{"id":78624,"date":"2025-11-08T11:28:10","date_gmt":"2025-11-08T09:28:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=78624"},"modified":"2025-11-08T11:28:10","modified_gmt":"2025-11-08T09:28:10","slug":"bfh-kostenloser-erstzugang-zum-e-abo-war-2009-2012-wirklich-kostenlos-keine-umsatzsteuer-auf-null-euro-zuweisung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-kostenloser-erstzugang-zum-e-abo-war-2009-2012-wirklich-kostenlos-keine-umsatzsteuer-auf-null-euro-zuweisung\/","title":{"rendered":"<strong>BFH: Kostenloser Erstzugang zum E-Abo war 2009\u20132012 wirklich kostenlos \u2013 keine Umsatzsteuer auf \u201eNull-Euro\u201c-Zuweisung<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom <strong>9. Juli 2025 (XI R 29\/23)<\/strong> entschieden, dass Verlage in den Jahren <strong>2009 bis 2012<\/strong> den erstmaligen Zugang zum E-Paper <strong>umsatzsteuerlich mit 0 Euro bewerten durften<\/strong>, wenn Print-Abonnenten das digitale Angebot <strong>ohne Mehrkosten<\/strong> zus\u00e4tzlich nutzen konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung betrifft zwar einen zur\u00fcckliegenden Zeitraum, hat aber <strong>Signalwirkung f\u00fcr Gesch\u00e4ftsmodelle, in denen Leistungen scheinbar \u201ekostenlos\u201c angeboten werden<\/strong> \u2013 etwa gegen Daten oder freiwillige Zahlungen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\u2705 Kernaussage des Urteils<\/h2>\n\n\n\n<ul><li><strong>Print-Zeitung und E-Paper sind zwei selbst\u00e4ndige Hauptleistungen.<\/strong><ul><li>Nicht untrennbar miteinander verbunden<\/li><li>Beide haben eigenen Zweck<\/li><li>E-Paper dient nicht nur als \u201ebessere Papierzeitung\u201c<\/li><\/ul><\/li><li><strong>Trotzdem: In den Streitjahren durfte der E-Paper-Zugang mit 0 Euro bewertet werden<\/strong>, da:<ul><li>der Preis des Print-Abos unver\u00e4ndert blieb<\/li><li>nur ca. <strong>15 %<\/strong> der Abonnenten den digitalen Zugang nutzten<\/li><li>nach Einf\u00fchrung eines Aufpreises (0,99 \u20ac) <strong>95 %<\/strong> der Nutzer absprangen<\/li><li>der Verlag somit <strong>keinen wirtschaftlichen Mehrwert<\/strong> aus der digitalen Zusatzleistung zog<\/li><\/ul><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>\u27a1\ufe0f <strong>Folge:<\/strong> Es lag aus damaliger Sicht <strong>kein gesondert entgeltlicher Leistungsteil<\/strong> vor \u2013 daher <strong>keine Umsatzsteuer<\/strong> auf einen hypothetischen Entgeltanteil.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udd0e Hintergrund des Falls<\/h2>\n\n\n\n<ul><li>Zwei Zeitungen wurden zun\u00e4chst ausschlie\u00dflich als Print-Abo angeboten<\/li><li>Ab 2010 zus\u00e4tzlich ein reines <strong>E-Abo (13,99 \u20ac pro Monat)<\/strong><\/li><li>Print-Abonnenten konnten sich ohne Zuzahlung online registrieren<\/li><li>Erst 2012 wurden Zuschl\u00e4ge f\u00fcr Print-Kunden eingef\u00fchrt, woraufhin die Nachfrage fast vollst\u00e4ndig einbrach<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Finanzamt und Finanzgericht<\/strong> wollten r\u00fcckwirkend den digitalen Anteil sch\u00e4tzen (1,99 \u20ac pro Monat, Regelsteuersatz 19 %).<br \/>\u27a1\ufe0f Der BFH hob das FG-Urteil auf und gab der Klage statt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udca1 Warum durfte der Wert \u201e0 Euro\u201c angesetzt werden?