u00fccke auf den Sohn und erkl\u00e4rte zugleich den <strong>teilweisen Verzicht auf das vorbehaltene Nie\u00dfbrauchsrecht<\/strong>.<br \/>Im Gegenzug verpflichtete sich der Sohn im Rahmen des Schenkungsvertrages, ein eigenes Grundst\u00fcck zu \u00fcbertragen, sobald der Vater und dessen Ehefrau dort ihren Wohnsitz nehmen wollten \u2013 eine <strong>aufschiebend bedingte Gegenleistung<\/strong>, die sp\u00e4ter tats\u00e4chlich eintrat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt setzte Schenkungsteuer fest.<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Es <strong>erkannte keine Steuerverg\u00fcnstigung nach \u00a7\u00a7 13a, 13b ErbStG<\/strong> f\u00fcr den Nie\u00dfbrauchsverzicht an.<\/li><li>Zudem <strong>diskontierte<\/strong> es den Wert des sp\u00e4ter \u00fcbertragenen Grundst\u00fccks <strong>auf den Vertragszeitpunkt<\/strong> ab.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der Kl\u00e4ger wandte sich gegen beides:<br \/>Er verlangte die <strong>Steuerbeg\u00fcnstigung f\u00fcr den Nie\u00dfbrauchsverzicht<\/strong> und wandte sich gegen die <strong>Abzinsung<\/strong> der Gegenleistung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83e\uddfe <strong>Entscheidung des Finanzgerichts<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der 3. Senat des FG Schleswig-Holstein entschied <strong>zweigeteilt<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<h3>\u2705 1. Keine Abzinsung der bedingten Last<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Gericht gab dem Kl\u00e4ger <strong>teilweise Recht<\/strong>:<br \/>Eine aufschiebend bedingte Last darf <strong>nicht auf den Vertragszeitpunkt abgezinst<\/strong> werden.<br \/>Ma\u00dfgeblich ist der <strong>Zeitpunkt des Bedingungseintritts<\/strong>, an dem die Verpflichtung tats\u00e4chlich wirtschaftlich wirksam wird.<br \/>Das FG folgt damit der <strong>BFH-Rechtsprechung<\/strong> und lehnt eine erweiternde Anwendung des \u00a7 12 Abs. 3 BewG ab.<br \/>Einen entsprechenden <strong>Nichtanwendungserlass<\/strong> des BMF hielt das Gericht f\u00fcr <strong>rechtswidrig<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3>\u274c 2. Keine Steuerverg\u00fcnstigung nach \u00a7\u00a7 13a, 13b ErbStG (a. F.)<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den <strong>Nie\u00dfbrauchsverzicht<\/strong> versagte das Gericht hingegen die Steuerbeg\u00fcnstigung:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Der Nie\u00dfbraucher hatte die Fl\u00e4chen <strong>selbst bewirtschaftet<\/strong> \u2013 es handelte sich damit um <strong>eigenes Betriebsverm\u00f6gen<\/strong>.<\/li><li>Der <strong>Verzicht auf das Nie\u00dfbrauchsrecht<\/strong> f\u00fchrte zwar zu einer <strong>\u00dcbertragung von Nutzungsrechten<\/strong>, nicht aber zur \u00dcbertragung <strong>eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs im Ganzen<\/strong>.<\/li><li>Eine <strong>\u201eGesamtbetrachtung\u201c<\/strong> von Schenker und Erwerber, wie vom Kl\u00e4ger begehrt, scheidet aus.<\/li><li>Das <strong>Kontinuit\u00e4tsgebot<\/strong> der \u00a7\u00a7 13a, 13b ErbStG (a. F.) \u2013 also die <strong>ununterbrochene Fortf\u00fchrung desselben Betriebsverm\u00f6gens<\/strong> \u2013 wurde <strong>nicht erf\u00fcllt<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Damit ist ein Nie\u00dfbrauchsverzicht, der aus einer urspr\u00fcnglichen Hof\u00fcbertragung stammt, <strong>nicht beg\u00fcnstigt<\/strong>, wenn sich die wirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen des Betriebsverm\u00f6gens zwischen Schenker und Erwerber unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Urteil ist <strong>rechtskr\u00e4ftig<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83e\udde9 <strong>Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil verdeutlicht zwei zentrale Punkte der Schenkungsteuer bei land- und forstwirtschaftlichen \u00dcbertragungen:<\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>Steuerbeg\u00fcnstigungen nach \u00a7\u00a7 13a, 13b ErbStG<\/strong> greifen nur bei <strong>kontinuierlichem Betriebsverm\u00f6gen<\/strong> \u2013 das gilt auch bei mehrfach gestuften oder zeitlich versetzten \u00dcbertragungen.<br \/>\u2192 Wird der Betrieb durch einen Nie\u00dfbrauchsvorbehalt zivilrechtlich geteilt oder ver\u00e4ndert, geht der Zusammenhang verloren.<\/li><li><strong>Bewertung aufschiebend bedingter Lasten<\/strong> erfolgt <strong>erst bei Eintritt der Bedingung<\/strong> \u2013 <strong>keine Abzinsung<\/strong> bei schwebenden Verpflichtungen, sofern \u00a7 12 Abs. 3 BewG nicht einschl\u00e4gig ist.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83e\uddf0 <strong>Praxisbox<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>1\ufe0f\u20e3 Gestaltungshinweise:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Bei der <strong>vorweggenommenen Hof\u00fcbertragung<\/strong> sollte gepr\u00fcft werden, ob ein <strong>Nie\u00dfbrauchsvorbehalt<\/strong> sp\u00e4ter steuerlich hinderlich ist.