{"id":78488,"date":"2025-10-16T17:08:36","date_gmt":"2025-10-16T15:08:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78488"},"modified":"2025-10-16T17:08:36","modified_gmt":"2025-10-16T15:08:36","slug":"bfh-abzug-ersparter-mietaufwendungen-als-aussergewoehnliche-belastung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-abzug-ersparter-mietaufwendungen-als-aussergewoehnliche-belastung\/","title":{"rendered":"BFH: Abzug ersparter Mietaufwendungen als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>BFH, Urteil vom 17. Juni 2025 \u2013 VI R 15\/23<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der <strong>Bundesfinanzhof (BFH)<\/strong> hat entschieden, dass <strong>ersparte Mietaufwendungen<\/strong>, die beim Gesellschafter zu einer <strong>verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung (vGA)<\/strong> f\u00fchren, <strong>als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen<\/strong> (\u00a7 33 EStG) ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen \u2013 <strong>soweit sie behinderungsbedingten Mehraufwand darstellen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit pr\u00e4zisiert der BFH die Abgrenzung zwischen <strong>steuerlich relevanter privater Lebensf\u00fchrung<\/strong> und <strong>zwangsl\u00e4ufig entstehenden Mehrkosten<\/strong> bei behinderten Steuerpflichtigen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>1. Der Hintergrund des Falls<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer einer GmbH nutzte ein von der Gesellschaft errichtetes, behindertengerecht ausgestattetes Wohnhaus.<br \/>Das Finanzamt bewertete die private Nutzung als <strong>verdeckte Gewinnaussch\u00fcttung<\/strong>, da der Gesellschafter die ersparten Mietaufwendungen nicht privat getragen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Steuerpflichtige machte den Betrag der ersparten Miete jedoch zugleich als <strong>au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung<\/strong> geltend, da die Wohnung behindertengerecht ausgestattet war und entsprechende <strong>Mehrkosten durch seine Behinderung<\/strong> entstanden waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Finanzamt lehnte dies ab \u2013 der BFH entschied anders.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>2. Die Entscheidung des BFH<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH stellte klar:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p><strong>Ersparte Mietaufwendungen<\/strong>, die als <strong>verdeckte Gewinnaussch\u00fcttung<\/strong> zu versteuern sind, k\u00f6nnen <strong>insoweit als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen<\/strong> abgezogen werden, <strong>als sie unmittelbar behinderungsbedingten Mehraufwand betreffen.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Damit erkennt der BFH an, dass der <strong>steuerpflichtige Zufluss aus einer vGA<\/strong> durch die <strong>zwangsl\u00e4ufigen behinderungsbedingten Kosten<\/strong> kompensiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidend ist, dass der Steuerpflichtige die <strong>Mehraufwendungen objektiv zwangsl\u00e4ufig<\/strong> tr\u00e4gt \u2013 etwa f\u00fcr barrierefreie Zug\u00e4nge, Aufz\u00fcge, behindertengerechte B\u00e4der oder T\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht abziehbar sind dagegen allgemeine Wohnkosten oder Luxusausstattungen, die unabh\u00e4ngig von der Behinderung entstanden w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>3. Steuerliche Einordnung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung ber\u00fchrt gleich zwei Steuerbereiche:<\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>K\u00f6rperschaftsteuer<\/strong> \u2013 durch die verdeckte Gewinnaussch\u00fcttung an den Gesellschafter;<\/li><li><strong>Einkommensteuer<\/strong> \u2013 durch den m\u00f6glichen <strong>Abzug als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung<\/strong> (\u00a7 33 EStG).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Der BFH stellt klar, dass der Zufluss aus der vGA <strong>nicht doppelt belastet<\/strong> werden darf, wenn er zugleich <strong>zwangsl\u00e4ufig behinderungsbedingten Aufwand<\/strong> ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit er\u00f6ffnet das Urteil neue Gestaltungsspielr\u00e4ume f\u00fcr F\u00e4lle, in denen behindertengerechte Wohn- oder Nutzungsr\u00e4ume <strong>im Rahmen einer Gesellschaftsbeteiligung<\/strong> bereitgestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>4. Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Urteil ist insbesondere f\u00fcr <strong>Gesellschafter-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer<\/strong> mit Behinderung relevant, die <strong>gesellschaftseigene Immobilien<\/strong> nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Praktische Konsequenzen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Ersparnisse aus einer vGA k\u00f6nnen <strong>teilweise steuerlich kompensiert<\/strong> werden.<\/li><li>Voraussetzung ist der <strong>nachweisbare behinderungsbedingte Mehraufwand<\/strong> (\u00e4rztliche Bescheinigung, Bau- oder Umbaukosten).<\/li><li>Der <strong>private Nutzungsvorteil<\/strong> bleibt steuerpflichtig, der <strong>behindertenspezifische Anteil<\/strong> jedoch <strong>abzugsf\u00e4hig<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3>5. Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p>Der BFH erweitert den Anwendungsbereich der <strong>au\u00dfergew\u00f6hnlichen Belastungen<\/strong>:<br \/>Auch <strong>fiktive Aufwendungen<\/strong> \u2013 hier in Form ersparter Miete \u2013 k\u00f6nnen ber\u00fccksichtigt werden, <strong>wenn sie durch eine Behinderung veranlasst sind<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit st\u00e4rkt das Urteil die steuerliche Gleichbehandlung von behinderten Steuerpflichtigen, unabh\u00e4ngig davon, ob der Aufwand real gezahlt oder in Form eines Nutzungsvorteils zugeflossen ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Aktenzeichen:<\/strong> BFH, Urteil vom 17.06.2025 \u2013 VI R 15\/23<br \/><strong>Quelle:<\/strong> Bundesfinanzhof<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFH, Urteil vom 17. Juni 2025 \u2013 VI R 15\/23 Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass ersparte Mietaufwendungen, die beim Gesellschafter zu einer verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung (vGA) f\u00fchren, als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen (\u00a7 33 EStG) ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen \u2013 soweit sie behinderungsbedingten Mehraufwand darstellen. 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