{"id":78462,"date":"2025-10-15T16:05:16","date_gmt":"2025-10-15T14:05:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78462"},"modified":"2025-10-15T16:05:16","modified_gmt":"2025-10-15T14:05:16","slug":"keine-schenkung-an-den-ehegatten-durch-einraeumung-eines-altenteils-im-zuge-der-hofuebergabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/keine-schenkung-an-den-ehegatten-durch-einraeumung-eines-altenteils-im-zuge-der-hofuebergabe\/","title":{"rendered":"<strong>Keine Schenkung an den Ehegatten durch Einr\u00e4umung eines Altenteils im Zuge der Hof\u00fcbergabe<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Das <strong>Finanzgericht M\u00fcnster<\/strong> hat mit Urteil vom <strong>18. September 2025 (Az. 3 K 459\/24 Erb)<\/strong> entschieden, dass die <strong>Einr\u00e4umung eines Altenteils<\/strong> im Rahmen einer <strong>Hof\u00fcbergabe<\/strong> <strong>keine Schenkung an den Ehegatten<\/strong> darstellt, wenn dieser <strong>nicht frei \u00fcber die gew\u00e4hrten Rechte oder Zahlungen verf\u00fcgen kann<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit stellt das Gericht klar, dass die blo\u00dfe <strong>Gesamtgl\u00e4ubigerstellung<\/strong> eines Ehegatten nach \u00a7 428 BGB <strong>nicht automatisch zu einer schenkungsteuerpflichtigen Zuwendung<\/strong> f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Hintergrund des Falls<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Landwirt \u00fcbergab seinen <strong>landwirtschaftlichen Hof<\/strong> an den gemeinsamen Sohn.<br \/>Als Gegenleistung verpflichtete sich der Sohn, seinen Eltern ein <strong>lebenslanges Altenteil<\/strong> zu gew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses bestand aus:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>einem <strong>Wohnrecht<\/strong> an dem gemeinsam genutzten Familienheim und<\/li><li>einem <strong>monatlichen Baraltenteil<\/strong>, der auf das Girokonto der Ehefrau \u00fcberwiesen wurde.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das Konto lief zwar auf ihren Namen, wurde jedoch <strong>von beiden Eheleuten gemeinsam genutzt<\/strong>, um s\u00e4mtliche privaten Zahlungsvorg\u00e4nge abzuwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>Finanzamt<\/strong> bewertete die Vereinbarung als <strong>Schenkung des Ehemanns an die Ehefrau<\/strong>.<br \/>Begr\u00fcndung: Die Ehefrau habe durch das Wohnrecht und den Baraltenteil einen <strong>einklagbaren Anspruch<\/strong> auf Nutzung und Zahlung erhalten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Die Entscheidung des Finanzgerichts M\u00fcnster<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Das <strong>FG M\u00fcnster<\/strong> gab der Klage der Ehefrau <strong>vollumf\u00e4nglich statt<\/strong> und <strong>hob die Schenkungsteuerfestsetzung auf<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>1. Kein schenkungsteuerpflichtiger Vorteil durch das Wohnrecht<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Das Wohnrecht an den gemeinsam bewohnten R\u00e4umlichkeiten stelle <strong>keine unentgeltliche Zuwendung<\/strong> dar.<br \/>Es diene lediglich der <strong>Fortf\u00fchrung der ehelichen Lebensgemeinschaft<\/strong> und nicht der <strong>freien Verm\u00f6gensmehrung<\/strong> eines Ehegatten.<br \/>Eine <strong>freie Verf\u00fcgung<\/strong> der Kl\u00e4gerin \u00fcber das Wohnrecht lag daher nicht vor.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>2. Kein schenkungsteuerpflichtiger Vorteil durch den Baraltenteil<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Auch hinsichtlich der Geldzahlungen sah das Gericht <strong>keine Bereicherung<\/strong> der Ehefrau.<br \/>Nach der <strong>Innenabrede zwischen den Eheleuten<\/strong> diente der monatliche Baraltenteil dem <strong>gemeinsamen Lebensunterhalt<\/strong> \u2013 also wiederum der <strong>Verwirklichung der ehelichen Gemeinschaft<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein <strong>eigener Verm\u00f6genszuwachs<\/strong> der Kl\u00e4gerin oder eine <strong>Zuwendung zur freien Verf\u00fcgung<\/strong> konnte nicht festgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Rechtliche W\u00fcrdigung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Nach Auffassung des Gerichts liegt eine <strong>Schenkung<\/strong> nur dann vor, wenn der beg\u00fcnstigte Ehegatte <strong>zivilrechtlich und tats\u00e4chlich frei<\/strong> \u00fcber die zugewendeten Werte verf\u00fcgen kann.<br \/>Dies war hier weder beim Wohnrecht noch beim Baraltenteil der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung verdeutlicht, dass bei <strong>Altenteilsregelungen im Familienverbund<\/strong> stets die <strong>konkreten Absprachen und Lebensverh\u00e4ltnisse<\/strong> zu ber\u00fccksichtigen sind.<br \/>Eine pauschale Annahme von Schenkungen zwischen Ehegatten im Rahmen einer Hof\u00fcbergabe ist nicht gerechtfertigt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3><strong>Praxis-Hinweis f\u00fcr landwirtschaftliche Betriebe und Berater<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul><li>Bei <strong>Hof\u00fcbergaben innerhalb der Familie<\/strong> sollte klar dokumentiert werden, <strong>welche Leistungen dem Lebensunterhalt<\/strong> und <strong>welche ggf. einer Verm\u00f6gens\u00fcbertragung<\/strong> dienen.<\/li><li>Ein <strong>gemeinsam genutztes Konto<\/strong> oder <strong>gemeinschaftliche Lebensf\u00fchrung<\/strong> kann gegen die Annahme einer Schenkung sprechen.<\/li><li>F\u00fcr eine <strong>steuerfreie Gestaltung<\/strong> empfiehlt sich eine <strong>pr\u00e4zise Formulierung der Altenteilsvereinbarung<\/strong> (insbesondere bei Barleistungen).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das Urteil st\u00e4rkt die Rechtssicherheit bei <strong>betrieblichen \u00dcbergaben an die n\u00e4chste Generation<\/strong>, bei denen <strong>Ehegatten gemeinsam abgesichert werden sollen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong><br \/>Finanzgericht M\u00fcnster, Urteil vom 18.09.2025 \u2013 3 K 459\/24 Erb<br \/>Mitteilung vom 15.10.2025, Newsletter FG M\u00fcnster Oktober 2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Finanzgericht M\u00fcnster hat mit Urteil vom 18. 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