<\/h2>\n\n\n\n<p>Der BFH stellt klar:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Ein Leistungsb\u00fcndel ist <strong>grunds\u00e4tzlich aufzuteilen<\/strong><\/li><li><strong>\u201e0 Euro\u201c<\/strong> ist nur ausnahmsweise zul\u00e4ssig<\/li><li>Im Zeitraum 2009\u20132012 hatte das E-Paper:<ul><li>kaum wirtschaftlichen Wert<\/li><li>geringen Nutzungsgrad<\/li><li>keine Auswirkung auf den Abo-Preis<\/li><li>geringe Produktions- und Bereitstellungskosten<\/li><\/ul><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der BFH folgt damit der Rechtsprechung des <strong>\u00f6sterreichischen Verwaltungsgerichtshofs<\/strong> zu einer vergleichbaren Sachlage.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\u2705 Heute anders: E-Paper ebenfalls erm\u00e4\u00dfigt besteuert<\/h2>\n\n\n\n<p>Seit \u00a7 12 Abs. 2 Nr. 14 UStG gilt auch f\u00fcr digitale Presseprodukte der <strong>erm\u00e4\u00dfigte Steuersatz<\/strong>.<br \/>\u2192 Dadurch ist die steuerliche Problematik bei Zeitungen praktisch entfallen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udea9 Aber: Urteil relevant f\u00fcr andere Gesch\u00e4ftsmodelle<\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders spannend ist der Hinweis des BFH am Ende:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Viele Gesch\u00e4ftsmodelle bieten <strong>\u201ekostenlose\u201c Leistungen<\/strong> gegen:<ul><li>Nutzerdaten<\/li><li>freiwillige Zahlungen<\/li><li>Werbeeinwilligungen<\/li><\/ul><\/li><li>Der BFH sagt ausdr\u00fccklich:<br \/>\u2705 <strong>Dieses Urteil legt NICHT fest, dass solche Modelle steuerfrei sind.<\/strong><br \/>\u2757 <strong>Die Bewertung bleibt k\u00fcnftigen Entscheidungen vorbehalten.<\/strong><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>F\u00fcr digitale Plattformen, Apps oder Medienunternehmen ist das ein deutliches Warnsignal:<br \/><strong>\u201ekostenlos\u201c k\u00f6nnte steuerlich trotzdem ein entgeltlicher Leistungsaustausch sein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2>\ud83d\udccc Fazit<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><thead><tr><th>Punkt<\/th><th>BFH-Ergebnis<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Print-Abo + E-Paper<\/td><td>zwei eigenst\u00e4ndige Hauptleistungen<\/td><\/tr><tr><td>Aufteilung des Gesamtentgelts?<\/td><td>grunds\u00e4tzlich ja<\/td><\/tr><tr><td>Streitjahre 2009\u20132012<\/td><td><strong>0-Euro-Bewertung zul\u00e4ssig<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Heute<\/td><td>keine Relevanz, da E-Paper erm\u00e4\u00dfigt besteuert wird<\/td><\/tr><tr><td>Bedeutung f\u00fcr andere Gesch\u00e4ftsmodelle<\/td><td><strong>hoch<\/strong> \u2013 weitere Urteile zu erwarten<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Quelle:<\/strong> BFH, Pressemitteilung Nr. 75\/25 vom 06.11.2025 zum Urteil XI R 29\/23 vom 09.07.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 9. Juli 2025 (XI R 29\/23) entschieden, dass Verlage in den Jahren 2009 bis 2012 den erstmaligen Zugang zum E-Paper umsatzsteuerlich mit 0 Euro bewerten durften, wenn Print-Abonnenten das digitale Angebot ohne Mehrkosten zus\u00e4tzlich nutzen konnten. 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