{"id":78442,"date":"2025-10-14T12:28:05","date_gmt":"2025-10-14T10:28:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78442"},"modified":"2025-10-14T12:28:05","modified_gmt":"2025-10-14T10:28:05","slug":"uebergang-des-wirtschaftlichen-eigentums-bei-schenkweiser-uebertragung-von-gmbh-anteilen-unter-niessbrauchsvorbehalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/uebergang-des-wirtschaftlichen-eigentums-bei-schenkweiser-uebertragung-von-gmbh-anteilen-unter-niessbrauchsvorbehalt\/","title":{"rendered":"<strong>\u00dcbergang des wirtschaftlichen Eigentums bei schenkweiser \u00dcbertragung von GmbH-Anteilen unter Nie\u00dfbrauchsvorbehalt<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>FG D\u00fcsseldorf, Urteil vom 04.09.2025 \u2013 9 K 2034\/24 E (rechtskr\u00e4ftig)<\/strong><br \/><em>Nie\u00dfbrauchsbelastung hindert den unentgeltlichen Erwerb nicht \u2013 urspr\u00fcngliche Anschaffungskosten des Schenkers bleiben bei der Ver\u00e4u\u00dferung ma\u00dfgeblich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Sachverhalt<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Der Kl\u00e4ger erhielt von einem Schenker <strong>GmbH-Anteile unentgeltlich<\/strong>, wobei sich der Schenker ein <strong>lebenslanges Nie\u00dfbrauchsrecht<\/strong> vorbehielt.<br \/>Dieses Nie\u00dfbrauchsrecht f\u00fchrte zu <strong>erheblichen Einschr\u00e4nkungen<\/strong> der Eigent\u00fcmerposition des Kl\u00e4gers:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>kein Gewinnbezugsrecht,<\/li><li>eingeschr\u00e4nkte Stimmrechte,<\/li><li>Verf\u00fcgungsverbot \u00fcber die Anteile.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter ver\u00e4u\u00dferte der Kl\u00e4ger die GmbH-Anteile <strong>entgeltlich an einen Dritten<\/strong>.<br \/>Unmittelbar vor der Ver\u00e4u\u00dferung <strong>verzichtete der Schenker gegen Zahlung einer Abl\u00f6se<\/strong> auf sein Nie\u00dfbrauchsrecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Finanzamt<\/strong> war der Auffassung, dass der Kl\u00e4ger das <strong>wirtschaftliche Eigentum<\/strong> erst <strong>mit Abl\u00f6sung des Nie\u00dfbrauchs gegen Entgelt<\/strong> erlangt habe.<br \/>Daher seien die Anteile <strong>nicht unentgeltlich<\/strong>, sondern <strong>teilweise entgeltlich<\/strong> erworben worden \u2013 mit der Folge, dass die <strong>urspr\u00fcnglichen Anschaffungskosten des Schenkers<\/strong> nach \u00a7 17 Abs. 2 Satz 5 EStG <strong>nicht<\/strong> zu \u00fcbernehmen seien.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Entscheidung des FG D\u00fcsseldorf<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das <strong>Finanzgericht D\u00fcsseldorf<\/strong> gab der Klage statt und stellte klar:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>Der Kl\u00e4ger hat <strong>bereits im Zeitpunkt der Schenkung<\/strong> sowohl das <strong>zivilrechtliche als auch das wirtschaftliche Eigentum<\/strong> an den GmbH-Anteilen erlangt \u2013 <strong>trotz Nie\u00dfbrauchsvorbehalts<\/strong>.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nach W\u00fcrdigung der Gesamtumst\u00e4nde war der Kl\u00e4ger derjenige, der der tats\u00e4chlichen Eigent\u00fcmerstellung <strong>n\u00e4her stand<\/strong> als der Schenker.<br \/>Der lebenslange Nie\u00dfbrauch begr\u00fcndet zwar wirtschaftliche Einschr\u00e4nkungen, f\u00fchrt aber <strong>nicht automatisch<\/strong> dazu, dass das wirtschaftliche Eigentum beim Schenker verbleibt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Abl\u00f6sezahlung als nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die <strong>Abl\u00f6sezahlung<\/strong> an den Schenker kurz vor der Weiterver\u00e4u\u00dferung \u00e4nderte daran nichts.