<\/li><li>Wird ein Nie\u00dfbrauch <strong>vorzeitig aufgehoben<\/strong>, ist die Beg\u00fcnstigung nach \u00a7\u00a7 13a, 13b ErbStG in der Regel <strong>nicht mehr anwendbar<\/strong>.<\/li><li>Eine <strong>steuerneutrale Gestaltung<\/strong> ist nur m\u00f6glich, wenn der Nie\u00dfbrauchsverzicht <strong>Bestandteil einer einheitlichen, zusammenh\u00e4ngenden Betriebs\u00fcbertragung<\/strong> ist.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>2\ufe0f\u20e3 Bewertungshinweise:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li><strong>Aufschiebend bedingte Verpflichtungen<\/strong> (z. B. R\u00fcck\u00fcbertragungen, Wohnrechts- oder Grundst\u00fccks\u00fcbertragungen) sind <strong>erst im Zeitpunkt des Bedingungseintritts<\/strong> zu bewerten.<\/li><li>Eine <strong>Abzinsung<\/strong> darf nur erfolgen, wenn der Tatbestand des \u00a7 12 Abs. 3 BewG erf\u00fcllt ist (z. B. bei Renten oder wiederkehrenden Leistungen).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>3\ufe0f\u20e3 Beratungsempfehlung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>\u201eWer Nie\u00dfbrauchsrechte im Rahmen von Hof- oder Grundst\u00fccks\u00fcbertragungen einr\u00e4umt, sollte fr\u00fchzeitig pr\u00fcfen, ob ein sp\u00e4terer Verzicht steuerlich als schenkungsteuerpflichtiger Vorgang gilt. Eine Beg\u00fcnstigung nach \u00a7\u00a7 13a, 13b ErbStG ist dann nur noch eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich.\u201c<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udcd8 <strong>Infobox: \u00a7\u00a7 13a und 13b ErbStG \u2013 alte und neue Rechtslage<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><thead><tr><th><strong>Aspekt<\/strong><\/th><th><strong>Alte Fassung (bis 2018, hier relevant)<\/strong><\/th><th><strong>Aktuelle Fassung (ab 2023\/2024)<\/strong><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Beg\u00fcnstigtes Verm\u00f6gen<\/strong><\/td><td>Betriebsverm\u00f6gen, land- und forstwirtschaftliches Verm\u00f6gen, Anteile an Kapitalgesellschaften<\/td><td>Unver\u00e4ndert, jedoch differenziertere Abgrenzung zwischen Verwaltungs- und beg\u00fcnstigtem Verm\u00f6gen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Kontinuit\u00e4tserfordernis<\/strong><\/td><td>Ununterbrochene Fortf\u00fchrung desselben Betriebsverm\u00f6gens erforderlich<\/td><td>Fortf\u00fchrung des Betriebs \u00fcber 5 Jahre (\u00a7 13a Abs. 6 ErbStG n. F.); Nie\u00dfbrauchsverzicht isoliert weiterhin nicht beg\u00fcnstigt<\/td><\/tr><tr><td><strong>Bewertung<\/strong><\/td><td>85 %- oder 100 %-Verschonung je nach Betriebsgr\u00f6\u00dfe<\/td><td>Zus\u00e4tzliche Grenzen (\u00a7 13a Abs. 10 ErbStG n. F.), Verwaltungsverm\u00f6genspr\u00fcfung nach \u00a7 13b ErbStG<\/td><\/tr><tr><td><strong>Nie\u00dfbrauch \/ Teil\u00fcbertragungen<\/strong><\/td><td>Keine Beg\u00fcnstigung bei blo\u00dfer Nutzungs\u00fcberlassung oder Nie\u00dfbrauchsverzicht<\/td><td>Fortf\u00fchrung als Einheit erforderlich; isolierte Rechte oder sp\u00e4tere Verzichtserkl\u00e4rungen bleiben unbeg\u00fcnstigt<\/td><\/tr><tr><td><strong>Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/td><td>H\u00e4ufiger Streitpunkt bei Hof- und Grundst\u00fccks\u00fcbertragungen mit Vorbehaltsnie\u00dfbrauch<\/td><td>Auch unter neuem Recht bleibt die <strong>Gesamtschau des Betriebsverm\u00f6gens<\/strong> entscheidend; Gestaltungsberatung notwendig<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udcac <strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das FG Schleswig-Holstein stellt klar:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Ein vorzeitiger Verzicht auf ein vorbehaltenes Nie\u00dfbrauchsrecht an land- und forstwirtschaftlichen Fl\u00e4chen <strong>f\u00fchrt nicht zu einer Steuerverg\u00fcnstigung nach \u00a7\u00a7 13a, 13b ErbStG<\/strong>, wenn die betriebliche Kontinuit\u00e4t nicht gewahrt bleibt.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Bewertung aufschiebend bedingter Verpflichtungen gilt:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Ma\u00dfgeblich ist der <strong>Zeitpunkt des Bedingungseintritts<\/strong>, nicht der Vertragsabschluss \u2013 eine Abzinsung ist unzul\u00e4ssig.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\ud83d\udcda <strong>Quelle:<\/strong><br \/>Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht, Urteil vom 31.03.2025 \u2013 3 K 28\/24 (rechtskr\u00e4ftig)<br \/>Mitteilung vom 06.10.2025, Newsletter II\/2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG Schleswig-Holstein, Urteil vom 31.03.2025 \u2013 3 K 28\/24 (rechtskr\u00e4ftig)Mitteilung des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 06.10.2025 \ud83d\udd0d Kernaussagen des Urteils Der vorzeitige Verzicht auf ein vorbehaltenes Nie\u00dfbrauchsrecht an land- und forstwirtschaftlichen Fl\u00e4chen f\u00fchrt nicht zur Steuerbefreiung nach \u00a7\u00a7 13a, 13b ErbStG (a. 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