<br \/>Sie diente <strong>ausschlie\u00dflich der Befreiung von der Belastung (Nie\u00dfbrauch)<\/strong> und f\u00fchrte <strong>nicht zu einem entgeltlichen Erwerb<\/strong> der Anteile selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Rechtsprechung des <strong>BFH<\/strong> (vgl. BFH-Urteil vom 25.01.2022 \u2013 IX R 14\/21) stellen derartige Abl\u00f6sezahlungen <strong>nachtr\u00e4gliche Anschaffungskosten<\/strong> dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Folglich gelten die Anteile steuerlich weiterhin als <strong>unentgeltlich erworben<\/strong>, mit der Konsequenz, dass bei der Ermittlung des Ver\u00e4u\u00dferungsgewinns die <strong>urspr\u00fcnglichen Anschaffungskosten des Schenkers<\/strong> nach \u00a7 17 Abs. 2 Satz 5 EStG zu ber\u00fccksichtigen sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Rechtliche W\u00fcrdigung und Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das Urteil konkretisiert die Abgrenzung von <strong>zivilrechtlichem und wirtschaftlichem Eigentum<\/strong> im Zusammenhang mit <strong>Nie\u00dfbrauchsgestaltungen<\/strong> und <strong>Schenkungen von Gesellschaftsanteilen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wesentliche Punkte:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Der <strong>Nie\u00dfbrauchsvorbehalt<\/strong> allein verhindert den \u00dcbergang des wirtschaftlichen Eigentums <strong>nicht automatisch<\/strong>.<\/li><li>Ma\u00dfgeblich ist eine <strong>Gesamtbetrachtung<\/strong> der tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse (Verf\u00fcgungsbefugnis, Chancen und Risiken der Beteiligung).<\/li><li>Eine <strong>Abl\u00f6sung des Nie\u00dfbrauchs gegen Zahlung<\/strong> f\u00fchrt <strong>nicht zu einem entgeltlichen Erwerb<\/strong>, sondern zu <strong>nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten<\/strong>.<\/li><li>Bei anschlie\u00dfender <strong>Ver\u00e4u\u00dferung<\/strong> sind somit die <strong>urspr\u00fcnglichen Anschaffungskosten des Schenkers<\/strong> ma\u00dfgeblich (\u00a7 17 Abs. 2 Satz 5 EStG).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das Urteil st\u00e4rkt die steuerliche Rechtssicherheit bei der <strong>vorweggenommenen Erbfolge mit Nie\u00dfbrauchsvorbehalt<\/strong>, einer g\u00e4ngigen Gestaltungsform in der Unternehmensnachfolge.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Fazit<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das FG D\u00fcsseldorf stellt klar:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Auch wenn der Erwerber durch ein Nie\u00dfbrauchsrecht in seiner Nutzung stark eingeschr\u00e4nkt ist, kann er <strong>wirtschaftlicher Eigent\u00fcmer<\/strong> im Sinne des Steuerrechts sein. <\/li><li>Die Abl\u00f6sung des Nie\u00dfbrauchs \u00e4ndert daran nichts, sondern f\u00fchrt lediglich zu <strong>nachtr\u00e4glichen Anschaffungskosten<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Damit bleibt der <strong>unentgeltliche Charakter der \u00dcbertragung<\/strong> gewahrt \u2013 und die <strong>urspr\u00fcnglichen Anschaffungskosten des Schenkers<\/strong> sind bei der sp\u00e4teren Ver\u00e4u\u00dferung <strong>fortzuf\u00fchren<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong><br \/>Finanzgericht D\u00fcsseldorf, Urteil vom 04.09.2025 \u2013 9 K 2034\/24 E (rechtskr\u00e4ftig)<br \/>Mitteilung im Newsletter Oktober 2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG D\u00fcsseldorf, Urteil vom 04.09.2025 \u2013 9 K 2034\/24 E (rechtskr\u00e4ftig)Nie\u00dfbrauchsbelastung hindert den unentgeltlichen Erwerb nicht \u2013 urspr\u00fcngliche Anschaffungskosten des Schenkers bleiben bei der Ver\u00e4u\u00dferung ma\u00dfgeblich. Sachverhalt Der Kl\u00e4ger erhielt von einem Schenker GmbH-Anteile unentgeltlich, wobei sich der Schenker ein lebenslanges Nie\u00dfbrauchsrecht vorbehielt.Dieses Nie\u00dfbrauchsrecht f\u00fchrte zu erheblichen Einschr\u00e4nkungen der Eigent\u00fcmerposition des Kl\u00e4gers: kein Gewinnbezugsrecht, eingeschr\u00e4nkte &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/uebergang-des-wirtschaftlichen-eigentums-bei-schenkweiser-uebertragung-von-gmbh-anteilen-unter-niessbrauchsvorbehalt\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\"><strong>\u00dcbergang des wirtschaftlichen Eigentums bei schenkweiser \u00dcbertragung von GmbH-Anteilen unter Nie\u00dfbrauchsvorbehalt<\/strong><\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1730],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78442"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78442"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78442\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}